In der Spannung leben. Holzschnitt von Joachim Scard.
In der Spannung leben. Holzschnitt von Joachim Scard.

Zeitgeschehen

"Für jedes Geschehen unter dem Himmel gibt es eine bestimmte Zeit.
(Prediger 3, 1).

Warum könnt ihr ... die Zeichen dieser Zeit nicht deuten? (Lukas 12,56)

In dieser Rubrik wird von gegenwärtigen Ereignissen in Kirche und Welt berichtet und sie - wo es sich nahe legt - prophetisch als Zeichen der Zeit gedeutet. Denn auf sie zu achten gebietet Jesus uns im Blick auf das sich nähernde Ende der gegenwärtigen Weltzeit und seine Wiederkunft (Ölbergpredigt in Matthäus 24, Verse 3-36)."



Flüchtlingskrise, Nächstenliebe und langfristige Verantwortung

von Prof. Dr. rer. nat. Bodo Volkmann

4. Dezember 2015

Den Übergang in das neue Jahr erleben wir als Deutsche inmitten einer Flüchtlingskrise von ungeheurem Ausmaß. Da sind 2015 rund eine Million Menschen aus fremden Kulturen in die Bundesrepublik gekommen, und diese Zahl könnte sich  allein durch den Nachzug von mehreren Millionen Familienangehörigen noch erheblich erhöhen. Ein Ende dieses gewaltigen Menschenstroms ist nicht in Sicht. Im Gegenteil: er könnte im neuen Jahr noch stark zunehmen.


Honoré Daumier: Die Flüchtlinge. 2. Drittel 19. Jh.

Die meisten der Flüchtlinge freuen sich über die gastfreundliche, hilfsbereite Aufnahme bei uns, auch wenn sie vorerst noch in Zelten oder Turnhallen untergebracht sind. Die staatlichen Stellen tun ihr Äußerstes, um diese Probleme zu lösen, und private Kreise, gerade auch Christen, helfen dabei an vielen Orten tatkräftig und opferbereit mit.

So weit, so gut. Und doch kommen manchen von uns, auch mir, dabei Fragen über die langfristigen Folgen dieser Entwicklung.  Denn aus der Bibel kenne ich beides: Einerseits die Aufforderung zu tätiger Nächstenliebe gegenüber dem Menschen, den Gott gerade neben mich stellt oder legt. Andererseits lerne ich aus Römer 13, dass Gott den Staat eingerichtet  hat, der mit seinen Machtmitteln    für das unmittelbare und für das langfristige Wohl seiner Bürger sorgen soll. Und aus Apg. 17, 26 weiß ich, dass Gott für jedes Volk das Gebiet bestimmt hat, wo es leben soll. Eine gute internationale Politik sollte daher das Ziel haben, Not leidenden Ländern rechtzeitig und großzügig an Ort und Stelle zu helfen, Missstände zu lindern, damit dort kein Bürgerkrieg ausbricht und keine Fluchtlawine ausgelöst wird.

Philosophisch haben Denker wie Max Weber das Problem der beiden Arten von Ethik aufgegriffen und vertieft. Er sprach von Gesinnungsethik (Tue das, was eine gute Gesinnung unmittelbar gebietet) und Verantwortungsethik (Tue das, was der Verantwortung für die langfristigen Folgen deines Handelns entspricht).

Die deutsche Flüchtlingspolitik entspringt zweifellos einer guten Gesinnung. Wie aber steht es mit der Verantwortung für die voraussehbaren langfristigen Folgen? Man muss dazu die folgenden drei  Faktoren bedenken:

Erstens. Deutschland hat praktisch die niedrigste Geburtenrate der Welt. so dass sich unser Volk seit etwa 45 Jahren in einem rasanten, weit fortgeschrittenen Aussterbe-Prozess befindet. Durch die jetzige, riesige Flüchtlingswelle aus Ländern wie Syrien oder Afghanistan wird daher bei uns in wenigen Jahrzehnten eine ganz neue Mehrheit entstehen. Das wird völlig veränderte religiöse, kulturelle und politische Verhältnisse mit sich bringen, wie es anderswo, z.B. im Kosovo, bereits geschehen ist. Dabei ist zu berücksichtigen, dass bei uns bisher schon viele Millionen Zuwanderer leben, die aufgrund ihrer kulturellen Herkunft und ihrer politischen Einstellung nicht imstande oder nicht bereit sind, sich hier zu integrieren. Diese Schwierigkeiten werden schnell eskalieren, wenn es auch in Zukunft für die Aufnahme von Flüchtlingen „keine Obergrenze“ geben sollte, selbst bei noch so hohen Zahlen. Man braucht nicht unbedingt Mathematiker zu sein, um entsprechende Hochrechnungen aufzustellen.

Zweitens. Während in anderen Ländern (Schweiz, Finnland, Polen, Ungarn, Frankreich, USA,…) die Völker ein positives Verhältnis zum eigenen Staat haben und bemüht sind, Kultur, Sprachen und geschichtliche Identität zu bewahren, ist in Deutschland jetzt eher das Gegenteil der Fall. Zwar schwören bei uns die Inhaber der höchsten Ämter im Staat noch bei ihrer Vereidigung, dass sie „Schaden vom deutschen Volk abwenden“ wollen; doch werden sie kaum jemals daran erinnert, was dies im Sinn der Verantwortungsethik konkret bedeutet. Wie aber sollen sich Einwanderer in ein Land integrieren, dessen Identität von vielen seiner eigenen Bürger abgelehnt wird, so dass höchstens noch bei Fußball-Län-derspielen die schwarz-rot-goldene Begeisterung stundenweise eine gewisse Rolle spielt?

Drittens. Die deutsche Flüchtlingspolitik geschieht letztlich im Alleingang. Auch befreundete Länder (Großbritannien, Schweden, Österreich …) verhalten sich da mittlerweile ganz anders. Man hat manchmal den Eindruck, dass bei uns auch Männer und Frauen in christlichen Leitungs¬funk¬tionen bei ihren Äußerungen zur Flüchtlingskrise eine reine, edle Gesinnungsethik vertreten, ohne sich ir-gendwie mit ihren Amtsbrüdern im Ausland im Sinne der Verantwortungsethik abzustimmen. So kommt es, dass die Flüchtlinge unter den vielen Zielländern, die grundsätzlich in Frage kämen, fast nur ein einziges anstreben: „Tschärrmahnie“ oder wie immer sie „Germany“ mit ihrem Akzent aussprechen.

Die Lage im Hinblick auf die Flüchtlingskrise ist also jetzt äußerst komplex. Menschlich gesehen, ist die Situation düster und verworren. Doch wissen wir aus Röm. 8, dass denen, die Gott lieben, jede Situation zum Besten dienen muss   und dass kein Ereignis uns je von seiner Liebe trennen kann. Gott will, dass wir auch bei Schwierigkeiten dort bleiben, wo er uns hingestellt und einen Auftrag gegeben hat. Das gilt auch, wenn eines Tages Terrorakte, wie sie in New York, Madrid, London und Paris bereits geschehen sind, auf Berlin oder Stuttgart übergreifen sollten.

Dabei dürfen wir nie vergessen: Der Auftrag der Gemeinde ist, unabhängig von der jeweiligen politischen Situation das Wort Gottes zu bezeugen und Menschen zum Glauben an Jesus Christus zu helfen, solange dazu die Möglichkeit besteht.   Nur indirekt kann sie in das politische Geschehen eingreifen. Unter den Fehlern  von Regierungen hatte die Gemeinde stets mit zu leiden, wobei dies manchmal zu schlimmen Folgen führte, mitunter bis hin zum Martyrium. Doch sind wir in der glücklichen Lage, das herrliche Endziel unserer Reise zu kennen, auch wenn   uns oftmals die Zwischenstationen noch unbekannt sind.
                                                                                                
(Erscheint im Gemeindebrief der Freien evangelischen Gemeinde Stuttgart, Jan./Feb. 2016)


Zum Herunterladen: undefinedBodo Volkmann: Flüchtlingskrise (110 KB)

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Welche unsichtbare Macht stand hinter dem Flugzeugabsturz in den französischen Alpen?

von Prof. Dr. rer. nat. Bodo Volkmann

6. April 2015

Der 24. März 2015 geht als ein furchtbarer Tag in unsere Geschichte ein. Wir alle sind erschüttert über diesen Flugzeugabsturz in Südfrankreich, bei dem in Sekundenschnelle so viele Menschen den Tod fanden. Über die Ursachen und die Vorgeschichte ist in den letzten Wochen viel gesprochen und geschrieben worden.

Die Fakten konnten ja nach anfänglichen Schwierigkeiten erstaunlich genau aufgeklärt werden. Was ist aber das Besondere  an diesem Ereignis? Dass es diese  große Zahl  von 150 Toten gab? Darauf könnte ein kalter Zyniker die makabre Antwort geben, dass bei anderen  Katastrophen schon  mehr Menschen ums Leben gekommen sind, auch bei Flugzeugabstürzen.  Nein, was uns hier  am tiefsten berührt, sind die Begleitumstände. Ich stelle mir die Väter und Mütter vor, die am Flughafen Düsseldorf auf ihre Töchter und Söhne gewartet haben, die von einem Schüleraustausch in Spanien zurückkehrten – eine Situation, in der  ja viele von uns  in ähnlicher Form auch schon gewesen sind. Wie aber muss diesen Eltern zumute gewesen sein, als die erschütternde Nachricht kam, dass der Flug 9525 aus Barcelona irgendwo in den französischen Alpen mit einem Absturz geendet hatte?!    Und was haben sie empfunden, als sie später mehr über die Einzelheiten erfuhren: Ein sorgfältig geplanter Selbstmord, bei dem  der Täter so viele andere Menschen mit in den Tod gerissen und damit ihren Familien und Angehörigen unsägliches Leid zugefügt hat.  

Wie kommt ein Mensch zu einer solchen grausamen Untat? Noch dazu ein ganz normaler, bürgerlich-anständiger, 27- jähriger Kopilot aus Rheinland-Pfalz, der nie durch gewalttätiges, kriminelles Verhalten aufgefallen war? Gewiss, er war depressiv, wie sich nun herausstellt. Aber lässt sich etwa damit diese gigantische Untat erklären? Ich gebe zu, dass mir hier die psychologischen Kenntnisse fehlen. Doch weiß ich, dass es depressiv veranlagte Menschen gibt, auch unter uns, die sehr verantwortungsbewusst mit dieser Veranlagung  umgehen. Ihnen gegenüber empfinde  ich nicht nur Respekt, sondern auch Mitgefühl und Vertrauen. Schließlich war auch Martin Luther depressiv!  

Nein, was auf diesem Flug von Barcelona nach Düsseldorf geschehen ist,  muss in seiner geistlichen Tiefendimension verstanden werden. Da drängt sich uns eine wichtige Erkenntnis auf:
Wir leben in einer  real existierenden Gesellschaft, wo der Gegenspieler Gottes vorerst noch eine große Macht hat.
Er sucht sich für das Unheil, das er anrichtet, nicht nur die Opfer, sondern auch die ausführenden Täter. So hat es einen tiefen, praktischen Sinn, wenn unser Herr uns nahelegt, dafür zu beten, dass wir nicht in Versuchung fallen, sondern  vor der Gewalt  es Bösen  bewahrt werden. Und wer auch nur ein Stück weit gelernt hat, sich selbst zu beobachten,  der weiß, dass es für die Versuchung zum Bösen bei uns allen die verschiedensten Einfallstore gibt. In diesem Punkt hilft es nicht, Größenunterschiede zu machen  und die Sünden in schwere, mittlere und kleine einzuteilen. Denn wir alle leben von der Vergebung, und keiner von uns hat das Recht, sich über andere Sünder zu erheben oder sie gar zu hassen. Den Wirkungen des Bösen sind wir ständig ausgesetzt, auch wenn sie nicht immer zu Katastrophen führen.

Dies führt mich zu einer zweiten Erkenntnis: Es wäre völlig abwegig, jetzt besondere Angst vor dem Flugzeug zu haben. Denn die Möglichkeit eines plötzlichen Todes lauert auch an vielen anderen Stellen, und zwar mit viel größerer Wahrscheinlichkeit. Wer sich aus Angst vor dem Tod in kein Flugzeug traut, der dürfte, statistisch betrachtet, erst recht kein Auto benutzen, keinen Bus, keine Bahn usw. Hinzu kommen die vielen  sonstigen denkbaren Todesursachen, z.B. durch polizeilichen Berufseinsatz, Krankheiten, häusliche Unfälle, Süchte, Verbrechen usw. Schließlich gehört der Tod so normal zum Leben wie die Geburt, wie die  Atmung. Jedem Menschen ist es gesetzt, einmal  zu sterben. Deshalb sollten wir realistisch darauf eingestellt sein, dass Gott irgendwann bei uns den Zeitpunkt dafür bestimmt, vielleicht in einer überraschenden Situation.  

Das Entscheidende bei unserem Thema ist jedoch eine dritte Erkenntnis: Der Tod ist nicht das Letzte! Wir als Glaubende wissen, dass für den Menschen das biologische Leben nur eine Vorstufe des eigentlichen, zeitlich unbegrenzten Lebens ist, wie  Gott es für uns vorbereitet hat. Und wir wissen, dass für alle, die mit Jesus Christus verbunden  sind, eine herrliche, strahlende, ewige Zukunft im Himmel Gottes bevorsteht. Es ist etwas Großartiges und Entscheidendes, wenn wir in einem täglich bereinigten Verhältnis zu ihm leben und auf diesen Großen Umzug vorbereitet sind, und zwar möglichst schon in jungen Jahren. Dann wird unser  Verhalten im Alltag geprägt von dieser freudigen Hoffnung, die viel stärker ist als die etwaige Angst vor dem Sterben.

So sehe  ich vor meinem geistigen Auge ein Bergmassiv in den französischen Alpen, unweit  der Ortschaft Barcelonette, am 24. März 2015, um 10.54 Uhr,  wo vor einer Minute ein Airbus zerschellt  ist. Wenige Meter über dem Gebiet des Aufpralls sind – frei schwebend - viele Menschen zu erkennen. Ihre bisherigen, irdischen  Körper liegen, in kleine Stücke zerfetzt, unter ihnen zwischen den Trümmerteilen, die an etlichen Stellen noch brennen. Aber ihr Geist ist voll intakt und sehr lebendig, mehr als zuvor.    Es ist zu hören, wie es Wortwechsel  unter ihnen gibt – meist auf  Deutsch  und auf  Spanisch. Einer der Toten wird von vielen bedrängt, offenbar mit schweren Beschimpfungen und Vorwürfen. Er versucht, vor ihnen an eine Felswand zu flüchten. Dort wird er jedoch plötzlich von dem Würgegriff einer riesigen Hand erfasst – oder ist es die Klaue eines gigantischen Tieres? – und in Sekundenschnelle fortgerissen. Ich kann  noch sehen, wie jetzt etwas weiter östlich im Gelände der Eingang eines breiten Tunnels liegt, der in schräger Richtung aufwärts führt. Ein Teil der Toten wird von einer geistigen Kraft in diesen Tunnel hineingezogen, offenbar um ihn zu durchlaufen und am anderen Ende ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Sie strahlen  eine ungeheuer freudige Stimmung aus, die sich auch auf mich überträgt. Neben mir höre ich eine Art Lautsprecherdurchsage:

Glückselig sind alle, die im Vertrauen auf Jesus Christus sterben!

Das gilt 2015 genauso wie zuvor.“

Autor: Prof. Dr. rer. nat. Bodo Volkmann, Möglingen

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Putin kritisiert den westlichen Kulturverfall

Wladimir Putin
Wladimir Putin

11. Januar 2014

Am 19. September 2013 hielt Vladimir Putin, Präsident der Russischen Föderation, eine bemerkenswerte Rede über den kulturellen Abstieg des Westens, der über zwei Jahrtausende hin die große Festung des Christentums gewesen war.  Der Kulturverfall des Westens, sagte er, beruhe auf der in allen Bereichen vollzogenen Gleichsetzung Satans mit Gott.  Gott und Satan werden im Westen gleichgesetzt wie etwa: Familie und Homosexualität, Kinder und Abtreibung (Kindstötung), Politik und Pädophilie, Demokratie und Bankenfeudalismus usw.

Putin’s Rede im Wortlaut

“Wir sehen, wie viele euro-atlantische Staaten (= der Westen) den Weg eingeschlagen haben, auf dem sie ihre eigenen Wurzeln verneinen bzw. ablehnen, einschließlich der christlichen Wurzeln, die die Grundlage der westlichen Zivilisation bilden.  In diesen Staaten werden moralische Grundlagen und jede traditionelle Identität verneint – nationale, religiöse, kulturelle oder sogar geschlechtliche Identitäten werden verneint.  Dort wird eine Politik betrieben, die eine kinderreiche Familie mit einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft gleichsetzt; diese Politik setzt den Glauben an Gott mit dem an Satan gleich.

Die Menschen in vielen europäischen Ländern schämen sich und haben regelrecht Angst, offen über ihre religiöse Zugehörigkeit zu sprechen.  In Europa werden christliche Feiertage und Feste abgeschafft oder umbenannt als würde man sich für diese christlichen Feste schämen.  Damit versteckt oder verheimlicht man den tieferen moralischen Wert dieser Feste.

Diese Staaten versuchen, dieses Modell auch anderen Ländern weltweit aggressiv aufzuzwingen.  Ich bin zutiefst überzeugt, dass das der direkte Weg zum Verfall und zur Primitivisierung der Kultur ist.  Dies führt zu tieferen demographischen und moralischen Krisen im Westen.

Was kann denn der bessere Beleg für die moralische Krise der westlichen Gesellschaft sein als der Verlust ihrer Reproduktion?  Heute können sich beinahe alle ‘entwickelten’ westlichen Länder reproduktiv nicht erhalten.  Nicht einmal mit Hilfe von Migranten.

Ohne moralische Werte, die im Christentum (und in anderen Weltreligionen) begründet liegen, ohne Normen und moralische Werte, die sich Jahrtausende lang formiert und entwickelt haben, werden die Menschen unvermeidlich ihre Menschenwürde verlieren und zu Unmenschen werden.  Wir halten es für richtig und für natürlich, diese moralischen, christlichen Werte zu verteidigen und zu wahren…”


“Diese Worte“, schreibt  die Herausgeberin des südafrikanischen Nachrichtendienstes UCANEWS, Frau Dorothea Scarborough, „kommen von einem Mann, der im gottes- und menschenverachtenden System des sowjetischen Kommunismus erzogen wurde und zu Erfolg gelangte.  Er war ein führender Oberst des KGB in Russland und Mitteldeutschland.  Erst ein Lebensalter zuvor hatte Stalin seine Säuberungen durchgeführt, die 20 Millionen Menschenleben, meist von Christen, gefordert hatten.  Nach dem Fall des Sowjetimperiums, jedoch, folgerte Putin:  ‚Ohne christlichen Glauben und seine Ethik wird der Mensch zu einem Unmenschen, und seine Gesellschaft wird primitiv’ “

Aus UCA 4/2013 Kapstadt

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Rezension


Necla Kelek
Necla Kelek
Gottfried Meskemper
Gottfried Meskemper

13. Oktober 2013

Necla Kelek

Himmelsreise
Mein Streit mit den Wächtern des Islam

Goldmann TB 15664,
Erstausgabe 2011
316 Seiten,
geb. Ausgabe 18,95€  TB 9,99 €


Was wissen wir wirklich vom Islam und den Muslimen? Mit der „Himmelsreise“ von Dr. Necla Kelek erfahren wir aus erster Hand etwas über die Mentalität und Lebensweise von Muslimen, über  den Hintergrund der Motivationen und das Beziehungsgefüge in oder zu unserer westlichen Gesell-schaft. Manchmal sind es Ängste, manchmal ist es Philoislamismus, die aus Unwissenheit oder Ignoranz unsere Einschätzung der Zuwanderer bestimmen. 

Der Titel des Buches aus der Feder der türkischstämmigen deutschen Sozialwissenschaftlerin ist eher harmlos angesichts des brisanten Themas, das sich dahinter verbirgt. Sie ist als 10jährige mit ihren laizistischen Eltern 1967 nach Deutschland gekommen. Sie beschreibt als Insiderin die Ge-dankenwelt und Praxis von Muslimen, die – vorwiegend aus der Türkei – nach Deutschland einge-wandert sind. Mit wachsender Abneigung hat sie die introvertierte Lebensweise ihrer Landsleute z. K. nehmen müssen, die sich in Deutschland so verhalten wie zuvor in ihren anatolischen Dörfern.

Zunächst ist sie durch den Besuch einer deutschen Schule und danach durch ihr Studium der Sozial-wissenschaften mit der deutschen Zivilgesellschaft in Berührung gekommen und empfand dies als Befreiung von dem Druck, der von der islamischen Parallelgesellschaft ausgeht. In zwölf Kapiteln setzt sie sich mit dem religiösen Islam und seinen Grundlagen und mit der Praxis des real existie-renden Islam in den deutschen Städten auseinander. Angesichts einer Behauptung des zurückgetre-tenen Bundespräsidenten Wulff: „Der Islam gehört zu Deutschland“, ist es umso wichtiger für den einheimischen Bürger, das Bewusstsein für die Vorgänge in dieser Parallelgesellschaft zu schärfen.

Sie war als Lehrbeauftragte für Migrationssoziologie an der Evangelischen Fachhochschule für Sozialpädagogik in Hamburg tätig und wurde bald Mitglied der Deutschen Islamkonferenz. Sie promovierte an der Greifswalder Ernst-Moritz-Arndt-Universität über „Islamische Religiosität und ihre Bedeutung in der Lebenswelt von Schülerinnen und Schülern türkischer Herkunft“.

Aufgrund ihrer sorgfältigen und genauen Beschreibung der – vor allem familiären – Struktur der türkischen Einwandererfamilien bekam sie eine Reihe bedeutender wissenschaftlicher Auszeich-nungen, so

2005 den renommierten Geschwister-Scholl-Preis
2006 die Mercator-Professur der Universität Duisburg-Essen
2008 den Preis Frauen Europas - Deutschland des Netzwerks Europäische Bewegung Deutschland 2009 den Hildegard-von-Bingen-Preis für Publizistik
2010 den Freiheitspreis der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit

Sie ist mit einer Reihe von Publikationen hervorgetreten, so außer der vorgenannten mit
-    dem Sachbuch Die fremde Braut, 2005
-    Chaos der Kulturen: Die Debatte um Islam und Integration, 2012
-    Über die Freiheit im Islam, 2010
-    Islam im Alltag. Islamische Religiosität und ihre Bedeutung in der Lebenswelt von Schülerinnen und Schülern türkischer Herkunft, 2002
(Wer sich näher damit befassen möchte, kann sich bei WIKIPEDIA – Necla Kelek im Internet informieren.)

Sie ist bekannt durch Vorträge in Veranstaltungen interessierter Verbände und Gruppen, aber auch bei türkischen Vereinen und in Moscheen, ebenso wie durch Fernsehauftritte und journalistische Artikel. Daher lag es nahe, dass sie sowohl von der württembergischen Landesregierung als auch von der Bundesregierung als Beraterin hinzugezogen wurde. Darüber hat oder hatte sie Sitze ver-schiedenen Einrichtungen, z. B. in der Giordano-Bruno-Stiftung u.a.

Angesichts der beschwichtigenden Darstellungen des Islam in den Medien und durch Politiker ist es hilfreich, dass Keleg eine klare Zielvorgabe macht: „Mein Streit mit den Wächtern des Islam wendet sich nicht nur gegen die Islamisten, die mich schon in ihren anonymen Internetblogs verfluchen, sondern auch gegen diejenigen, die mir vorschreiben möchten, die Traditionen und Gebräuche der Religion, mit der ich aufgewachsen bin, nicht kritisch hinterfragen zu dürfen.“ (Aus dem Vorwort S. 14) Und Letztere dürften eine starke Mehrheit, der bei uns lebenden 4,5 Millionen Muslime sein.

Der Einstieg in die Problematik des Islam beginnt in dem Buch mit der Frage nach der Herkunft des Koran (S. 32-34). Keleg verweist darauf, dass es verschiedene Lesarten koranischer Texte gibt und zeigt auf, dass sich die Muslime mit einem Ur-Koran im Himmel zufrieden geben, um nicht histo-risch-kritisch seine Herkunft prüfen zu müssen. Der Leser erfährt dabei viel über die Gedankenwelt und Verhaltensmuster der Muslime.

Es wird den meisten Deutschen nicht bewusst sein, dass der Islam Fundamentalkonzepten folgt, die in unserer Gesellschaft – spätestens nach dem II. Weltkrieg – fremd geworden sind: Respekt, Ehre, Schande u.ä.m. Das christliche Menschenbild verlangt zuerst Nächstenliebe. Daraus erwachsen Diensthaltung, Duldung und Leidensbereitschaft. Der Moslem dagegen ist aufgefordert, alles Inter-esse zuerst der Frage und Aufgabe zu widmen, „Ungläubige“ zu islamisieren und Apostaten – oder wer den Islam auf Dauer ablehnt – zu töten (Sure 4, 89 – 90), wie es die tägliche Praxis in aller Welt zeigt.

Politiker und NGOs versuchen uns einzureden, das Problem der Muslime in Deutschland sei die Ausländerfeindlichkeit. Die Realität sieht anders aus, das Hervorkehren ihres Andersseins ist es, was eine künstliche Distanz schafft. Islamverbände gefallen sich häufig in der Opferrolle und richten ihre Forderungen auf die Distanzierung von der deutschen Gesellschaft ein. Und Tag für Tag berichten die Medien über unversöhnliche Auseinandersetzungen selbst unter Muslimen, zwischen Sunniten (die sich für Wahrer der Tradition halten) und Schiiten, die den Mord am Schwiegersohn Mohammeds (der ihrer Meinung nach sein eigentlicher Nachfolger war) bis heute nicht ertragen können. Das für Christen eigentliche Problem aber ist die Unvereinbarkeit des Islam mit dem Christentum. Die Bibel ruft zur Nächsten- und Feindesliebe auf, was für Muslime umso mehr ein Ansporn zur Christenverfolgung ist, weil sie das als Schwäche missdeuten. Unablässig brennen im gesamten, vom Islam dominierten Raum Kirchen und werden Christen gezielt ermordet. Der Islam ist mit dem Christentum nicht kompatibel. Wie soll sich das ändern, wenn moslemische Mütter ihre Söhne dazu erziehen, die „Familienehre zu verteidigen? Daraus resultiert das ständige Beleidigtsein, das erwünschte Anlässe für gewalttätige Auseinandersetzungen liefert.

Der große Vorteil des Buches aus der Feder von Necla Kelek ist ihre Kenntnis der Innenseite des Islam, sie spricht nicht wie der Blinde von der Farbe. Das ist für Muslime und deutsche Unterstüt-zer das Ärgerliche an dem Buch. Der Vorwurf mangelnder Kenntnis greift nicht. Um so engagier-ter greifen Kritiker des Christentums und der bürgerlichen Gesellschaft die Verfasserin an und behaupten, sie habe sich nach ihrer – auch von den Kritikern anerkannten – Promotionsschrift mehr und mehr auf bloße Polemik verlegt. Wir kennen solche subtilen Angriffe aus Erfahrungen im christlichen Lager. Erschreckend ist die Erkenntnis, dass vor allem Politiker sich häufig als Schön-redner gebärden und die wahren Sachverhalte verdrängen – aus welchen Gründen auch immer. Als Beleg dafür sei hier ein kurzer Absatz über den deutschen Bundestagspräsidenten Wolfgang Thierse wiedergegeben: „Bagdad, so lobte Bundestagspräsident Wolfgang Thierse in seiner Aachener Rede 2003 das damalige Zentrum der islamischen Welt, sei unter Harun al-Raschid von kultureller und religiöser Toleranz geprägt gewesen.“ Diese Sichtweise dürfte allerdings, so allgemein formuliert, schwerlich zu halten sein; in religiösen Fragen kannte Harun vielmehr kein Pardon, die Maxime lautete: Bekehrung oder Tribut.“ (S. 228)

So dankbar man einerseits für die kenntnisreichen Darlegungen über die moslemische Familie sein muss, so stößt das Buch ein wohl bisher unerkanntes Problem an. Wie ist das Christentum ange-sichts der moslemischen Selbstdarstellung zu bewerten und einzuordnen? Ich möchte nicht falsch verstanden werden, ich bin sehr dankbar für die schonungslose Offenheit, mit der Kelek uns die moslemischen Interna vor Augen führt. Aber sie sieht angesichts der offenbaren Unmöglichkeit eines solchen Lebensstils keine andere Alternative als die religionslose Zivilgesellschaft. Es ist das verständliche Verlangen nach absoluter Befreiung von jeder religiösen Bevormundung, sei es durch Imame oder Pfarrer. So ist es zwar unerwartet aber unausweichlich, dass sie sich in dieser Debatte auf Lessing und dessen Vernunftkritik an der Religion – hier natürlich des Protestantismus – beruft (S. 223ff). Dabei zitiert sie zurückweisend, wie schon Lessing, 2. Kor. 10,5: „Wir nehmen alle Ver-nunft gefangen unter den Gehorsam Christi.“ Wird dadurch mit einigen schmalen Kapiteln das Christentum neben dem Islam gleich mit erledigt? Aber das ist nicht Kelegs Problem, sondern unser ureigenstes. Es ist die Frage, was ist unter uns Christen echt, entspricht es dem Wort Gottes?

Islam bedeutet „Unterwerfung“, d. h. unter den Willen Allahs, bzw. dessen, was Mohammed als den Willen Allahs ausgab. Unter Christen ist klar, dass Freiheit ohne Bindung nicht möglich ist. Keleg erklärt uns die moslemische Freiheit, dass nämlich „der Sklave frei wird, um Allah zu dienen“ (S. 162/163). Ich verweise nur auf die falschen Parallelen, die uns gewiss unsere Kritiker vorhalten werden, wenn wir uns die – notwendige – Bewertung des Islam, wie sie Keleg bietet, zu Eigen machen. Daran wird deutlich, dass der Islam eine Umkehrung des christlichen Glaubens und der aus der Bibel gewonnen Ethik ist.  Wir kennen Ähnliches von Sektenbildungen in unserem Land. Da tritt eine charismatische Persönlichkeit auf und bemächtigt sich der Zuhörerschaft mit einer aus dem Zusammenhang gerissenen Passage der Bibel, sei es, man brauche einen neuen Stammapostel, müs-se unbedingt den Sabbat einhalten oder statt Gott und Jesus Jehova betonen. Damit kein Missver-ständnis entsteht, die Vertreter dieser und anderer christlicher Sekten treten nicht mit Machtan-spruch und Aufforderung zur Gewalt auf. Aber Mohammed machte aus dem ihm – wahrscheinlich nur unzulänglich – bekannten Christentum und Judentum eine Religion, die seinen eigenen Bedürf-nissen und Wünschen entsprach. Aber man wird uns angesichts dessen vorhalten, auch das Chris-tentum verlange Unterwerfung, „seid untertänig“ oder „ordnet euch unter“ (s. Jacobus 4,7). Das ist unter Christen längst fremd geworden, aber es begründet u.v.a. die Schwäche des Christentums. Das leidige Thema der Kreuzzüge hat sie in ihrem umfangreichen Werk nicht angeschnitten.

Keleg geht auch auf die Auseinandersetzung Islam – Christentum nicht näher ein. Ihre Konfliktpar-teien sind Islam und Zivilgesellschaft. Der selbstzerstörerische Aspekt dieser Zivilgesellschaft ist ihr anscheinend noch nicht so ins Bewusstsein gedrungen, wie die Unterdrückungsmechanismen des Islam gegenüber „Ungläubigen“ und Frauen. Aber es ist nicht nur die – auch von außen zu be-obachtende – Aggression, sondern es geht ihr vor allem um die innerfamiliaren Strukturen, nämlich die hierarchische Abhängigkeiten, des Familienoberhaupts vom Clanchef und den Oberhäuptern verwandter Familien, die aufgereihte Unterordnung des ältesten Sohnes unter den Vater und der nachgeborenen Söhne unter diesen, ersatzweise auch von Cousins. Angesichts dieser chauvinisti-schen Übertreibung des Familiengerüsts müssen wir uns in Deutschland natürlich fragen, was ist eigentlich mit unseren bio-deutschen Familien? Wir haben den starken Eindruck, dass die natürli-chen Bande der Familie weitestgehend zerrissen sind.

Würde man diesen Aspekt aus der Sicht der Bibel behandeln, so kämen wir auf eine ganz andere Bewertung, etwa in Matth. 12:  46 Da er noch also zu dem Volk redete, siehe, da standen seine Mutter und seine Brüder draußen, die wollten mit ihm reden. 47 Da sprach einer zu ihm: Siehe, deine Mutter und deine Brüder stehen draußen und wollen mit dir reden. 48 Er antwortete aber und sprach zu dem, der es ihm ansagte: Wer ist meine Mutter, und wer sind meine Brüder? 49 Und er reckte die Hand aus über seine Jünger und sprach: Siehe da, das ist meine Mutter und meine Brüder!  50 Denn wer den Willen tut meines Vaters im Himmel, der ist mein Bruder, Schwester und Mutter. Wie weit weg ist das inzwischen in der christlichen Gemeinde. Mohammed hat also aus der Glaubensfamilie des Neuen Testaments eine Verpflichtung der biologisch gewachsenen Familie zur Durchsetzung und Aufrechterhaltung des Islam gemacht und ihre Glieder in Sippenhaft genommen.

Es könnte leicht der Eindruck entstehen, als würde der Rezensor am Buch von Necla Kelek Kritik üben wollen. Das ist keinesfalls beabsichtigt. Die Verfasserin hat sich nach umfangreichen Recher-chen, gepaart mit den persönlichen Erfahrungen ihrer eigenen Herkunft aus dem Islam alle Mühe gegeben, die aus der Einwanderung der Muslime sich ergebenden gesellschaftlichen Probleme sorg-fältig zu beschreiben und für den deutschen Leser einsehbar und verständlich zu machen. Die für unsere westliche Gesellschaft selbstverständlichen Schlussfolgerungen ziehen die Muslime offenbar nicht. Es gibt unter ihnen allem Anschein nach keine Abneigung gegenüber den islamischen Regi-men in ihren Herkunftsländern, die als Feudalherrscher zugleich Seelenfürsten ihrer Untertanen sind. Ein Imam erklärte im Fernsehen, dass im Islam die Menschen kein Recht auf Gleichbehand-lung und Glück hätten. Das Schicksal (Kismet) teilt jedem das Seine zu wie Allah es will. Dagegen aufzubegehren wäre ein Verstoß gegen den Koran und die „Hadithen“ (Rechtssetzungen durch islamische Gelehrte und kulturelle und religiöse Traditionen), und das ist islamische Sünde. Und immer ist dies mit dem Gewaltprivileg verbunden.

Der Rezensor sieht es als Strafe Gottes für die von Intellektuellen und Kirchen betriebene Entchrist-lichung unser Volk an, dass der Islam als Antithese zum Christentum in unserem Lande als gleich-berechtigt und – mehr noch – als gleichwertig angesehen wird. Logischer Weise folgte daraus die  Rechtsgleichheit von Muslimen mit Bio-Deutschen etwa bei Wohnungsanmietungen oder Einstel-lungen bei Behörden und Betrieben die mit Hilfe des Anti-Diskriminierungs-Gesetzes (ADG) erzwungen werden.

Natürlich arbeitet die Verfasserin auch die sattsam bekannten Themen Kopftuchtragen, Schweine-fleischverbot, Badeverbot für Mädchen, Streit um Moschee-Bauten u.ä. ab. Dabei dürften Begleit-erscheinungen, wie „jugendliche Glaubenswächter“ in Schulen, die moslemische Mitschüler daran hindern, übliche deutsche Speisen in der Schulmensa zu nehmen, den meisten kaum bekannt sein. In Städten mit starkem moslemischen Einwandereranteil, der sich dazu noch auf bestimmte Stadt-teile konzentriert, sind weitere Konfliktfelder entstanden: Bewusste Missachtung der Verkehrsre-geln, Angriffe auf Polizeibeamte, gezielte Straftaten durch strafunmündige Jugendliche oder das bedrohliche Auftreten ganzer Familienclans, wenn einer von ihnen bei Straftaten erwischt wurde. Und das alles bei gleichzeitiger Inanspruchnahme deutscher Sozialleistungen ohne Bereitschaft zur Gegenleistung durch Schulbildung, Ausbildung und Eintritt in die deutsche Erwerbsgesellschaft. Diese Schilderung soll nicht alle Muslime unter Generalverdacht stellen, denn es gibt genügend muslimische Einwanderer, denen ebenso vor Teilen ihrer Landsleute graust. Auch sie beklagen, dass ein sich so archaisch gebender Islam und seine genussvolle Bejahung durch deutsche Helfers-helfer die Integration unnötig erschweren oder gar unmöglich machen. Dass dies keine Übertrei-bung oder böswillige Unterstellung ist, geht deutlich aus dem Buch des Neuköllner SPD-Bürger-meisters in Berlin, Heinz Buschkowski, hervor: „Neukölln ist überall“ (Ullstein 2012).

Necla Kelek bietet das ganze Panorama der moslemischen Problematik in der deutschen Zivilgesell-schaft dar, wofür ihr herzlich zu danken ist.
                                                                                                     Gottfried Meskemper, 11.10.2012

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Einzug der Homo-Lehre in Baden-Württemberg

12. August 2013

Dieser Beitrag wurde mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers der Homepage http://www.medrum.de entnommen.

Grün-Rot will seine Anschauung von der Sexualitätsvielfalt Lehrern und Schülern im Ländle aufzwingen

(MEDRUM) Baden-württembergischen Schülerinnen und Schülern droht eine Indoktrination bisher nicht gekannter Art. Rot-Grün will seine politische Anschauung über Homosexualität und normabweichendes Sexualverhalten möglichst breit in den Bildungsplänen und Lehrfächern verankern. Dies geht aus einem Bericht der Zeitung Mannheimer Morgen unter der Überschrift „Homosexualität als Pflichtstoff“hervor.

Politische Vorgaben und Erklärungsnöte

Wird das Denken an Baden-Württembergs Schulen künftig nach den Vorstellungen der SPD und den Grünen ausgerichtet, so hat dort zu gelten, dass 10 Prozent der Schüler homosexuell sind. Diese Schätzung soll für Lehrer und Schüler gelten, sagt der parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion Baden-Württembergs, Stefan Fulst-Blei, laut einem Bericht des Mannheimer Morgen. Über die Tatsache, dass homosexuelle Ausrichtungen nach der Erkenntnis der empirischen Sozialforschung nur bei etwa 2 Prozent der Menschen auftreten, scheinen sich die Vertreter der Homo-Lehre in den Reihen der SPD und der Grünen wie zuvor auch in anderen Bundesländern hinwegsetzen zu wollen. Fulst-Blei sagte dem Mannheimer Morgen: "Homosexualität muss im Unterricht als Normalität behandelt sein.“

Das Thema Homosexualität soll dem Zeitungsbericht zufolge breit im Fächerkanon der Schulen und in Schulbüchern verankert werden, auch Mathematik-Bücher sollen offenbar nicht ausgenommen bleiben. Spannend dürfte es vor allem im Biologieunterricht werden: Wie soll Schülern überzeugend erklärt werden, homosexuelle Sexualakte seien normal, obwohl die Geschlechtsorgane des Menschen dafür nicht geschaffen sind? Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) hat sich einst aus dieser Verlegenheit befreit, indem sie den After quasi auch zum Geschlechtsorgan erklärte. Dies mag in hinreichendem Maße einleuchtend sein für Mitglieder und Theologen aus dem Rat der EKD, der damit konforme modernistische Lehren über Sexualität und Lebensformen jüngst in der Orientierungshilfe über die Familie verbreitet hat. Doch dürfte die Erklärung der BZgA weder Biologen noch diejenigen Theologen überzeugen, die nicht bereit sind, ihre Kompetenz beschneiden zu lassen und sich dem Druck zur Anpassung zu unterwerfen.

Gleichschaltung nach Methoden des Mittelalters

Die von den Regierungsparteien SPD und Grüne vertretene Anschauung über so genannte sexuelle Orientierungen soll allen weiterführenden Schulen verordnet werden. Teil der Doktrin ist dem Mannheimer Morgen zufolge die Vorgabe, dass "keine Unterschiede mehr gemacht werden dürfen zwischen Heteros, Homos und Bisexuellen". Für abweichende Auffassungen, etwa die Auffassungen, homosexuelle Lebensweisen seien Sünde, oder die Vorliebe für homosexuelle Sexualpraktiken sei  veränderbar, dürfte damit kaum noch Raum verbleiben. Ob mit dieser politisch verordneten "Medizin", die der Durchsetzung der Akzeptanz von sexuell normabweichenden Lebensstilen bei Baden-Württembergs Schülerinnen und Schüler dienen soll, auch über Risiken und Nebenwirkungen aufgeklärt werden wird, geht aus dem Bericht des Mannheim Morgen nicht hervor. Sie dürften, so kann vermutete werden, auf dem Altar der Gleichschaltung geopfert werden. Gleichermaßen dürfte damit auch Schluss sein, Empfindungen zu tolerieren, die homosexuellen Praktiken ablehnend gegenüberstehen. Ihnen wurde längst mit dem Stigma der Homophobie der Kampf angesagt. Erlaubt ist demgemäß nur noch, was die Homo-Lehre duldet. Allem anderen soll der Garaus gemacht werden. So fallen die Protagonisten homosexueller Anschauungen mit ihren Dogmen und Methoden hinter die Aufklärung zurück auf Praktiken des Mittelalters.

Nicht immer siegt die poltische Anschauung

Der SPD-Landespolitiker Stefan Fulst-Blei (Mannheim) tritt auch durch seine Werbung für den Christoper Street Day in Mannheim hervor, der am 10. August 2013 in Mannheim stattfindet. Auf  seinen Facebook- und Internetseiten (Bild links) sagt Fulst-Blei, der sich als "Kämpfer" sieht: "Willkommen zur politischen Demonstration! Ihr macht unsere Stadt bunter und vielfältiger. Zusammen kämpfen wir für echte Gleichberechtigung."

Doch nicht immer haben die Vertreter der Homo-Lehre den angestrebten Erfolg, wie die Einstellung eines Ermittlungsverfahrens vor einigen Tagen zeigt, bei dem eine Vertreterin der Partei "Christliche Mitte" wegen Volksverhetzung angezeigt wurde, weil sie die Meinung vertreten hatte, "Homosexualität ist eine Krankheit". Das Verfahren wurde mit der Begründung eingestellt, dass diese Äußerung durch das Grundrecht auf Meinungsfreiheit geschützt ist.

Hartmut Steeb fordert Vorrang des Verfassungsauftrags vor grün-roter Gleichschaltungspolitik

Unter das Recht der freien Meinungsäußerung fällt auch die schonungslos offene Kritik, die der Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz, Hartmut Steeb, zu den grün-roten Gleichmachungs-Ideen äußerte. Steeb lässt keinen Zweifel daran, dass er die Förderung der Ehe und des Mutes zu Kindern für weit wichtiger hält als eine Gleichschaltung a la Grün-Rot. Steeb wörtlich dazu:

Es scheint „grün-rot“ mit dem Untergang des Südwestens noch immer nicht schnell genug zu gehen. Was Deutschland fehlt, sind Kinder. Aber rot-grün bastelt daran, wie „Homosexualität bald Teil des Bildungsplans“ werden soll. Es wäre an der Zeit, in der Schule Mut zur Ehe (natürlich im Sinne der Definition als lebenslange Liebes- und Treuegemeinschaft zwischen einer Frau und einem Mann) und zur Familie (Kinder, die in der ehelichen Gemeinschaft gezeugt werden und behütet aufwachsen können) zu machen. Das ist Verfassungsauftrag nach Artikel 6 des Grundgesetzes. Wir brauchen keine Propagierung gleichgeschlechtlicher Lebensmodelle, die uns eben gerade nicht in eine zukunftsrelevante Gesellschaft führen. Alexander Mitscherlich hat schon vor Jahren die „vaterlose Gesellschaft“ an die Wand gemalt, die „mutterlose Gesellschaft“ steht vor der Tür (nur noch 17% der Haushalte in Deutschland mit zwei und mehr Kindern); dann kommt es zur kinderlosen Gesellschaft und man braucht nicht Prophet zu sein, dass dem die zukunftslose Gesellschaft folgt. Nein, liebe Grün-Rote Landesregierung: Wir wollen leben und uns nicht umerziehen lassen. Schluss mit der Gleichmacherei und Gleichschaltungspolitik! Macht Mut zur Ehe und zu Kindern! Das ist dran!

Ideologischer Kulturkampf

Die Kritik von Steeb steht in deutlicher Übereinstimmung mit Forderungen aus dem Kreis katholischer Bischöfe in Deutschland. So wandte sich Bischof Algermissen kürzich gegen eine Relativierung der Ehe und sprach sogar von einem ideologischen Kulturkampf (MEDRUM berichtete). Grün-Rot ist offenbar fest entschlossen, diesen Kulturkampf - unbeirrt von vielen Warnungen - fortzusetzen und dabei auf dem Feld der Schulen bei der jungen Generation anzusetzen.

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Leseprobe: Jordans Warnung vor schwarmgeistigen Irrwegen des Glaubens

2. August 2013

Dieser Beitrag wurde  mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers der Zeitschrift „Theologisches“ entnommen. Er steht dort in der Ausgabe Juni – August 2013. Das hier zitierte Buch von Volker J. Jordan: „Endlich zuhause: Mein Weg zur Kirche“ erschien im  DOMINUS Verlag Augsburg. In diesem Buch finden sich zahlreiche bibliographische Angaben.

Auszüge aus dem Buch „Endlich zuhause  - Mein Weg zur Kirche“ von Volker Joseph Jordan mit besonderer Berücksichtung seiner Kritik an charismatischen Phänomenen in protestantischen Pfingstgemeinden und in der charismatischen Bewegung allgemein (einschließlich entsprechender Strömungen innerhalb der katholischen Kirche):

Jordan war in seiner evangelischen Phase selber zeitweise in pfingstlichen Kreisen aktiv, löste sich aber allmählich hiervon:

 „Meine Zweifel an den charismatisch-pfingstlichen Phänomenen wurden immer stärker. Ich sollte vielleicht noch erwähnen, daß ich in meiner Zeit in Braunschweig auch ‚in Zungen‘ redete. Diese ‚Gabe‘ ‚empfing‘ ich in einem Mensa-Gebetskreis, in dem eine Griechin speziell dafür betete, wenngleich nicht unter Handauflegung. Später, als ich es als falsch erkannte, distanzierte ich mich selbstverständlich davon und praktizierte es nicht mehr.“ (S.119)

Dabei erwiesen sich klassische protestantische Pfingstgemeinden als relativ gemäßigt im Vergleich zu enthusiastischen Phänomenen in der jüngeren „Charismatischen Bewegung“:

„Die mit dem Torontosegen verbundenen, extrem-ekstatischen Vorgänge traten bei den gemäßigten Pfingstlern nicht auf, man hätte sie auch entschieden abgelehnt. Erst 1994, zwei Jahre, nachdem ich die Pfingstbewegung verlassen hatte, kamen diese Phänomene hierzulande vermehrt  zum Vorschein.
Es gab weder das Rückwärtskippen noch das ‚Brüllen im Geist‘ oder das ‚Heilige Lachen‘, geschweige denn noch schlimmere Entgleisungen, die ich nicht beim Namen nennen möchte. Da war man deutlich nüchterner. Allerdings traten das Zungensingen, das Zungenreden und Weissagungen auf.“ (S.120)

In der pfingstlich-charismatischen Bewegung rechnet man mit Wirken des Geistes Gottes heute nach großen „Wellen“. Nach der dritten, die den „Toronto-Segen“ beschert habe, soll jetzt eine vierte „Welle“ im Anzug sein. (Photo: Dorothea Killus)

Aus seinem reichen Erfahrungsschatz mit charismatischen Gruppen berichtet Jordan z.B. das folgende Erlebnis:

„Damals gab es in Braunschweig auch ein Frühstückstreffen (‚Chapter‘) der ‚Geschäftsleute des vollen Evangeliums‘. Schon allein der Name wirkt ja nicht gerade vertrauenerweckend.
Dort sprach ein schottischer Prediger; er berichtete von seinen Erlebnissen bei einem katholischen Frauentreffen. Bei diesem sei er vom ‚Geist‘ aufgefordert worden, Purzelbäume zwischen den Stuhlreihen der dort Versammelten zu schlagen – und er rief dabei zum Schluß nur noch aus: ‚Jucki, Jucki‘  - Seither war er bei uns Mitfahrern  als ‚Jucki, Jucki‘ bekannt.
Nach dem Vortrag wurden alle Teilnehmer mit Krankheiten oder Gebrechen aufgefordert, nach vorne zu kommen und sich vom Redner die Hände auflegen zu lassen. Reihenweise fielen die Menschen nach hinten; das ‚Ruhen im Geist‘ kam dort also häufig vor, wie ich mit eigenen Augen sah.
Jene Baptistin, die bereits erwähnte Tante Hilde, ging ebenfalls nach vorne, hatte sich aber zuvor unter die Deckung des Blutes Jesu gestellt. ‚Jucki, Jucki‘ ging an ihr vorüber und legte ihr nicht die Hände auf. – Ich selbst hatte nach dieser Veranstaltung Depressionen, es ging mir nicht gut.
Allerdings sind diese ‚Geschäftsleute des vollen Evangeliums‘ keine klassische pfingstlerische, sondern eher eine neuere charismatische und bewußt ‚ökumenisch‘ ausgerichtete  Gruppierung, in der sowohl Protestanten, Pfingstler wie auch Katholiken mitwirken.
Nach jener Veranstaltung war ich von der Charismatischen Bewegung erst einmal gründlich bedient. Später gehörte ich zwar noch den Pfingstlern an, doch meinte ich, sie seien etwas ganz anderes. Nach einer Weile wurde mir aber deutlich, daß viele Phänomene in beiden Bewegungen praktisch identisch sind, wenngleich konservative, eher von den Anliegen der Heiligungsbewegung geprägte Pfingstler nicht annähernd den gleichen Enthusiasmus an den Tag legen wie die Charismatiker.“ (S.120-122)

Positiv äußert sich der Konvertit zur „Berliner Erklärung“ von 1909, in der sich evangelikale Persönlichkeiten und Gruppen deutlich von der damals aufkommenden Pfingstbewegung distanzierten:

„In Deutschland hatte die ‚Berliner Erklärung‘ führender Vertreter des Gnadauer Gemeinschaftsverbandes und der Evangelischen Allianz vom 15. September 1909 für eine nachhaltige Klärung und Trennung zwischen Evangelikalen und Pfingstlern gesorgt. Darin hieß es zur Beurteilung der sich als ein ‚neues Pfingsten‘ ausgebenden Bewegung sehr deutlich:
Die sogenannte Pfingstbewegung ist nicht von oben, sondern von unten. Sie hat viele Erscheinungen mit dem Spiritismus gemein. Es wirken in ihr Dämonen, welche, von Satan mit List geleitet, Lüge und Wahrheit vermengen, um die Kinder Gottes zu verführen. In vielen Fällen haben sich die sogenannten  Geistbegabten nachträglich als besessen erwiesen. [...]
Der Geist in dieser Bewegung bringt geistige und körperliche Machtwirkungen hervor. Und dennoch ist es ein falscher Geist. Er hat sich als ein solcher entlarvt. Die häßlichen Erscheinungen wie Hinstürzen, Gesichtszuckungen, Zittern, Schreien, widerliches lautes Lachen usw. treten auch diesmal in Versammlungen auf.
Wir lassen dahingestellt, wie viel  davon dämonisch, wie viel hysterisch oder seelisch ist, gottgewirkt sind solche Erscheinungen nicht.‘“  (S.123)


Katholisch-charismatische Strömungen geben sich zum Teil sehr kirchlich und scheinen sich um ein gemäßigt wirkendes Erscheinungsbild zu bemühen; hierzu stellt Jordan fest:

„Auf den ersten Blick scheinen die gemäßigten Kreise in der Charismatischen Bewegung innerhalb der katholischen Kirche etwas nüchterner und vor allem den Schätzen der katholischen Kirche (Beichte, hl. Kommunion, eucharistische Anbetung) enger verbunden zu sein.
Es bleiben aber erhebliche Bedenken hinsichtlich etlicher Phänomene und möglicher spiritueller sowie theologischer Akzentverlagerungen bestehen.
Was man sich vor allem immer wieder vor Augen führen muß, ist die Tatsache, daß die Charismatische Bewegung aus der Pfingstbewegung hervorgegangen ist. Nach dem ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts mit seinen turbulenten Erweckungsversammlungen und ihren mancherlei Entgleisungen bildeten die Pfingstler ihre eigenen Denominationen und spalteten sich einige Male, blieben aber weitestgehend unter sich, ohne daß ihnen eine größere Breitenwirkung vergönnt gewesen wäre.“ (S.122)

Erst in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts änderte sich die Situation insofern, als die charismatische Bewegung  - vorher ein rein protestantisches Phänomen  - erstmals Eingang in katholische Kreise fand; hierzu berichtet der Konvertit Jordan folgendes:

„Erst seit den 60er Jahren zielte die von vornherein überkonfessionell ausgerichtete Charismatische Bewegung, angestoßen durch Wegbereiter wie Dr. David du Plessis (1905–1986), der als ‚Mister Pentecost‘ bekannt wurde, nicht mehr auf die Bildung neuer charismatischer Gemeinden ab, sondern auf die Verbreitung charismatischer Lehren, Praktiken und Erfahrungen in den großen Landes- und Volkskirchen.
1936 wurde ihm durch den bekannten britischen Heilungsprediger Smith Wigglesworth (1859–1947) in Johannesburg angekündigt, er werde den pfingstlerischen Impuls weltweit in die traditionellen Kirchen tragen, die von einer Erweckung heimgesucht würden, die alles Dagewesene weit übertreffe.
Seit Anfang der 60er Jahre hatte er Kontakte zur katholischen Kirche und war seit 1964 auf Einladung Augustin Kardinal Beas SJ hin Beobachter bei der dritten Sitzungsperiode des Zweiten Vatikanischen Konzils. Viele Bischöfe und Theologen seien zu ihm gekommen, und er habe sehen können, wie der Geist Gottes wirke. Später war D. du Plessis federführend im theologischen Dialog der Pfingstbewegung mit der katholischen Kirche aktiv.“  (S. 127/128))

Jordan schildert sodann das breitere Eindringen schwarmgeistiger Tendenzen innerhalb der katholischen Kirche Ende der 60er Jahre:

„Am 17. Februar 1967 nahm die Charismatische Bewegung innerhalb der katholischen Kirche ihren Anfang an der Duquesne-University in Pittsburgh, wo Studenten charismatische Protestanten gebeten hatten, ihnen die Hände aufzulegen und sie angeblich von der Kraft des Heiligen Geistes erfüllt wurden, z. T. in Zungen redeten und sangen.
Sodann wurde die ‚Erweckung‘ von Pittsburgh zur befreundeten Universität Notre Dame in South Bend (Indiana) getragen, von wo sie sich sehr schnell in die ganzen Vereinigten Staaten und Kanada ausbreitete.
In den darauffolgenden Jahren fanden – mit stetig wachsender Beteiligung von Geistlichen und Bischöfen – mehrere Konferenzen der Charismatischen Erneuerung statt; der 3. Internationale Kongreß der katholisch-charismatischen Bewegung wurde sogar in Rom abgehalten, wobei der belgische Kardinal Suenens mit zwölf Bischöfen und 750 Priestern in Gegenwart Papst Pauls VI. die hl. Messe im Petersdom zelebrierte, ein Ereignis, das als der ‚erste charismatische Gottesdienst im Petersdom‘ in die Geschichte eingehen sollte. Schätzungen zufolge geht man davon aus, daß weltweit rund 90 Millionen Katholiken zur Charismatischen Bewegung zu rechnen sind.“ (S.128/129)

Anfang der 70er Jahre wurden katholisch-charismatische Gruppierungen auch in Deutschland aktiv; hierzu berichtet der Autor:
 

„Auch in Deutschland faßte die Bewegung unter Katholiken seit 1972 Fuß. Hier setzte sich die Bezeichnung ‚Katholische Charismatische Gemeindeerneuerung‘ (CGE) durch. Sie umfaßt heute zahlreiche Gebetskreise, unterschiedliche ‚neue geistliche Gemeinschaften‘ wie die ‚Gemeinschaft Emmanuel‘, die ‚Gemeinschaft der Seligpreisungen‘, die ‚Gemeinschaft Geist und Sendung‘ oder die ‚Gemeinschaft Neuer Weg‘, aber auch mehrere charismatische Evangelisations- und Exerzitienzentren.
Einen weiteren wichtigen Faktor stellen charismatische Heilungsexerzitien dar, die von einzelnen oder mehreren Priestern und/oder Laien gepredigt werden, unter anderem von indischen Priestern aus dem Bundesstaat Kerala.
Von den Charismatikern immer wieder betont wird die ökumenische Komponente ihrer Bewegung; der Frankfurter Jesuit Norbert Baumert stellt in einem Grundsatzartikel heraus, der Heilige Geist sei weder katholisch noch evangelisch noch pfingstlerisch; ebenso wenig dürfe man die Charismatische Erneuerung in der katholischen Kirche losgelöst von der Pfingstbewegung, aus der sie mit dem vielfachen Erleben der Geisttaufe und der Charismen in den 60er Jahren entstanden und hervorgegangen sei, betrachten.

Diese gemeinsame Herkunft von Pfingstbewegung und Charismatischer Bewegung ist m. E. der Schlüssel zu ihrer angemessenen Einschätzung und Beurteilung.“ (S.129/130)

Dabei bietet die katholisch-charismatische Szene selbstverständlich in vielerlei Hinsicht eine andere äußere und lehrmäßige Prägung als jene innerhalb des Protestantismus:

„Natürlich bestehen aus historisch bedingten dogmatischen und konfessionellen Gründen gewaltige Unterschiede z. B. zwischen klassischen Pfingstlern, lutherischen, reformierten und katholischen Charismatikern.
Andererseits stellt man schnell fest, daß die allenthalben bevorzugte, sogenannte Lobpreismusik und die zu beobachtenden, augenfälligen enthusiastischen Phänomene wie Geistestaufen, Zungen- bzw. Sprachenreden und -gesang, Prophetien, ‚Worte der Erkenntnis‘, angebliche Wunder, Heilungs- und Befreiungsdienst mit Dämonenaustreibungen, Zucken oder das ‚Ruhen im Geist‘ in allen Zweigen der pfingstlich-charismatischen Bewegung mit unterschiedlicher Häufigkeit auftreten.
Es ist allem Anschein nach in der Tat ein und derselbe Geist, der hinter den besonderen enthusiastischen Vorgängen in jenen Kreisen steht. Ist dies aber wirklich der Heilige Geist, die dritte Person der heiligen Dreifaltigkeit, der Geist Jesu Christi, oder vielmehr ein Schwarm- bzw. Irrgeist?
Die vor endzeitlicher Verführung warnenden Worte der Heiligen Schrift, das ausgesprochen negative Urteil führender kirchlicher Experten wie Konrad Algermissen über die Pfingstbewegung, die klaren, besonnenen Einschätzungen der Verfasser der ‚Berliner Erklärung‘ sowie eigene Erlebnisse und Erfahrungen mit pfingstlich-charismatischen Kreisen unterschiedlicher Konfession lassen mich in dieser wichtigen Frage, in der es sehr auf die richtige ‚Unterscheidung der Geister‘ ankommt, eine äußerst kritische Haltung einnehmen und veranlassen mich dazu, eindringlich vor einem Besuch charismatischer Veranstaltungen auch innerhalb der katholischen Kirche zu warnen, bei dem man sich in irgendeiner Weise für den dort wirksamen ‚Geist‘ öffnet.“ (S.130/131)

Hinsichtlich des Erwartungsdrucks, der auf vielen Charismatikern lastet, die stark auf eine vermeintliche „Geisttaufe“ und äußergewöhnliche religiöse Erlebnisse fixiert sind, schreibt Jordan:


„Das läuft gleichsam auf ein ‚Zweiklassen-Christentum‘ hinaus, das die Geistgetauften und die zwar Wiedergeborenen, aber nicht Geistgetauften umfaßt. Als äußeres Zeichen der Geistestaufe gilt bis heute unter den klassischen Pfingstlern generell das Zungenreden, wobei nicht alle Charismatiker diese Gabe behalten. Bei Pfingstlern begegnet man dem Phänomen, daß Gläubige jahre- oder gar jahrzehntelang auf ihre ‚Geistestaufe‘ warten und sich bis dahin ein Stück weit als minderwertige Christen vorkommen. Wirksame Abhilfe vermag da im Grunde nur das katholische Verständnis vom Geistempfang in der hl. Taufe und der besonderen Salbung mit dem hl. Geist im Sakrament der hl. Firmung zu verschaffen.“ (S. 137)

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PERSÖNLICHE EINDRÜCKE VOM HAMBURGER KIRCHENTAG 2013

Die in Hamburg lebende freie Schriftstellerin Christel Koppehele
Die in Hamburg lebende freie Schriftstellerin Christel Koppehele
Kirchentagsschal und -liederbuch (Photo: D. Killus)
Kirchentagsschal und -liederbuch (Photo: D. Killus)
Ersttagsbriefs vom Kirchentag in Düsseldorf 1973. Seit damals gibt es auf Kirchentagen den den „Markt der Möglichkeiten“.
Ersttagsbriefs vom Kirchentag in Düsseldorf 1973. Seit damals gibt es auf Kirchentagen den den „Markt der Möglichkeiten“.

von Christel Koppehele

14. Mai 2013

Im Eröffnungsgottesdienst des 34. Deutschen Evangelischen Kirchentags am 1. Mai schwebte eine riesige weiße Hand über dem Haupt der lachenden Hamburger Bischöfin Kirsten Fehrs. Am Tage darauf brachte das Hamburger Abendblatt das als Großaufnahme und titelte: „Nicht die Hand Gottes, sondern die Hand der Puppe Dundu bringt die Bischöfin beim Eröffnungsgottesdienst zum Lachen!“

„Soviel du brauchst“ lautete das Thema dieses Protestantentreffens. Man fragte sich:  Wovon? Von wem ? Kann man „es“ sich einfach nehmen? Jedenfalls machte sich dies Motto gut auf einem Schal. Nicht schwarz auf weiß, sondern weiß auf blau. Alle 116.000 Dauergäste trugen ihn fröhlich, lächelnd und bei guter Laune. Alle sind nett. Und das Maiwetter auch. Sollte da nicht der „liebe Gott“ auch nett sein?

Oder die neue Göttin TOLERANZ ? Die ist i m m e r  nett und für a l l e  da. Wirklich für alle, auch hier auf dem Kirchentag? Nein – nicht für die Juden. Ein Aufschrei. N i c h t   f ü r d i e  J u d e n!? Und d a s in Deutschland? D a s wird bestimmt um die Welt gehen. Als neuer deutscher Antisemitismus.

Allerdings ging es hier um die Messianischen Juden.  Was, fragt man verwundert, glauben die wirklich an JESUS CHRISTUS als ihren, der Juden, Heiland und Erlöser? Ja, aber d a s wollen die anderen Juden hier nicht, die nämlich, die nicht an Jesus Christus glauben. Diese haben nun die Verantwortlichen auf dem Kirchentag dazu gebracht, solche Juden, die an JESUS CHRISTUS glauben, hier zu verbieten. Diese dürfen nicht einmal mit einem Info-Stand in den Messehallen vertreten sein.


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Kurzbiografie

Christel Koppehele, geb. 1936, röm. kath., lebt seit 1965 in Hamburg. Sie war verh. mit RA Harald Koppehele, ev.luth. ist verw. seit 2007. Sie hat eine Tochter und einen Sohn. Schulbesuche: u. a. im Abendgymnasium in Gelsenkirchen.

Mehrjähriger Aufenthalt in Kanada und USA. Nach Rückkehr: Gasthörerin bei Professor Romano Guardini in München, später althistorisches Gast-Studium in Hamburg, bezügl. Recherche für den Roman: “Die heilige Perpetua von Karthago und ihre Gefährten im Martyrium” (noch unveröffentlicht).Mitglied des Schriftstellerkreises “Die Seerose”.

Veröffentlichungen:
Lyrikbuch “Ich suchte, den meine Seele liebt” (Hoheslied, 3,1), Bernardus-Verlag. Kinderbuch: “Mama, das is’  bestimmt ‘n gläubiger Hund” erscheint demnächst im Gerhard-Hess-Verlag. -  Aus dem Englischen übersetzt: “The Life of Christvon Riggs  - zusammen mit Ulrich von Hoff.

Folgende Zeitungen und Zeitschriften brachten Texte:
Münchner Kath.  Kirchenzeitung,   “Die Welt”, Timor Domini,  DIAKRISIS, “SAKA”-Informationen glaubenstreuer Katholiken, “Kyrie eleison”,  “Der 13.”, “Einsicht”  “Theologisches”,  “Christliches Forum”  und andere.

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Das Geheimnis der Geburt Jesu

4. Januar 2013

Anmerkungen zu einer Sendung des ZDF am 25.12.2012

Fernsehproduktionen, die die Historizität neutestamentlicher Berichte über Geburt und Leben Jesu in Zweifel ziehen oder in Abrede stellen, hat es schon öfter gegeben. Man fragt sich daher, was das ZDF bewogen hat, eine neue Variante hinzuzufügen, die eine neue Dimension der Thematik darstellt. "Ein Faktencheck" heißt der Untertitel. Man beläßt es nicht mehr bei einer mehr oder weniger tendenziösen Erörterung kontroverser Auffassungen, sondern gibt zu jeder Frage eine Antwort, die als unumstößliche Tatsache ausgegeben wird. Als maßgebliche Initiatorin darf die ZDF-Moderatorin PETRA GERSTER gelten, die bereits durch die ZDF-Produktion "Die Päpstin Johanna", 9. April 2012, führte. Textautor beider Sendungen ist DANIEL SICH, der auch das Drehbuch zu "Himmel, Hölle, Fegfeuer", 29. September 2012, in der Reihe HISTORY geschrieben und damit seine Vorbehalte gegen Kirche und Christentum zu genüge unter Beweis gestellt hat.

An sich ist der Inhalt der Sendung so unseriös und oberflächlich, daß man sie nicht weiter zu beachten bräuchte. Auch daß viele unbedarfte Zuschauer darauf hereinfallen, ließe sich verschmerzen. Aber die Produktion scheint mir einen symptomatischen Stellenwert für den Macht- und Deutungsanspruch der Medien, besonders des Fernsehens, zu besitzen. In einer Sendung wie dieser bemächtigt sich das Medium Fernsehen des christlichen Glaubens und deutet ihn in seinem Sinn um. Die Kirchen als Interpreten des Christentums werden so zunehmend entmachtet. Als willige Helfer stellen sich hierzu zahlreiche Hochschultheologen zur Verfügung. Von Universitätsprofessoren und christlichen Intellektuellen erfährt das Lehramt wenig Rückhalt.

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Gegensätzliche Erfahrungen beim Weihnachtsoratorium 2012/13

Die Stiftskirche St. Georg in Tübingen zur Weihnachtszeit. (Ausschnitt aus einer Ansichtskarte der Ges. Risch-Lau & Gebr. Metz in Salzburg)
Die Stiftskirche St. Georg in Tübingen zur Weihnachtszeit. (Ausschnitt aus einer Ansichtskarte der Ges. Risch-Lau & Gebr. Metz in Salzburg)
J.S. Bach Autograph der ersten Seite des BWV 248 Weihnachts-Oratorium (Ausschnitt)
J.S. Bach Autograph der ersten Seite des BWV 248 Weihnachts-Oratorium (Ausschnitt)
Innenaufnahme der Tübinger Stiftskirche am Epiphaniasfest 2011 von Stefan Jo Fuchs nach dem Gottesdienst (Ausschnitt)
Innenaufnahme der Tübinger Stiftskirche am Epiphaniasfest 2011 von Stefan Jo Fuchs nach dem Gottesdienst (Ausschnitt)

4. Januar 2013

Offener Brief an einen Tübinger Hochschulpfarrer

Sehr geehrter Herr Pfarrer!

Auch in diesen weihnachtlichen Tagen  nahm ich – wie in den Vorjahren – die Gelegenheit wahr, Gottesdienste in der Tübinger Stiftskirche zu besuchen,  in deren Rahmen die sechs Kantaten aus Bachs Weihnachtsoratorium aufgeführt wurden. Ich fand, dass die Freude an diesem klassischen Musikwerk unverändert groß ist, wie sich an dem starken Andrang eines über tausendköpfigem Auditoriums zeigt.

Gewiss mögen die meisten zu diesen Gottesdiensten vorrangig aus musikalischem Interesse kommen; doch dürfte die Anzahl derer, die es aus religiösem Bedürfnis heraus tun, ebenfalls eine beachtliche sein, – falls sich hier beides überhaupt von einander scheiden lässt. Das zeigt sich sowohl an der allgemeinen Anteilnahme an der Liturgie mit ihren weihnachtlichen Bibel-Lesungen, Chorälen und Gebeten als auch an der Aufmerksamkeit beim Hören der Predigten, die – wie schon ursprünglich bei Bach selbst – den Musikstücken ihre geistliche Deutung und Sinngebung von den biblischen Predigttexten her verleihen. Diese Aufgabe wurde wie in früheren Jahren evangelischen Theologieprofessoren sowie Predigern an der Stiftskirche und den Hochschulpfarrern zuerteilt.

Es freute mich festzustellen, dass sie mehrheitlich diesen ihren Auftrag ebenso gewissenhaft  wie theologisch und musikwissenschaftlich kompetent wahrzunehmen suchen. Auch die nicht wenigen Besucher, die sich eher zu den „kirchlichen Randsiedlern“ zählen und nur ausnahmsweise zu Weihnachten wieder einmal den Weg zur Kirche finden, folgen den Predigten mit gespannter Aufmerksamkeit.
Das bedeutet angesichts des Schrumpfens der Volkskirchlichkeit und der von beiden großen Konfessionen erkannten Notwendigkeit einer Neuevangelisierung Europas eine große missionarische Herausforderung, und die Prediger übernehmen somit eine hohe Verantwortung.  

Sind  sich, so frage ich nun, alle derer, die in den beiden Weihnachtswochen die Kanzel der Stiftskirche ersteigen, dieser seelsorgerlichen Verantwortung bewusst? Ich konnte bisher zwei der sechs Kantatengottesdienste besuchen, am 30. Dezember bei der Aufführung der III. Kantate, wo es um die eigentliche Geburtsgeschichte nach Lukas 2, 13-15 ging,  und am Neujahrstag, an dem die Beschneidung und Namensgebung Jesu  nach Lk 2, 21 das Thema bildete.

Dieses dicht aufeinander folgende Erleben wirkte auf mich wie ein Wechselbad. Am 30. Dezember waren Sie der Prediger. Ich war beim Studium des Programms auf Ihre Predigt auch deshalb gespannt, weil ich Sie bisher noch nicht einmal dem Namen nach kannte und Ihnen nie begegnet war. Sie eröffneten Ihre Ausführungen damit, dass Sie rhetorisch die Frage nach der Geschichtlichkeit dieses Berichts stellten um sie alsbald in langer Aufzählung der einzelnen Elemente der lukanischen Geburtsgeschichte negativ zu beantworten. Dabei beriefen Sie sich auf die ZDF-Sendung am 25. 12., in der die TV-Moderatorin Petra Gerster in einem Interviewgespräch mit zwei Theologieprofessoren, Chr. Markschies und E. Gräb-Schmidt, – beide freilich keine Neutestamentler und mit den jüngsten Forschungsergebnissen kaum vertraut – dem Fernsehpublikum ihre persönliche bibelkritische Meinung vorsetzte. Diese bestand darin, dass die gesamte Geburtsgeschichte der biblischen Evangelisten einer historischen Prüfung nicht standhalte, sondern Legende sei, angefangen von dem „erdichteten“ Geburtsort Bethlehem bis hin zu der Person des angeblichen Gottessohnes Jesus.
Sie, Herr Seibt,  machten sich in Ihrer Ansprache in der überfüllten Stiftskirche diese historische und sachliche Kritik voll zu eigen und versetzten damit offensichtlich ungerührt einem großen Teil Ihrer Hörer einen nicht gelinden Schock; denn eine solche bibelkritische Demontage hatten sie an diesem ehrwürdigen Ort und bei diesem feierlichen Anlass nicht erwartet. Durfte man zumindest an diesem Tage von Ihnen nicht etwas mehr an homiletisch-seelsorgerlicher Sensibilität für Ihre Predigt-Gemeinde erwarten?
 
Zwar beschränkten Sie sich nicht auf diese Beschäftigung des Niederreißens; vielmehr versuchten Sie  im Folgenden, dem Weihnachtsereignis einen neuen Inhalt zu geben. Diesen fanden Sie  in dem Ausdruck „ohne Zeit“, der  in der Schlusszeile des nach der Predigt gesungenen Choralverses „Ich will dich mit Fleiß bewahren“ erscheint.  Sie erblickten darin, wie ich Sie verstand, ein innerseelisches mystisches Geschehen, in welchem sich die Seele abgehoben von Zeit und Raum der Glückseligkeit hingibt.
Mit der biblischen Heilsgeschichte, in der sich die großen Taten Gottes in Zeit und Raum ereignen, hat das allerdings so gut wie nichts zu tun. (Berichtet Lukas doch ausdrücklich, dass sich die Geburt „in jenen Tagen“ ereignete, „als Quirinius Statthalter  in Syrien war“ und ist es dem entsprechend im Passionsbericht aller vier Evangelisten wichtig, dass Jesus unter Pontius Pilatus gekreuzigt wurde. Das nahm die Alte Kirche für so wichtig, dass sie diesem römischen Heiden einen bemerkenswerten Platz sogar in ihrem Credo, dem Apostolischen und dem Nizänischen, einräumte.
Dass das Heil der Seele in einem zeit- und ortlosen Schweben in der Vereinigung des Atman mit dem Brahman besteht, ist meditativ vollzogene Kernlehre im Hinduismus und hat von daher auch in das New Age-Denken Eingang gefunden. Insofern vernahm  ich – wie auch Freunde, mit denen ich anschließend sprach –  in Ihrer Weihnachtspredigt wenig authentisch Christliches. Sie baten mich dringend, gegen diesen Affront öffentlich zu protestieren.
 
Sie, sehr geehrter Hochschulpfarrer,  haben am 30. Dezember eine ganz große missionarische Gelegenheit verpasst. Sie haben Hunderten von volkskirchlichen Menschen, die vielleicht nur ausnahmsweise zu Weihnachten einen Gottesdienst besuchen, das biblische Evangelium vorenthalten bzw. es zu einem zeitlosen Mystizismus verfälscht.    

Ganz anders – Gott sei es gedankt – wurde zwei Tage darauf der IV. Kantatengottesdienst unter der Leitung der neuen Tübinger Dekanin Elisabeth Hege in allen von ihr übernommenen Teilen gestaltet. Kennzeichnend für ihr Durchdrungensein von der Realität des Wunders der Menschwerdung des ewigen Gottessohnes war, dass sie sich  mit der großen Gemeinde im Nizänischen Glaubensbekenntnis an den Dreifaltigen Gott wandte. In ihrer Predigt stellte sie die Bedeutsamkeit des Namens Jesu gerade auch als Leitstern für das nun begonnen Neue Jahr heraus und zeigte, wie auch die Beschneidung  des Kindes – fern von einer heute aktuell befürchteten  gesundheitlichen Gefährdung – seine auch allen seinen Nachfolgern geltende Aufnahme in den Bund der Treue Gottes zu den Seinen anzeigt.

Nun hoffe ich, dass der gottesdienstlich versammelten Gemeinde am 5. und 6. Januar ein nochmaliges Wechselbad erspart bleibt und freue mich auf die beiden letzten Kantatengottesdiensten aus Anlass des Epiphaniasfestes.

Falls Sie angesichts dieses Briefes ein Gespräch mit mir suchen, bin ich dazu gern bereit.

Mit Segenswünschen für das Neue Jahr grüßt Sie freundlich
Peter Beyerhaus

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Zitate aus der Predigt über Lukas 2, 13-15 von Hochschulpfarrer Michael  Seibt am 30. XII. 2013 in der Tübinger Stiftskirche und seinen Antwortbrief an Prof. Beyerhaus finden Sie in der Rubrik undefinedDokumentation."

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