Martyrium

Die Steinigung des Diakons Stephanus, des ersten namentlich genannten Märtyrers der Christenheit (Apostelgeschichte 7). Glasfenster in der Benediktinerabtei Ottobeuren.
Die Steinigung des Diakons Stephanus

„Euch wurde die Gnade zuteil, für Christus da zu sein, also nicht nur an ihn zu glauben, sondern auch seinetwegen zu leiden.“ (Philipper 1,29).

„Wisst, dass eure Brüder in der ganzen Welt die gleichen Leiden ertragen müssen!“ (1. Petrus 5, 9b)

Jesus Christus hat die Seinen auf Verfolgungszeiten vorbereitet und sie dazu ermutigt, ihn mehr zu lieben als das eigene Leben. Auch die Apostolischen Bruderschaften treten  für die leidenden Brüder und Schwestern ein, üben Fürbitte für sie und rufen zu ihr auf.
In dieser Rubrik  wird auf Leidenssituationen von Christen aufmerksam gemacht und Hilfe zur Fürbitte gegeben.



Die Apokalypse des irakischen Christentums

Eine Analyse von Johannes Gerloff, Jerusalem

7. September 2014

Christen und andere „Ungläubige“ zu vernichten ist das erklärte Ziel islamistischer Extremisten im Irak. Eine der ältesten christlichen Kulturen der Welt steht vor dem Aus.

Die Bilder sind grauenhaft. Reihen aneinander geketteter Frauen werden als Sex-Sklaven feilgeboten. Männer müssen sich in Massengräber legen, wo sie durch Kopfschuss getötet werden. Kreuze, an denen blutüberströmte menschliche Körper hängen. Nicht nur Soldaten, sondern auch Kleinkinder werden enthauptet, die abgeschnittenen Köpfe auf Pfählen zur Schau gestellt – was die Täter dann fotografieren und stolz im Internet veröffentlichen.

Begleitet werden die Bilder von Schreckensgeschichten, die kaum unabhängig überprüft werden können. Aber sie haben Wirkung: Tausende orientalischer Christen sind auf der Flucht. In der Mitte des zweiten Jahrzehnts im 21. Jahrhundert steht eine der ältesten christlichen Kulturen weltweit vor dem Aus.

Dabei standen die Zeichen unmissverständlich an der Wand. Was heute grauenhaft Wirklichkeit wird, wurde durch Graffiti an den Hauswänden der irakischen Großstädte Bagdad und Mossul seit Jahren angekündigt. Und der dort angesprühte anti-christliche Hass war keineswegs präzedenzlos. Bereits vor eineinhalb Jahrzehnten drohten islamistische Wandschmierereien in Ägypten: „Zuerst die Samstag-Leute! Dann die Sonntag-Leute!“

Auslöschung mit System

Tatsächlich ist die Massenvertreibung der christlichen Bevölkerung des arabisch-islamischen Orients eine konsequente Fortsetzung der erklärten, planmäßigen und erfolgreichen ethnischen Säuberung der arabischen Juden, der „Samstag-Leute“. Waren Mitte 20. Jahrhunderts noch mehr als eine Million Juden in der arabischen Welt beheimatet, so ist diese heute praktisch „judenrein“.

Jetzt sind Zentren, Organisationen und Institutionen der „Sonntag-Leute“ „legitime Ziele“ extremistischer Muslime. Sie wollen erklärtermaßen „alle Ungläubigen töten, wo immer sie ihrer habhaft werden können“. Mit „Ungläubigen“ sind aus Sicht der Muslime alle Andersgläubigen gemeint, nicht nur Christen, sondern auch Jesiden und Muslime der jeweils anderen Glaubensrichtungen.

Aus Perspektive der Christen erwächst die Bedrohung aber nicht nur von Seiten sunnitischer Islamisten, etwa der Muslimbruderschaft, der Al-Qaida und ihrer „Töchter“, der Nusra-Front oder des so genannten „Islamischen Staates“, sondern auch von schiitischen Gruppierungen. So ordnete im Jahr 2012 der Großajatollah Sajid Ahmad al-Hassani al-Baghdadi in einem Interview mit dem ägyptischen Fernsehsender „Al-Baghdadiah“ die uneingeschränkte Unterwerfung oder Ermordung aller Christen im Irak an.

Systematisch haben radikale Muslime im Irak über Jahre hinweg ein Klima des Schreckens, der Einschüchterung und Bedrohung geschaffen. Bemerkenswert ist dabei, wie schweigsam die Machthaber „von Amerikas Gnaden“ diese Entwicklung hingenommen haben. Christen wurden als „Polytheisten“ oder „Zionistenfreunde“ beschimpft. Jetzt stellt der sunnitische „Islamische Staat“ (IS) – früher nannte sich die Bewegung „Islamischer Staat im Irak und Südsyrien“ (ISIS) – die Christen in Syrien und dem Irak vor die Alternative: „Bekehrung zum Islam oder Tod“.
Konkret gab der IS am 17. Juli 2014 den Christen im nordirakischen Mossul drei Tage, das Gebiet ihres „Kalifats“ zu verlassen. Dabei wurde betont, dass „Kalif“ Abu Bakr al-Baghdadi mit dieser Frist großzügig sei, weil ihn nichts dazu verpflichte. Diese Aufforderung löste eine Massenflucht der Christen von Mossul in das nahe gelegene autonome Kurdistan aus. Viele alte oder behinderte Christen, die keine Möglichkeit sahen, sich dem Exodus anzuschließen, konvertierten zum Islam .

Christenfreie Zone

Schockiert erzählen Flüchtlinge, wie sie kurz nach Verlassen ihrer Heimatstadt an Straßensperren angehalten und ihrer letzten Habe beraubt wurden: „Die nahmen alles, unsere Autos, Geld, Personalausweise, Pässe, selbst Windeln von Säuglingen und die Medikamente eines chronisch kranken Mädchens.“ Einem sechs Monate alten Mädchen wurden die eigentlich wertlosen Ohrringe abgerissen. „Viele von uns wurden verprügelt“, ist zu hören. Und dann drohten die Islamisten: „Kehrt niemals wieder in dieses Land zurück. Dies ist unser Land. Wenn ihr zurückkommt, werden wir euch mit dem Schwert töten.“

Der chaldäische Patriarch Louis Sako schätzt, dass momentan etwa 100.000 Christen auf der Flucht sind. Ausdrücklich erwähnt er, dass etwa 1.500 alte Manuskripte von den islamistischen Fanatikern verbrannt wurden, was in der islamischen Welt sehr außergewöhnlich ist. Muslime haben gemeinhin auch vor christlichen Büchern eine große Hochachtung.

Vor der „Befreiung“ durch die Amerikaner 2003 wohnten in Mossul noch 60.000 von 1,5 Millionen irakischen Christen. Am 23. Juli 2014 erklärte der syrisch-orthodoxe Erzbischof der Stadt, Nikodimus Daud, im Exil in Irbil gegenüber dem russischen Fernsehsender „Russia Today TV“: „Es gibt keine Christen mehr in Mossul!“ Er erzählte weiter, wie die Islamisten des IS die Kreuze von den Kirchen gerissen hätten, „zuerst von meiner Mar Afram Kathedrale“. Dann hätten sie alles in der Kirche verbrannt, Lautsprecher aufgestellt und das christliche Gotteshaus durch ihre Gebete zur Moschee umfunktioniert.

Andere Kirchen in Syrien und im Irak wurden von den Kämpfern des IS gesprengt, wie übrigens auch manche Moscheen, die von diesen fanatischen Muslimen als Bedrohung für den strikten Ein-Gott-Glauben verstanden wurden, wenn sie etwa als Wallfahrtsorte dienten. Das altehrwürdige Mar Behnam-Kloster in der Gegend Al-Chadhir südöstlich von Mossul, das aus dem vierten Jahrhundert stammt, wurde eingenommen, seine Mönche vertrieben.

Unterwerfung oder Flucht

Offensichtlich hatte der „Kalif“ des IS den Einwohnern des frisch eroberten Mossul bereits angeboten, die „Dschissja“, eine Schutzsteuer, zu bezahlen. Im Februar 2014 hatten die christlichen Einwohner der am Euphrat gelegenen syrischen Stadt Al-Rakka ein so genanntes „Dhimma-Abkommen“ mit den Eroberern unterzeichnet. Darin verpflichteten sich die Muslime nach alter islamischer Tradition, Leben, Besitz und religiöse Stätten der Christen zu schützen. Deshalb wird dieser so genannte „Dhimmi-Status“ auch als „Status der Schutzbefohlenen“ beschrieben.

Die Christen ihrerseits verpflichten sich, die „Dschissja“ zu bezahlen, die je nach Einkommensverhältnissen zwischen 178 und 715 US-Dollar pro Jahr liegt. Weiter dürfen sie weder neue Kirchen bauen, noch alte oder beschädigte Gotteshäuser renovieren. Christen im „Dhimmi-Status“ ist untersagt, Kirchenglocken zu läuten, religiöse Symbole – etwa ein Kreuz oder einen religiösen Text – öffentlich auszustellen. In Gegenwart von Muslimen dürfen sie keine religiösen Texte laut vorlesen oder rezitieren. „Dhimmi“ müssen jede öffentliche Anbetungshaltung vermeiden und dürfen keine Waffen tragen. Zudem verpflichten sie sich, Mitglieder ihrer eigenen Glaubensgemeinschaft nicht am Übertritt zum Islam zu hindern, den Islamund die Muslime zu ehren und sie in keiner Weise zu beleidigen.

Als Grundlage für diese Maßnahmen beruft sich der IS auf den Koran, Sure 9, die den Namen „Die Reue“ trägt, Vers 29. Dort wird über Christen und Juden gesagt: „Kämpfet wider jene von denen, welchen die Schrift gegeben ward, die nicht glauben an Allah und an den Jüngsten Tag …, bis sie den Tribut aus der Hand gedemütigt entrichten“. Scheich Hussein Bin Mahmud, ein prominenter Autor in dschihadistischen Internetforen, meint dazu: „Dies ist ein klarer göttlicher Text. Das sieht jeder, der den Koran liest.“ Die mit dem Dhimmi-Status verbundene Erniedrigung schreibt Bin Mahmud dem Unglauben der Christen zu und erklärt: „Als Ungläubige sind sie unwürdig und verachtenswert und müssen so auch behandelt werden.“

Eine Verletzung dieser Verpflichtungen bedeutet laut Vertrag, dass sie als „Feinde“ behandelt werden. Die Alternative zu einer Unterzeichnung des Dhimma-Vertrags ist „das Schwert“. Anfang August hatten IS-Milizionäre in Tel Afar, einer Stadt westlich von Mossul, etwa hundert Christen und Jesiden kurzerhand festgenommen, die Männer umgebracht und ihre Frauen und Töchter als Sklaven verkauft. Ganz offiziell wurde von islamischen Geistlichen in solchen Fällen bestimmt: Christliche Frauen und Mädchen werden „rechtmäßig als Frauen der Muslime betrachtet“.
Da sich die Christen von Mossul nicht dem Dhimma-Vertrag unterwerfen wollten, blieb ihnen nur die Flucht. Ihr Hab und Gut wurde beschlagnahmt. Wie systematisch und gut organisiert der IS dabei vorgeht, zeigte sich daran, dass im vergangenen Monat christliche Immobilien mit dem arabischen Buchstaben „N“ für „Nasara“ („Christ“) und der Aufschrift „Eigentum des Islamischen Staates“ gekennzeichnet wurden.

Besonders schockiert zeigten sich Christen aus Mossul, die dieses Vorgehen miterlebt hatten, dass sich ihre muslimischen Nachbarn, mit denen sie seit Generationen zusammengelebt hatten, bereitwillig am Vorgehen der IS-Kämpfer beteiligten. Plötzlich behaupten die, mit denen man Jahrzehnte lang Tür an Tür zusammengelebt hat: „Dieses Land gehört dem Islam ! Christen sollten hier nicht leben.“ Ein christlicher Flüchtling aus Mossul erzählt: „Als die IS-Leute in unserer Stadt eingezogen sind, haben die Menschen ihnen zugejubelt – und die Christen vertrieben.“

„Das Leiden erwartet auch Christen im Westen“

Am zweiten Augustwochenende 2014 erklärte der chaldäisch-katholische Erzbischof von Mossul, Amel Nona, im Exil in Irbil einem italienischen Journalisten: „Unsere gegenwärtigen Leiden sind ein Vorspiel für das, was europäische und westliche Christen in naher Zukunft zu erwarten haben.“ Und weiter: „Ihr müsst die Realitäten hier im Nahen Osten wahrnehmen, weil die Anzahl der Muslime, die ihr in euren Ländern aufnehmt, immer größer wird. Eure liberalen und demokratischen Prinzipien zählen hier nichts.“
Im Blick auf die Millionen Muslime in Europa riet der 47-Jährige: „Ihr werdet starke und mutige Entscheidungen treffen müssen, auch wenn das auf Kosten eurer eigenen Prinzipien geht.“ Lorenzo Cremonesi beschreibt ihn in der italienischen Tageszeitung „Corriere della Sera“ als „verletzten und vom Schmerz gezeichneten Mann“, der aber „nicht kapituliert“ habe. Erzbischof Nona sieht nach seinen Erfahrungen nur noch eine „Möglichkeit, den christlichen Exodus aus Orten zu beenden, in denen das Christentum Wurzeln weit vor der islamischen Zeit hat“: „Gewalt mit Gegengewalt zu bekämpfen!“

Von: Johannes Gerloff (Israelnachrichten 22.8.)

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Märtyrer in heutiger Zeit

Der Zug der Hl. Märtyrer. Mosaik in der Kirche San Apollinare, Ravenna, vor 526 n. Chr. (Ausschnitt).
Der Zug der Hl. Märtyrer. Mosaik in der Kirche San Apollinare, Ravenna, vor 526 n. Chr. (Ausschnitt).

Von Rolf Sauerzapf

29. April 2013

Das Wort „Märtyrer" (vom griechischen martys) meint „Blutzeuge" für das Evangelium von Jesus Christus. Schon in der Apostelgeschichte des Neuen Testaments begegnen uns solche. Der erste Märtyrer war Stephanus (Apostelgeschichte 6 bis 9), den die Juden in Jerusalem steinigten, um seine Verkündigung und sein Zeugnis von Jesus Christus nicht länger hören zu müssen. (Auch in manchen evangelischen Kirchengemeinden wird der zweite Weihnachtstag als „Stephanustag" im Gedenken und Gebet für die christlichen Märtyrer begangen.) Das heidnische Römerreich verfolgte seit dem Kaiser Nero die Christen umbarmherzig, wenn sie den Kaiserkult ablehnten. Christen wurden gekreuzigt, den wilden Tieren vorgeworfen und auf andere Art und Weise getötet.

Für die aufgeklärten Menschen des 18. und 19. Jahrhunderts durfte es keine Märtyrer mehr geben, - mindestens in Europa nicht. So schlug es mitten im Ersten Weltkrieg wie eine Bombe ein, als bekannt wurde, dass die mit dem Deutschen Reich verbündeten Türken 1,5 Millionen christliche Armenier seit 1915 massakrierten: Der erste Völkermord des 20. Jahrhunderts geschah an Angehörigen des ersten Volkes, das bereits um 300 n. Chr. den christlichen Glauben angenommen hatte. (Franz Werfel schildert die Geschehnisse im Nahen Osten in seiner Novelle „Die 40 Tage des Musa Dagh".) Es blieb dem deutschen Pfarrer Johannes Lepsius vorbehalten, nicht nur die Öffentlichkeit über diesen Genozid zu informieren, sondern auch mit seiner „Orientmission" tatkräftige Hilfe zu leisten. Eine große Welle der Verfolgung von Christen setzte mit der Bolschewistischen Revolution in Russland ein. Hier wurden vor allem die baltischen Märtyrer bekannt. Der Dorpater Pfarrer Traugott Hahn wurde mit anderen Christen im Januar 1919 in Dorpat erschossen. In Russland war es vor allem die russisch-orthodoxe Kirche, die blutig verfolgt und unterdrückt wurde. Die Diktatoren Lenin und Stalin standen sich nicht nach bis sich Stalin im „Großen Vaterländischen Krieg" ab 1941 der Kirche erinnerte, die er jetzt für seine Zwecke einsetzen konnte. Wie viele Millionen von Menschen im kommunistischen Bereich umkamen, weiß niemand sicher zu sagen. Viele unter ihnen waren Christen. (Das in Frankreich erschienene „Schwarzbuch Kommunismus" spricht von 100 bis 120 Millionen Menschen.)

Aber auch nach der Wende in Osteuropa 1989/90 ist die Christenverfolgung und das daraus entstehende Martyrium nicht zu Ende. In Kambodscha haben die „Roten Khmer" über eine Million Menschen umgebracht; viele davon waren Christen, wie ich mich auf den „killing fields" vor einigen Jahren selbst überzeugen konnte. In Rot-China, Vietnam und vor allem in Nordkorea dauert das Martyrium von Christen fort. Vor allem in China, wo das Regime nur gleichgeschaltete regierungstreue und registrierte Kirchen duldet, geht es den Christen der Untergrundkirche schlecht. Die größte Herausforderung aber ist für bekennende Christen der Islam. In Saudi-Arabien werden keine Christen geduldet. Im größten islamischen Land Asiens, in Indonesien, wächst die Verfolgung von Christen. Desgleichen auch in Pakistan und Indien, wo fanatische Muslime und Hindus gegen Christen vorgehen. Im Sudan werden im Süden Christen seit 20 Jahren in einem mörderischen Bürgerkrieg verfolgt.

Ein Musterbeispiel unduldsamen Islamismus ist die Türkei: Nach der Ermordung der Armenier haben Anfang der 20er Jahre die Türken unter Kemal Atatürk zwei Millionen Griechen aus Kleinasien vertrieben; eine halbe Million wurde umgebracht. Das Martyrium der aramäisch sprechenden Christen im Tur Abdin in der Südosttürkei hat in den letzten 20 Jahren einen Höhepunkt erreicht. Christen sollten diese Fakten bedenken, wenn es um den Beitritt der Türkei zur Europäischen Union geht.

Der Hamburger Kirchenhistoriker Kurt Dietrich Schmidt hat Recht, wenn er sagt: „Auf jeden Fall ist das 20. Jahrhundert das an Verfolgung blutigste der ganzen bisherigen christlichen Geschichte geworden." (Tabellen zur Kirchengeschichte, S. 89) Aber die Kirche Jesu Christ lebt. Tertullian hat recht, wenn er sagt: „Das Blut der Märtyrer ist der Same der Kirche.

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Entwicklungsminister Niebel in Syrien "hartherzig" Muslime haben das nahe Ausland, Christen verlieren ihre Heimat

21. August 2012

Frankfurt am Main (21. August 2012) - "Hartherzig" nennt die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) die Argumentation von Entwicklungsministers Dirk Niebel (FDP), für die Christen in Syrien keine Sonderhilfen in Aussicht zu stellen, weil das seiner Meinung nach zu Neid und Missstimmung führen und neue Konflikte schüren könne. "Muslime finden Schutz im nahen Ausland und können später nach Hause zurückkehren, die Christen verlieren hingegen ihre Heimat endgültig", so Karl Hafen, Geschäftsführender Vorsitzender der IGFM.

Die Innenstadt von Homs, wo die meisten Christen wohnten, ist zerstört, ihre Häuser sind unbewohnbar oder geplündert, die zehn Kirchen in der Altstadt sind schwer beschädigt worden und auf lange Sicht nicht nutzbar. Seit dem Angriff auf Kirchen im April 2012, ausgerechnet am Karfreitag, stellen sich nicht wenige Christen die Frage, was nach dem Ende der Gewalt folgt: Freiheit, Menschenrechte oder doch Salafismus? Niebel muss sich der Realität und der Diskussion stellen, dass die Christen aus ihrer teils Jahrtausende alten Heimat im gesamten Vorderen Orient und Nordafrika verdrängt werden. "Die Lage der Christen zu verleugnen, erinnert an Maria und Josef, die auf der Suche nach einer Herberge keiner aufnehmen wollte", kommentiert Karl Hafen.

Rückzug in christliche Gebiete
Augenzeugen verschiedener christlicher Konfessionen, darunter auch der syrisch-orthodoxe Metropolit Silvanos, hatten der IGFM in diesem Monat unabhängig voneinander berichtet, dass innerhalb eines Monats von den etwa 300.000 Christen in Homs über 70.000 geflohen seien, weil die Rebellen sich nach Angriffen des Militärs Assads in die Altstadt von Homs zurückgezogen hätten, wo die meisten Christen gewohnt hatten. Beim Nachrücken des Militärs, seien in erster Linie die Häuser der Christen zerstört worden, während die von Muslimen bewohnten Randgebiete der Stadt verschont blieben.

Christen: Erst Demonstranten, jetzt Verfolgte?
Die ehemals von Christen bewohnten Häuser seien zerstört, geplündert oder von Muslimen besetzt worden, sodass an eine Rückkehr in ihre Heimat nicht zu denken sei. Wegen überall lauernder Scharfschützen sei es zurzeit nicht möglich, in die Stadt zurückzukehren. Bis April 2012 hätten Christen nicht das Gefühl gehabt, dass man sie gezielt angreifen würde. Am Anfang der Rebellion standen auch Christen in den Reihen der Demonstranten und hätten die Oppositionsbewegung unterstützt, aber sie hätten keine Waffen getragen. Nun entwickle sich die Revolution in Richtung Jihad, die Christen zögen sich zurück und hätten Angst um ihre Zukunft.

Die Forderung nach Menschenrechten und Freiheit sei nachrangig geworden, so Bischof Silvanos, weil jeder der umliegenden Mächte Syrien als einen Kuchen sehe, von dem jeder ein Stück abhaben will. "Wir können die Schuld an diesem Krieg nicht mehr nur einer Seite geben, die Gewalt ist zu weit fortgeschritten."


Weitere Informationen zu Menschenrechten:
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Facebook-Seite der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte:
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Missionswerk Offene Grenzen (Open Doors) warnt vor steigender Bedrohung von Nordkoreas Christen

21. April 2012

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