Kirchenjahr

Licht fällt durch ein Kirchenfenster – hier auf der Insel Zypern.
Licht fällt durch ein Kirchenfenster – hier auf der Insel Zypern.

"Das sind die Feste des Herrn, Tage heiliger Versammlungen, die ihr zur festgesetzten Zeit ausrufen sollt :...“. (3. Mose 23, 4)

„Lasst uns festhalten an dem Bekenntnis der Hoffnung und nicht wanken; denn er ist treu, der sie verheißen hat; und lasst uns aufeinander Acht haben und uns anreizen zur Liebe und zu guten Werken und nicht verlassen unsre Versammlungen, wie einige zu tun pflegen, sondern einander ermahnen, und
das umso mehr, als ihr seht, dass sich der Tag naht.“
(Hebräer 10, 23-25)

Diese Rubrik ist den einander folgenden Zeiten des Kirchenjahres gewidmet. Sie finden darin Predigten und geistliche Besinnungen, die dem jeweiligen kirchlichen Fest gelten, sowie auch theologische Erklärungen zum Charakter dieses Festes.



Ostern 2016 – Anbruch einer neuen Schöpfung

26. März 2016

 Die Auferweckung Jesu ist wie ein Blitzschlag,
der aus der Hand Gottes niederfährt, 
der die Gewalt des Todes an einer einzigen Stelle zerbricht
und damit eine Wende der Zeiten herbeiführt.
Mit dem ersten Ostermorgen bricht ein zweiter Schöpfungstag an,
nimmt die Schöpfung einer zweiten Welt,
die nicht mehr dem Tode verfällt, eine Welt des ewigen Lebens,
ihren Anfang.“


Walter Künneth (1901-1997)

Mit diesen Worten des Erlanger Auferstehungstheologen aus seinem Büchlein „Ostergedanken“, einem kraftvollen Zeugnis gegen alle heutige Bezweiflung und Bestreitung des Osterereignisses, wünschen wir den Besuchern dieser Homepage

ein gesegnetes Fest der Auferstehung Jesu Christi.


Das Bild zeigt die Darstellung der Auferstehung Jesu Christi im Mittelteil des Altars der Stuttgarter Hospitalkirche, 1927 geschaffen von Prof. D. Rudolf Schäfer, dem bekannten evangelischen Kirchenmaler und Illustrator (1878-1961).
Sohn eines Theologen und Enkel eines Sozialreformers, verstand sich Schäfer als einen lutherischen Künstler, der die Gläubigen durch seine Bilder unterweisen wollte. Als Autorität für kirchliche Kunst galt er bei Theologen seit Mitte der 1920er Jahre; den Professorentitel (1913) verlieh ihm der sächsische König, Kiel den Ehrendoktor. Den größten Teil seines Werkes machen Ausgestaltungen kirchlicher Räume aus; auch bebilderte er zahlreiche Bücher. (Photo: Dorothea Killus, vom Scan eines großen Transparents mit der Gesamtdarstellung des dreiflügeligen Altarbildes, das seit dem Beginn der Renovierung der Hospitalkirche im Herbst 2015 dort leider nicht mehr zu sehen sein wird.) 

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Geistliche Meditation zu Pfingsten 2015

21. Mai 2015

Zum diesjährigen Pfingstfest bringen wir auf dieser Homepage eine geistliche Meditation, die dem sehr lesenswerten Buch „Wo Gottes Feuer brennt: Elemente der Erweckung“ (R. Brockhaus Verlag Wuppertal, 1. Auflage 1999, – 3. Aufl. bei Brockhaus / SCM Witten 2008) entnommen ist. Sein Autor ist der bekannte Missionar Pfarrer Detmar Scheunemann, der von 1957 bis 1989 in Indonesien als theologischer Lehrer, Rektor des Bibelinstituts Batu und Regionaldirektor des WEC International für Ost- und Südostasien tätig war.


Pfr. Detmar und Gisela Scheunemann zu Besuch im Hause Beyerhaus in Gomaringen

Während seines Missionsdienstes in Indonesien erlebte er auf der Insel Timor als Zeuge und Mithelfer einer tief greifenden Erweckung.
Davon – aber auch von Erweckungsbewegungen in andern Ländern der Erde –erzählt er in seinem teilweise autobiographischen Buch von Christen in verschiedenen Teilen der Welt, die von GOTT geistlich  ergriffen worden sind.
Er schält typische Kennzeichen für Erweckungen heraus und zeigt, welche Voraussetzungen dafür vorhanden sein müssen. (Siehe auch sein 1982 herausgekommenes Buch: „Und führte mich hinaus ins Weite: Über das Wirken des Heiligen Geistes“, SCM R. Brockhaus 21990.)
Nach seiner Heimkehr aus Indonesien lebten Detmar Scheunemann mit seiner Frau Gisela in Korntal bei Stuttgart. Pfr. Scheunemann lehrte  bis zur Erreichung des Ruhestandes an der Freien Hochschule für Mission, heute Akademie für Weltmission der Arbeitsgemeinschaft Evangelikaler Missionen. Während der Lehrtätigkeit in Korntal und danach galten Dienste von Ehepaar Scheunemann weiterhin Menschen in Indonesien und darüber hinaus in Kirgisien und bis hin nach Südamerika und Hongkong.
Am 8. April 2015 verstarb Detmar Scheunemann nach schwerer Krankheit  und wurde am 15. April auf dem Korntaler Friedhof beigesetzt. Zu seiner Beerdigung waren  außer seiner z. T. wiederum in Asien wirkenden Familie und seinen deutschen Freunden etwa hundert indonesische Christen erschienen, deren Mehrzahl eigens zur Bestattung ihres geliebten und hoch geschätzten Lehrers und Missionsleiters angereist waren. Einige von ihnen gaben bei dem Beisammensein im Saal der Korntaler Brüdergemeinde tief bewegt Zeugnis von ihrem Erleben mit Detmar Scheunemann und seiner geistlichen Botschaft.

 

Detmar Scheunemann:

Erweckung schenkt überfließendes Leben

Jesus spricht vom Heiligen Geist als einem Strom lebendigen Wassers, der von Menschen, die an ihn glauben, ausgehen soll (Joh. 7,38-39). Oft aber ist dieser Strom in unserem Leben nur ein armseliges Rinnsal, das sich mühsam seinen Weg durch Sand und Geröll bahnt, und die geistliche Vegetation an seinen Ufern, nämlich die Frucht des Geistes und die Gaben des Geistes, welken dahin.
Aber David sagt schon im Alten Testament: »Du schenkest mir voll ein« (Ps. 23,5), und Jesus verheißt der Samariterin am Brunnen: »Wer von dem Wasser trinken wird, das ich ihm gebe, den wird in Ewigkeit nicht dürsten, sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, das wird eine Quelle des Lebens werden, das in das ewige Leben quillt« (Joh. 4,14).


undefinedDownload/lesen – D. Scheunemann über Erweckung (107 KB)

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Zum Fest Christi Himmelfahrt 2015

15. Mai 2015


Die Erhöhung Jesu Christi zur Rechten des Vaters. Gemälde (Ausschnitt) von Lorenzo Monaco (eigentl. Piero di Giovanni),
einem italienischen Maler der Frührenaissance (* um 1370 vermutlich in Siena; † um 1425 in Florenz).

 

„Von Weg und Vollmacht der Mission“ –
Predigt über Psalm 110,1-4 (Auszug) von Dr. Karl Hartenstein


Dr. Karl Hartenstein (1894-1952), führender Anwalt einer biblisch-heilsgeschichtlichen Schau von Mission,
war von 1926 bis 1929 Direktor der Basler Mission und später Prälat in Stuttgart
.

 

Dieses uralte, messianische Wort deutet uns das Geheimnis der Himmelfahrt. In einer prophetischen Vorwegnahme hören wir den Vater und den Sohn miteinander reden. „Der Herr sprach zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten!“ Das ist das Geheimnis der Himmelfahrt, daß nun das Siegel gedrückt wird auf alle seine Wege von der Krippe über das Kreuz und durch das Grab hindurch. Es ist vollbracht! sagt Himmelfahrt. Der Weg des Herrn Christus ist zu Ende. Nein, er ist ans Ziel gekommen. Und dieses Ende und dieses Ziel ist der Anfang seines neuen Weges, ist die große Stunde, da die Zeit beginnt zwischen Himmelfahrt und Wiederkunft, unsere Zeit, Gemeinde.

undefinedDownload/lesen – Predigt von Karl Hartenstein (191 KB)

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Kirchentag - mit oder ohne - Gemeindetag?

Gomaringen, den 24. April 2015-04-24

Sehr geehrter Herr Dekan Albrecht!

Für Ihre freundliche Einladung zu einem Empfang anlässlich des Christustages am 4. Juni 2015 danke ich Ihnen. Ich werde diese Einladung jedoch nicht wahrnehmen, und zwar aus Grundsatz: In einem historischen Rückblick heißt es zum Thema:

"Kirchentag 1973 - Gemeindetag unter dem Wort 1973"

"Schon in der ersten Hälfte des Jahres 1972 zeichnete sich ab, daß die Bekenntnisbewegung den Kirchentag von Düsseldorf (27.6.-1.7.1973) meiden würde. In seinem Artikel "Bitte, prüfen sie selbst: Kann der Besuch des Kirchentages empfohlen werden?" vertrat Dr. Gerhard Bergmann die Überzeugung, daß "wir ... es seelsorgerlich nicht verantworten" können, "Menschen den Besuch eines Kirchentages zu empfehlen, dessen Präsident die 'Endgültigkeit der Aufklärung' lehrt."

Gegen den Pluralismus des Kirchentages wandte sich auch Prof. W. Künneth in seinem Aufsatz "Weshalb ein 'Nein' zum Kirchentag 1973?". Der Grundsatz des Kirchentages, "daß jeder nach seiner 'Fasson' seinen christlichen Glauben oder seine Religiosität oder Weltanschauung deuten oder verstehen" könne, "so daß also auf diesem Kirchentag die Wahrheitsfrage überhaupt nicht zur Diskussion steht oder beliebig beantwortet werden kann", ist für Künneth untragbar.

Angesichts dieser Einstellung führender Persönlichkeiten der Bekenntnisbewegung zum Kirchentag 1973 konnte es nicht verwundern, daß der Bundesarbeitskreis der Bekenntnisbewegung schon am 19. Juni 1972 beschloß, sich nicht am Düsseldorfer Kirchentag zu beteiligen. man einen "Evangelischen Gemeindetag unter dem Wort" plane.

In der Einladung zu diesem ersten "Gemeindetag unter dem Wort" heißt es u.a.: "... Solche Tage der Gemeinschaft gab es in der Kampfzeit der Bekennenden Kirche. Sie waren als geistliche Kraftquelle auch noch spürbar bei einer Reihe von Kirchentagen nach dem Zweiten Weltkrieg. Wenn Gott es schenkt, soll dieser Gemeindetag unter dem Wort diese Segenslinie weiterführen und eine ständige Einrichtung für die Bundesrepublik werden."

Zugleich ließen die Unterzeichner dieser Worte keinen Zweifel darüber, daß die Kirchentage der Gegenwart keine "geistliche Kraftquelle" mehr darstellten und daß man deshalb die Alternativveranstaltung  "Gemeindetag unter dem Wort" ins Leben rufen werde.

Für die Veranstalter war der Gemeindetag für Bekennende Christen der Ersatz für den nunmehr gemiedenen DEKT.

Ich war, lieber Bruder Albrecht, als damaliger Schriftführer der Konferenz Bekennender Gemeinschaften selbst beteiligt an diesen Verhandlungen und Entscheidungen hinsichtlich der Ablösung des DEKT durch die "Gemeindetage unter dem Wort". Diese theologische Überzeugung vertrete ich auch heute noch.

In Hoffnung auf Ihr Verständnis grüßt Sie brüderlich
Ihr Peter Beyerhaus

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Ostern 2015 - im Zeichen der Hoffnung!

Gartengrab in Jerusalem
Gartengrab in Jerusalem

Er ist nicht hier!

Der Fels ist vom Grab gerückt; mein Herr ist auferstanden!
Das Grab ist leer.
Wie könnte sich der Herr des Lebens auch halten lassen vom Tod?
Die lange Nacht ist vorbei; erste Strahlen gehen über das Land.
Er liegt nicht mehr gefangen.
Sonnenlicht und Morgentau lassen sich eben keine Fesseln anlegen.
Die Flügel der Dunkelheit sind entschwunden.
Sanft liegt helles Licht über dem Volk.
Er hat die Nacht überwunden – Wärme und Licht sind stärker
als Kälte und Tod.
Warum noch trauern über die Schwachheit von gestern?
Er ist ein starker, siegreicher Herr!
Weshalb sich Kummer und Ängsten hingeben?
Gott ist verlässlich und reich an Hoffnung!
Bedrängnis und Not müssen uns nicht in Hektik oder Apathie stürzen.
Denn der auferstandene Gott ist Herr über Leben und Tun.

 

Die Ausführungen zu Lukas 24,6: „Er ist nicht hier!“ stammen von dem Chinesen Wang Wei-fan und sind entnommen aus: Wang Wei-fan, Meditationen (moxiang ji), Nanjing 1997. Der chinesische Christ Weifan Wang, geboren im Jahr 1928, hat seinen Glauben in der Volksrepublik China unter zum Teil schwierigsten Bedingungen gelebt. 1955 schloss er sein Studium an der Theologischen Hochschule in Nanjing / Provinz Jiangsu ab und diente dann als Pfarrer. 1958 wurde er Opfer der Rechtsabweichlerkampagne in China und war während der Kulturrevolution inhaftiert. So verbrachte er einen Teil seiner Lebensjahre weit entfernt von seiner Familie und Gemeinde, unter Berufsverbot und zur Zwangsarbeit verurteilt. In den späten 70er Jahren wurde Pfr. Wei-fan Wang rehabilitiert und kehrte an die Hochschule von Nanjing zurück, um dort fortanb als Professor zu lehren. Seine geistlichen Texte zeugen von einer großen dichterischen Gabe, die er in den Dienst des Evangeliums gestellt hat.

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Der Auferstandene nach Matthias Grünewald (Ausschnitt vom Isenheimer Altar)
Der Auferstandene nach Matthias Grünewald (Ausschnitt vom Isenheimer Altar)
Prof. D. Dr. Walter Künneth DD (1901-97)
Prof. D. Dr. Walter Künneth DD (1901-97)

17. April 2014

"Wir grüßen die Besucher unserer Internet-Seite zum Auferstehungsfest. In der Rubrik "Kirchenjahr" bringen wir einen bedeutsamen historischen Vortrag dazu.
Er wurde gehalten von dem  Erlanger Dogmatikers Walter Künneth (1901 - 1997), der auf Grund seines schon 1933 und danach in 4 weiteren Auflagen erschienenen Buches "Theologie der Auferstehung"  als "Theologe der Auferstehung" bezeichnet worden ist.

undefineddownload/lesen - Vortrag von Walter Künneth (201KB)


Ebenso weisen wir darauf hin, daß zum Osterfest eine 32-seitige Orientierungshilfe der  Internationalen Konferenz Bekennender Gemeinschaften herausgekommen ist, die wegen ihrer soliden theologischen Begründung und ihrer geistlichen Hilfestellung sehr zu empfehlen ist.  Sie ist seit Palmsonntag in der Homepage Opens external link in new windowwww.IKBG.net. zu finden.

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Predigt zum Epiphanias-Fest über Matthäus 2,1-12

J. J. J. Tissot ca. 1894 - The Journey of the Magi
J. J. J. Tissot ca. 1894 - The Journey of the Magi
Anbetung des Weisen
Anbetung des Weisen
Weise aus dem Morgenland (Scherenschnitt)
Weise aus dem Morgenland (Scherenschnitt)
Geburt Christi - Triptychon von Hans Memling
Geburt Christi - Triptychon von Hans Memling
Weihnachtsspiel in der Gemeinde Gomaringen-Stockach zum Thema: "Könige in Juda" , (Hörspiel von Dorothy Sayers)
Weihnachtsspiel in der Gemeinde Gomaringen-Stockach zum Thema: "Könige in Juda" , (Hörspiel von Dorothy Sayers)

9. Januar 2014

Epiphanias – das Fest der „Drei heiligen Könige“

Nächst Ostern ist Epiphanias das älteste Fest der Christenheit, was im Gegensatz zur östlichen Orthodoxie vielen Evangelischen nicht bewusst ist. (Die folgende Darstellung lehnt sich an einen Artikel in Wikipedia an).

Schon früh  im 2. Jahrhundert entstand in der Ostkirche das christliche Epiphanias- oder Theophaniefest. Es überlagerte in den folgenden Jahrhunderten das alte Ritual des Kaiserkultes. Nach der konstantinischen Wende gingen einige Elemente des vorchristlichen Epiphaniaskultes, sofern sie sich auf Christus übertragen ließen, in die Liturgie ein.

Mit Erscheinung ist das Offenbarwerden der Gegenwart Gottes in der menschlichen Person Jesu Christi gemeint. Dabei wird der Geburt Jesu mit der Verehrung durch die jüdischen Hirten, der Anbetung der Weisen, seinem kindlichen Wirken bis zu seiner Taufe im Jordan (Mt 3,13–17 ) und seinem ersten Wunder bei der Hochzeit zu Kana (Joh 2,1–11) gedacht.

Die abendländische Kirche (Westkirche), welche Jesu Geburt am 25. Dezember (Weihnachten) beging, übernahm später das Epiphanie-Fest, feierte jedoch statt der Geburt die „drei Wunder“ der Anbetung der Könige (auch 'Anbetung der Weisen' genannt), der Taufe Jesu im Jordan und der Hochzeit zu Kana. (In manchen in Kirchen aufgestellten Krippen werden an den Sonntagen, die dem eigentlichen Epiphaniasfest folgen, die Figuren entsprechend dieser beiden späteren Ereignisse ausgetauscht.)

Es ist durchaus begründet zu sagen: „Epiphanias ist das Geschenk der Ostkirche an die Westkirche, Weihnachten das der Westkirche an die Ostkirche. “

Die Lese- und Perikopenordnungen in den evangelischen, katholischen und anglikanischen Kirchen beziehen sich mit dem Evangelium (Mt 2,1–12) vor allem auf die Anbetung der Weisen, so dass sie heute im Vordergrund steht.

Über diesen klassischen Text hielt Professor Peter Beyerhaus am Epiphaniastsag 2014 die hier veröffentlichte Predigt in der evangelischen Gemeinde Dußlingen bei Tübingen.


Predigt zum Epiphanias-Fest über Matthäus 2,1-12 am 6. Januar 2014 in Dußlingen

undefineddownload/lesen (pdf - 140 KB)

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Ein gesegnetes Weihnachtsfest 2013

23. Dezember 2013

Unser Gruß zum Christfest, wobei die weihnachtliche Festzeit erst mit dem am 2. Februar begangenen „Fest der Darstellung des Herrn“ bzw. „Mariä Lichtmeß“ endet, steht diesmal im Zeichen eines alttestamentlichen Schriftwortes und seiner bildhaften Gestaltung in Form einer Tonplastik. Ihrer Abbildung ist eine ausführliche Deutung beigegeben. Das Schriftwort ist dem Buch Daniel entnommen; die Tonplastik trägt den Titel: „Der Gottesberg“.


Der Prophet Daniel. Russische Ikone aus dem 18. Jh.
Die Schriftrolle zeigt die Worte Daniel 2,34 und 35.

 

„Aber zur Zeit dieser Könige wird der Gott des Himmels ein Reich aufrichten,
das nimmermehr zerstört wird;
und sein Reich wird auf kein anderes Volk kommen.
Es wird alle diese Königreiche zermalmen und zerstören;
aber es selbst wird ewig bleiben...“

Daniel 2,44f.

Die Tonplastik, entstanden durch Dorothea Killus am 16.12.2013, nimmt das Weihnachtsgeschehen von dem Traum her in den Blick, den Gott einst dem babylonischen König Nebukadnezar geschickt hat und durch seinen Propheten Daniel hat deuten lassen. Mit hineingestaltet sind Elemente der biblischen Botschaft, die mit mit dem Thema des Traums verwandt sind.

Das Thema ist die vom „Gott des Himmels“ errichtete Gottesherrschaft in ihrem Beziehungsverhältnis zu den großen Reichen der irdischen Herrscher, an deren erster Stelle Babylonien steht.


Gesamtansicht der Tonplastik „Der Gottesberg“

Die Krippe mit dem gott-menschlichen Träger der Gottesherrschaft erscheint zwischen die Füße des von dem heidnischen König geschauten Standbilds gestellt. Unter dem in Beine auslaufenden Krippensockel sieht man die Zehen der Füße zergehen. Und zwar sind die Krippenbeine  als Kanäle der im Christkind konzentrierten Gotteskraft zu verstehen.

Der Bogen unter dem rechten vorderen Krippenbein gehört zu einer Schlange, die sich an die Füße anschmiegt Sie ist hinzugenommen, weil die durch das Standbild repräsentierten Weltreiche ein Machtgebaren an den Tag legen, das als seinen unsichtbaren Drahtzieher den Widersacher Gottes, „die alte Schlange“ (Offenbarung 20,2), verrät.

Der Kopf der Schlange wird durch das linke vordere Krippenbein im selben Zuge wie die Füße des Standbilds getroffen. Diese Gerichtstat hat der HERR bereits in der Urgeschichte der Menschheit, nachzulesen in 1. Mode 3,15, in Aussicht gestellt.


Das Zentrum der Tonplastik „Der Gottesberg“

Von der Krippe erhebt sich ein Kreuz, zu dem das Jesuskind, wissend, daß es für einen besonderen Sterbensweg geboren wurde, mit seinem rechten Ärmchen hinauf. Denn der Träger der Gottesherrschaft ist mit dem Heiland ineins, der am Kreuz die Erlösung, das heißt: den Rückkauf der Menschheit aus der Fremdbeherrschung widergöttlicher Mächte erwirkt hat, um Menschern aus allen Völkern fortan unter der Gnadenherrschaft Gottes ganz neu erblühen zu lassen. 

An ihren geographischen und geschichtlichen Ort „zur Zeit dieser Könige“ gestellt worden ist die Krippe durch den von oben herabgeschleuderten Stein; seine Konturen sind links im Bild auszumachen. Daß der anfänglich kleine Gesteinsbrocken immer größer wird, bis er als ein felsiger Berg dasteht, ist durch reliefartig hervortretende „Wachstumsringe“ angezeigt. Es ist bei dem Wachstum an einen dynamischen Vorgang zu denken, bei dem es durch Gottes rechtmäßigen Herrschaftsanspruch auf die Völker zur Konfrontation von Gottes Reich mit den Reichen der Welt kommt.

Die Folge des Herabgekommenseins des Steins „ohne Zutun von Menschenhänden“ (Daniel 2,34)und seines Durchdringen der irdischen Sphäre ist der dramatischem Untergang der sich im Standbild darstellenden Weltreiche, einsetzend beim allerjüngsten. Die nach dem Zerstörungswerk verbliebenen  Reste von Metall und Ton liegen verstreut unten um die Plastik herum.

Der Berg fügt sich auf der Rückseite der Komposition in eine Weltkugel ein. Denn zum Herrschaftsgebiet Gottes, von dem der aus dem Stein gewordene Berg bildhaft spricht, soll laut Daniels Traumdeutung „die Gesamtheit der Erde“ werden. Im Blick ist eine göttliche Globalherrschaft, die sich nicht etwa auf eine einzelne Nation erstreckt und Ewigkeitscharakter besitzt. Deshalb ragt bei der Plastik der Gipfel des Berges weit über die Grenzen des Erdballs hinaus in die Höhe.

Das Kreuz seinerseits reicht mit seinem Querbalken über die vordere Seite hinaus nach hinten, sodaß die Kreuzesarme den Erdball umfangen und wiederum zusammengeführt sind. Die Stelle ihrer Zusammenführung bildet ein aus dem Felsgestein des Berges herausgearbeitetes aufgeschlagenes Buch.


Die obere Hälfte der Rückseite der Tonplastik

Es ist die Bibel Alten und Neuen Testaments. Sie gibt uns die Kunde von dem in jenem Traum geoffenbarten, sich über Jahrtausende hinweg erstreckenden Gesamtgeschehen, mit seinen Stationen Weihnachten, Ostern, Himmelfahrt und Pfingsten bis hin zum Ereignis der Wiederkunft dessen, den wir als das Kind in der Krippe ehren.

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Ein gesegnetes Pfingstfest!

Eine der ersten Pfingstdarstellungen – zu finden im Rabbula-Evangeliar (fol. 14v), einer syrischen Pergament-Handschrift aus dem 6. Jh.
Eine der ersten Pfingstdarstellungen – zu finden im Rabbula-Evangeliar (fol. 14v), einer syrischen Pergament-Handschrift aus dem 6. Jh.

17. Mai 2013

O komm, du Geist der Wahrheit, und kehre bei uns ein,

verbreite Licht und Klarheit, verbanne Trug und Schein.

Gieß aus dein heilig Feuer, rühr Herz und Lippen an,

dass jeglicher getreuer den Herrn bekennen kann.

Pfingstlied von 1927, verfasst von
Karl Johann Philipp Spitta, Vers 1

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Zum Fest Christi Himmelfahrt

Decke der Himmelfahrtskirche in Jerusalem.
Decke der Himmelfahrtskirche in Jerusalem.

6. Mai 2013

Decke der Himmelfahrtskirche in Jerusalem. Ihr Bau wurde Kaister Wilhelm II. veranlasst; eingeweiht wurde sie 1910. Mit Joachim Gauck besuchte die Himmelfahrtskirche erstmals ein deutsches Staatsoberhaupt. – Dargestellt ist Jesus als Weltenherrscher, umgeben von den 4 Evangelisten und den 12 Aposteln. Dazwischen stehen in Latein die Worte – ganz innen: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“ – und außen: „Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Frieden den Menschen seines Wohlgefallens“. © Johannes Becker Pixelio

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Interview zum Himmelfahrtsfest 2013

Ulrich Janßen
Ulrich Janßen
Prof. Beyerhaus
Prof. Beyerhaus

Ulrich Janßen (UJ), Stv. Chefredakteur des Schwäbischen Tagblatts, mit Professor Peter Beyerhaus (PB)

6. Mai 2013

UJ:
Herr Beyerhaus, Sie liefern sich beim Thema Auferstehung einen hartnäckigen Streit mit dem Tübinger Hochschulpfarrer Michael Seibt. Was ist eigentlich der entscheidende Unterschied zwischen Ihnen und Herrn Seibt?

PB:
Für mich ist Jesus nicht nur als Geist auferstanden, als Phantom, sondern als realer Mensch mit Leib, Seele und Geist. Bei Herrn Seibt löst sich der Auferstandene dagegen in Symbolik bzw. zu einem innerseelischen Erlebnis auf. Der Hochschulpfarrer hat einen Hang zur indischen oder iranischen Mystik. Für mich ist die Bibel entscheidend. Sie ist die schriftliche Beurkundung Gottes.
 
UJ:
Sie glauben, dass Jesus komplett mit seinem alten Körper wieder auferstanden ist?

PB:
Nicht mit seinem alten Körper, sondern in verklärter Gestalt seines irdischen Leibes.  Dieser besaß nun Eigenschaften, die seiner neuen Seinsweise angehörten. Er konnte ja zum Beispiel wie auch die Engel durch verschlossene Türen hindurchgehen.
Aufgrund der Verwandlung seiner an und für sich identisch gebliebenen Person – sogar seine Narben an Händen und Füßen waren noch sichtbar! – wurde er von seinen Jüngerinnen und Jüngern nach seiner Auferstehung nicht immer gleich erkannt.

UJ:
Wenn Jesus damals mit seinem eigenen Körper über die Erde wandelte, musste er auch wieder von ihr verschwinden. Heute ist er ja nicht mehr unter uns, jedenfalls nicht physisch.

PB:
Ja, physisch zwar nicht, aber doch real; denn er versprach den Seinen ja vor seiner Himmelfahrt, dass er doch immer bei ihnen sein werde.
 
UJ:
Morgen ist das Fest Christi Himmelfahrt. Wie können wir uns die Himmelfahrt anschaulich vorstellen?

PB:
Nun, laut Lukas sahen ihn die Menschen in einer Wolke verschwinden, wobei das natürlich nicht eine Wolke aus Wasserdampf war. Die Wolke symbolisiert den Übergang in eine andere, uns unsichtbare  Wirklichkeit.
 
UJ:
Jesus ist also nicht wie eine Rakete in den Himmel geflogen?

PB:
Nein. Er ist in eine Dimension übergetreten, die den euklidischen, dreidimensionalen  Raum umgibt, aber ihm zugleich an jedem Punkte nahe ist. Zwischen dieser überirdischen und der irdischen Dimension ist Jesus in den 40 Tagen nach seiner Auferstehung mehrmals hin und her gewechselt. Unsere drei Dimensionen sind von der über sie hinausreichenden  Dimension durch eine durchlässige Wand getrennt, die wir zwar von uns her nicht durchdringen können, Gott aber jederzeit durchdringen kann.
 
UJ:
Könnte man die andere Dimension als Jenseits bezeichnen?

PB:
Das könnte man schon. Im biblischen Weltbild lassen sich drei Wirklichkeitsbereiche unterscheiden: erstens unser diesseitiger dreidimensionaler Raum, zweitens der ihn umgebende erschaffene Zwischenbereich und drittens Gottes eigener unerschaffener Seinsbereich, der die beiden geschaffenen Bereiche umschließt. Zur diesem hat der Vater seinen Sohn bei seiner Himmelfahrt erhöht. Er hat ihm den Thronsitz zu seiner Rechten eingeräumt und ihm die Herrschaft über alle Mächte und Gewalten verliehen.   
 
UJ:
Soll das heißen, dass Jesus nach der Auferstehung doch schon im Jenseits unterwegs war? Dann gäbe es ja vielleicht sogar Berührungspunkte zu den Thesen von Herr Seibt.

PB:
Jesus ist nach der Auferstehung mehrfach zwischen den Seinsbereichen hin und her gewechselt. Er war im Jenseits, aber er wurde auch gegenwärtig in unserem  dreidimensionalen  materiellen Wirklichkeitsbereich.
 
UJ:
In unseren drei Dimensionen gelten die Naturgesetze. Waren die im Moment der Himmelfahrt Christi aufgehoben? Körper können sich ja nicht einfach in Nichts auflösen.

PB:
Die Naturgesetze gelten für die empirische Wirklichkeit, aber nicht in der jenseitigen Wirklichkeit, in der sich Jesus bewegte.
 
UJ:
Aber Jesus war nach Ihrer Überzeugung auch in unserer empirischen Wirklichkeit präsent, dort also den Naturgesetzen unterworfen. Wie fand denn der Wechsel in die andere Dimension statt? Er wird ja nicht „weggebeamt“ worden sein wie Captain Kirk auf dem Raumschiff Enterprise.

PB:
Unterworfen war der Auferstandene angesichts seiner verklärten Leiblichkeit nicht mehr. Enterprise kenne ich nicht. Aber ich gebe zu, dass die biblische Unterscheidung für das schlichte Gemeindeglied schwer  nachzuvollziehen ist.
Dazu zu helfen ist die Aufgabe der Predigt zum Himmelfahrtsfest.
 
UJ:
Warum ist denn die eigentliche Himmelfahrt überhaupt so wichtig für Sie als Christen, wenn Jesus doch vorher schon immer wieder ins Jenseits gependelt ist?

PB:
Erst mit der Himmelfahrt wechselte er in das absolute Jenseits und setzte sich zur Rechten Gottes. Dadurch ist ihm nun auch eine neue Macht „im Himmel und auf Erden“ (Matthäus 28, 18) gegeben, die er vorher als  Mensch in dieser Weise nicht besaß. Seither brauchen wir vor den Mächten, die uns auf Erden erschrecken, keine Angst mehr zu haben.
 
UJ:
Aber haben wir nicht trotzdem Angst? Vor Krankheit und Tod zum Beispiel?

PB:
Dank der Himmelfahrt können wir sicher sein, dass es eine höhere siegreiche Macht gibt. Sie nimmt sich unser tröstend und Hoffnung weckend an und wird uns in der kommenden neuen Welt von allen jetzigen Nöten endgültig befreien.
 
UJ:
Wie ist das denn mit unserer eigenen Auferstehung? Für Pfarrer Seibt leben die Menschen nach ihrem Tod „nur“ im Bewusstsein anderer Menschen fort.
Sie dagegen sind überzeugt, dass wir später einmal auch leibhaftig wieder auferstehen?

PB:
Das bekenne  ich. Unsere kommende Leiblichkeit ist mit unserer jetzigen seinsmäßig verbunden. Sie wird aber eine andersartige sein.
 
UJ:
Das heißt: Die Menschen, die mit einer hässlichen Nase oder einem lästigen Gebrechen sterben, müssen nicht befürchten, sich damit auch noch in der Ewigkeit herumschlagen zu müssen?

PB:
In der Tat. Die körperlichen Gebrechen werden in der anderen Welt keine Rolle spielen. Wir werden alle Schwere verlieren.
 
UJ:
Warum hängen Sie eigentlich so an der leiblichen Wiederkehr der Gestorbenen? Das ist ja ein recht komplexes Thema, das vielen heutigen Menschen nicht so leicht zu vermitteln ist.

PB:
Mir ist es wichtig, weil ich an Gott als den Schöpfer glaube, der eine Welt geschaffen hat, die  substanziell ist. Eine Mineralwelt, Pflanzenwelt, Tier- und Menschenwelt. Diese materielle, von Gott geschaffene Welt wird nicht einfach verschwinden, sondern verwandelt sich, wenn Jesus auf die Erde zurückkehrt. Sie wird anders sein, aber trotzdem mit unserer jetzigen Welt in wesenhaftem Zusammenhang stehen.
 
UJ:
Nach ihrer Meinung gehört Hochschulpfarrer Seibt nicht in die evangelische Kirche. Fühlen denn Sie sich noch wohl in Ihrer Kirche? Oder haben Sie schon mit dem Gedanken gespielt, etwa zu den Katholiken zu wechseln?

PB:
In Glaubensdingen teile ich die katholischen Überzeugungen, die allen christlichen Konfessionen gemeinsam sind. Diese unterscheiden sich freilich von den evangelischen, besonders im Amtsverständnis und der über die Hl. Schrift hinausgehenden Tradition.

UJ:
Sie setzen sich in der Kontroverse mit Pfarrer Seibt leidenschaftlich für die Gültigkeit der biblischen Berichte, auch derer über Geburt und Auferstehung Jesu ein.
Seit wann ist Ihnen eigentlich die Bibel so wichtig?

PB:
Seit meiner frühesten Jugend. Das erste Buch, das ich als Kind kennenlernte und las, war die Bibel, die ich in meinem Elternhaus in zahlreichen Ausgaben fand.
Als Oberschüler verteidigte ich die Heilige Schrift, die uns unser nationalsozialistischer Klassenlehrer lächerlich zu machen suchte.  
 
UJ:
Sie gelten als streitbarer Theologe. Genießen Sie es, wenn Sie mit jemand anders streiten und die Funken fliegen?

PB:
Das will ich nicht ganz bestreiten, so lange es nicht um einen  Streit um des Streitens willen geht. Aber in der Verteidigung des Glaubens sehe ich mich von Kind auf immer wieder in den Streit gestellt. Wir erlebten damals ja den Kirchenkampf zwischen den „Deutschen Christen“ und der „Bekennenden Kirche“, zu der mein Vater  von Anfang an gehörte.

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Brief an einen jungen Pfarrer

27. April 2013

Sehr geehrter Herr Pastor!

Die Begegnung mit Ihnen am im Anschluss an den Gottesdienst am vorigen Sonntag in Neudorf war mir ein frohes Erlebnis. Es war nett von Ihnen, dass Sie sich mir als vormaligen Tübinger Theologiestudenten vorgestellt haben.

Nun hatte ich ja angekündigt, dass ich Ihnen gern noch einmal schreiben würde, und dies natürlich im Rückblick auf Ihren Gottesdienst. Ich war beeindruckt von dem guten Besuch und Ihrer lebensnahen Zuwendung zur Gemeinde. Ihrer lebendigen und anschaulichen Predigt über Psalm 8 habe ich aufmerksam zugehört.

Das tat ich auch deshalb, weil ich über diesen Text im Jahre 1952 meine Examenskatechese bei meiner ersten kirchlichen Dienstprüfung in Berlin zu halten hatte.
Meine Probekatechese in einer Schulklasse verlief sehr glatt, und es gelang mir, die Aufmerksamkeit der Schüler zu fesseln. Der mich beaufsichtigende Superintendent lobte die Katechese und meinte, das werde auch in meiner Benotung auf dem Examenszeugnis seinen Niederschlag finden.
Doch weit gefehlt! Der vom Konsistorium beauftragte Begutachter der schriftlich eingereichten Katechese kritisierte sie scharf. Er beanstandete besonders, dass ich bei meiner Ausführung über die hohe Würde des Menschen – „wenig niedriger gemacht als Gott …“ (Vers 6) außer Acht gelassen habe, dass diese Aussage ihre Erfüllung in Jesus Christus als dem wahren Ebenbilde Gottes finde (Rö 8,29; 2Kor 4,4; Kol 1,15;3,10; Hebr 1,3).
Diesen doppelten dogmatischen Fehler kreidete er mir negativ an, und so bekam ich mit einem „genügend“ im Teilfach Katechetik die schlechteste Note auf meinem Examenszeugnis. Das wurmt mich im Rückblick immer noch etwas.

Gleichzeitig erkenne ich aber auch, dass mein gestrenger Rezensent in gewisser Weise doch recht hatte. Denn ich hätte  ja nicht außer acht lassen dürfen, dass der Mensch seine ursprüngliche  Würde aufgrund seines Sündenfalles tief beschädigt hat. Denn die Gottebenbildlichkeit des Menschen liegt, wie Sie, lieber Herr Pastor, richtig ausführten, darin, dass er wesenhaft auf Gott ausgerichtet und zur innigen Gemeinschaft mit Ihm berufen ist. Diese aber kann – was Sie leider nicht sagten – erst  dadurch erfüllt werden, dass seine verlorene Unschuld durch ein Erlösungsgeschehen wiederhergestellt wird.
Darum aber  kann der Prediger im Blick auf den natürlichen Menschen nicht einfach von seinem ungestört harmonischen, in der Vatergüte Gottes begründeten Verhältnis zu Ihm ausgehen.
Vielmehr setzt an dieser Stelle die biblische Lehre von der von Geburt an ererbten Urschuld (Hamartiologie) und von deren Tilgung durch den stellvertretenden Sühnetod Jesu am Kreuz von Golgatha (Soteriologie) ein. Von Ihm allein kann man als einzigem vom Weibe Geborenen sagen, dass er wahrer Mensch entsprechend seiner Schöpfungs- und Heilsbestimmung war und ist. Das zeigte unbewusst auch Pilatus an, wenn er nach Joh 19, 5 den Juden den gemarterten Jesus vorstellte mit dem Ausruf: „Siehe, der Mensch!“ (Menge-Übersetzung).  Es ist Christus, der wahre Mensch und wahre Gott, der uns durch die Sünde entstellten Menschen wieder aufrichtet. Er allein kann und will uns zu Menschen machen die entsprechend unserer göttlichen Bestimmung leben. Das setzt auf unserer Seite voraus, dass wir unter Leitung des Heiligen Geistes Sein Heil annehmen,  in Buße für unsere begangenen Sünden und im Glauben an seine Rettungstat am Kreuz und in seiner Auferstehung.

An dieser Stelle nun setzt, lieber Herr Pastor, mein Rückfragen an Ihre Predigt über Psalm 8 ein. Ich erwartete gespannt, dass diese noch einen dritten Teil  finden werde, in dem Sie in der Tat die neutestamentliche Lehre von Christus und der von Ihm vollbrachten Erlösung und Versöhnung, also das eigentliche euangelion, zur Sprache bringen würden. Doch genau in diesem Augenblick schlossen Sie unvermittelt mit „Amen“. Konsterniert raunte ich  meiner Nachbarin zu: „Da fehlt doch noch etwas!“ Beim Nachgespräch bemerkten auch andere, dass die Person Jesu Christi in Ihrer Predigt eigentlich kaum genannt wurde, jedenfalls keine tragende Rolle spielte.

Gewiss können Sie mir jetzt antworten: „Davon stand ja auch nichts in meinem Text.“
Nun – ausdrücklich zwar nicht; wenn man jedoch die Heilige Schrift Alten und Neuen Testaments als eine heilsgeschichtliche Einheit erkennt, so enthalten die Psalmverse 2 und  8 -10 in der Tat ein prophetisches Christuszeugnis. Das zu erschließen ist die Aufgabe einer christlichen Auslegung und Predigt.

So wurde mir während des Gottesdienstes allmählich bewusst, dass Sie sich darin wesentlich im Bereich des Ersten Glaubensartikels von Gott dem Vater und Allmächtigen Schöpfer bewegten. Dies geschah nicht nur in der Predigt, sondern auch in der Auswahl der Lieder und in den Gebeten.  Das genügt aber nach meiner Überzeugung nicht, besonders wenn man bedenkt, dass Sie in diesem gut besuchten Gottesdienst eine ausgezeichnete evangelistische Chance hatten, den Menschen das Heil in Jesus Christus zu bezeugen.

Nun hoffe ich, verehrter Herr Pastor, dass Sie meine Rückfragen nicht als Ihnen persönlich geltende Kritik aufnehmen. Es ist mir sehr wohl bewusst, dass Sie während Ihres Universitäts-Studium – nicht zuletzt der Praktischen Lehrfächer  – im Wesentlichen die Theologie  vermittelt bekommen haben, die in Ihrem Gottesdienst zur Sprache kam. Denn die meisten Theologieprofessoren und Dozenten lehren und predigen ja inhaltlich  nicht wesentlich anders. Ebenso wird im ganzen Lande in 95% aller Gottesdienste gepredigt, auch in evangelischen Radio- und TV-Gottesdiensten. Immer lautet an allen Sonntagen und auch zu den Hochfesten sowie auch in den Ansprachen bei Amtshandlungen und den Sakramenten Taufe und Abendmahl die Botschaft:

„Gott liebt diese Welt und alle seine Geschöpfe grenzenlos. Er nimmt jeden Menschen bedingungslos so an wie er ist, weil er ja unser gütiger Vater ist. In Jesus, unserm Bruder,  ist diese Liebe Gottes personhaft zur Darstellung gekommen, und in seiner Gemeinschaft bilden wir alle miteinander eine große Familie und Liebesgemeinschaft.“

Nichts wird hingegen wird darüber gesagt, dass die Verkündigung Jesu im Kern lautete:

Die Zeit ist erfüllt und das Reich Gottes ist herbeigekommen;
tut Buße und glaubt an das Evangelium!
“ (Mk 1,15 u.ö.).

Von der Notwendigkeit der Buße ist heutzutage  in kaum einer Predigt die Rede; denn, so heißt es,  Gott der Vater liebe uns als seine Kinder und nehme uns so  an, wie wir sind.
Das aber bedeutet in seiner Konsequenz –  und viele Menschen ziehen sie –  dass es im Grunde genommen unnötig ist, sich zu bekehren und sich der Gemeinde in sonntäglichem Gottesdienstbesuch anzuschließen. Denn –so meint man – als  Gottes Kinder kommen wir alle in den Himmel – falls wir noch an ein Leben nach dem Tode glauben.
Dass für viele deswegen auch die Gebote Gottes nicht wichtig sind, besonders die
Gebote  II bis VI, rundet diese Entwicklung ab und leitet die allgemeine Säkularisierung und den Verfall unserer christlich-abendländischen Kultur ein.

Letztlich aber steht hinter diesem allen die Frage: Was haben wir für ein  Gottesverständnis? Glauben wir an einen weichen Gott, dessen Wesen ausschließlich Güte und Liebe ist? Oder kennen wir den biblischen Gott und Herrn Zebaoth, der ganz gewiss ein liebender Gott ist, gleichzeitig aber auch heilig ist? Stimmen wir dem zu, was in Hebr 10,31 gesagt wird, dass sich unser Gott unter Umständen auch als ein verzehrendes Feuer offenbaren kann? 

Diese Fragen stelle ich nicht so sehr Ihnen persönlich, sonder ich muss sie immer wieder in aller Öffentlichkeit stellen, auch auf die Gefahr hin, dass man mir vorwirft, ich verkündige keine Frohbotschaft, sondern eine Drohbotschaft. Christliche Predigt enthält, wie Martin Luther uns lehrt, beides: Gesetz und Evangelium. Wenn wir dem folgen, so können wir uns zugleich auf die neutestamentliche Predigt nicht nur Johannes des Täufers, sondern auch auf die Jesu  und seiner Apostel berufen.

Das, lieber Herr Pastor,  motiviert vielleicht ein wenig meine Kühnheit, Ihnen nach meinem kurzen Besuch ein solches Lehrschreiben zu senden. Doch soll dies nicht ein Monolog bleiben. Vielmehr würde ich mich freuen, wenn wir uns einmal wieder begegnen und theologisch  unterhalten könnten.

Mit meinen Segenswünschen in dieser österlichen Freudenzeit
grüßt Sie herzlich

Ihr
Peter Beyerhaus

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Osterpredigt des Hl. Johannes Chrysostomus

Johannes von Antiochia (* 344 oder 349 - 407), "Goldmund" (griech. Chrysostomos) genannt, gilt als einer der größten christlichen Prediger.
Johannes von Antiochia (* 344 oder 349 - 407), "Goldmund" (griech. Chrysostomos) genannt, gilt als einer der größten christlichen Prediger.

29. März 2013

Unseres Vaters unter den Heiligen, Johannes Chrysostomus, Erzbischof von Konstantinopel, katechetische Rede auf den heiligen und strahlenden Tag der herrlichen und heilbringenden Auferstehung Christi, unseres Gottes

Wenn jemand fromm ist und Gott liebt, erquicke er sich an dieser schönen und glänzenden Feier.
Wenn jemand ein wohlgesinnter Knecht ist, gehe er fröhlich ein in die Freude seines Herrn.
Wenn jemand sich beim Fasten abgemüht hat, empfange er jetzt den Denar [Silbermünze].
Wenn jemand von der ersten Stunde an gearbeitet hat, empfange er heute seinen gerechten Lohn.  [ ……]
Denn der Gebieter ist freigebig und nimmt den Letzten an wie den Ersten.
Er erquickt den, der um die elfte Stunde gekommen ist, ebenso wie den, der von der ersten Tagesstunde an gearbeitet hat.
Zum später Kommenden ist Er gnädig und zum Ersten freundlich.
Jenem gibt Er und diesen schenkt Er.
Die Werke nimmt Er an und den Entschluss begrüßt Er.
Die Tat ehrt Er und die Absicht lobt Er.
Geht also alle ein in die Freude unseres Herrn!
Die Ersten und die Letzten, empfanget den Lohn!
Die Reichen und die Armen, freut euch miteinander!
Die Ausdauernden und die Nachlässigen, ehret den Tag!
Die ihr gefastet und die ihr nicht gefastet habt, freuet euch heute!
Der Tisch ist reich gedeckt, genießet alle!
Das Kalb ist gemästet, niemand gehe hungrig hinaus!
Alle genießet vom Gastmahl des Glaubens!
Alle genießet vom Reichtum der Güte!
Niemand beklage sich über Armut, denn erschienen ist das gemeinsame Reich.
Niemand betrauere Übertretungen, denn die Vergebung ist aus dem Grabe aufgestrahlt.
Niemand fürchte den Tod, denn des Erlösers Tod hat uns befreit.
Er hat ihn vernichtet, Der von ihm umfangen war.
Er hat gefesselt den Hades, Der zum Hades hinabstieg.
Er ließ Bitterkeit erfahren ihn, der gekostet hat von Seinem Fleisch.
Dieses vorausschauend rief Jesaja aus:
„Der Hades“, spricht er, „ward voll Bitterkeit, als er unten mit Dir zusammentraf.“
Er ward voll Bitterkeit, denn er ward hinweggerafft.
Er ward voll Bitterkeit, denn er ward gestürzt.
Er ward voll Bitterkeit, denn er ward gefesselt.
Er nahm den Leib und traf auf Gott.
Er nahm Erde und begegnete dem Himmel.
Er nahm, was er sah, und fiel durch das, was er nicht sah.
Wo ist, Tod, dein Stachel?
Wo ist, Hades, dein Sieg?
Auferstanden ist Christus und du bist gestürzt.
Auferstanden ist Christus und gefallen sind die Dämonen.
Auferstanden ist Christus und die Engel freuen sich.
Auferstanden ist Christus und das Leben herrscht.
Auferstanden ist Christus und kein Toter im Grab.
Denn Christus ist von den Toten auferstanden, der Erstling der Entschlafenen geworden.

Ihm sei die Ehre und die Macht in alle Ewigkeit.
Amen.

© Benediktinerabtei Niederaltaich

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Predigt von Peter Beyerhaus am 2. Adventssonntag über Jesaja 63, 15 – Jesaja 64, 3

Durchbruch der Sonne durch eine Wolkenwand über dem Karmel-Gebirge in Israel. Photo: Daniel Melman. Siehe http://www.flickr.com/photos/danielme/2558203592/
Durchbruch der Sonne durch eine Wolkenwand über dem Karmel-Gebirge in Israel. Photo: Daniel Melman. Siehe www.flickr.com/photos/danielme/2558203592/
Das betende Korea
Das betende Korea

4. Dezember 2012

Advent ohne Klingeling und Tannenduft

„Alle Jahre wieder kommt das Christuskind“ – so erklingt es seit Mitte November schon fröhlich aus zahlreichen Lautsprechern auf Märkten und in Geschäften, als handelte es sich beim Christfest um ein unwandelbares Naturereignis – „der nächste Winter kommt bestimmt“. Mit dieser und anderen gefühligen Melodien wird Stimmung gemacht. Menschen werden scharenweise angelockt, sich in den  vorweihnachtlichen Einkaufstrubel hineinzuwerfen.
Welche tieferen Empfindungen verbinden sich eigentlich bei Händlern und Kunden mit diesen altvertrauten Klängen? Die Leute machen in diesen Wochen oft einen gejagten Eindruck. Sie verschmelzen zu einer anonymen Masse, welche gezogen und geschoben dahineilt, um den Anschluß nicht zu verpassen:. Jetzt ist es das Weihnachtsfest, gleich danach Sylvester, und dann kommt schon wieder die Faschingszeit.
Doch welche Sorgen, Ängste, ja vielleicht stille Verzweiflung jeder einzelne mit sich trägt – wer vermag darüber Auskunft zu geben? Wie sieht es in ihrem eigenen Inneren aus? Täglich entnehmen wir den Medien, daß überall Arbeitsplätze abgebaut werden, ohne daß es gelingt, neue zu schaffen. Ehen und Familien zerbrechen infolge einer fatalen Auswirkung der Selbstverwirklichungs-Ideologie, und wir erleben es schmerzlich und hilflos, wie eigene Verwandte oder Freunde von schweren, vielfach unheilbaren Krankheiten befallen werden.
Wenn wir dann in die Welt im Großen blicken, sieht es noch trostloser aus: Eine verheerende Naturkatastrophe löst die vorige ab, reißt Zehntausende in den Tod, macht Hunderttausende obdachlos und liefert sie schutzlos dem Wüten der chaotischen Orkane und Beben von Erde und Meer aus. Kriegerische Konflikte terrorisieren die Völker  im Nahen Osten und in afrikanischen Ländern.
Kein Wunder, wenn auch Christen fragen, ob Gott sich aus seiner von Ihm geschaffenen Welt völlig zurückgezogen habe? So fragen nicht nur wir heute, so hat zu gewissen Zeiten auch Gottes ersterwähltes Volk Israel sich und seinen Gott, den HErrn Zebaoth, gefragt. Und so tut es in unserm heutigen Predigttext aus der Prophet Jesaja (Kap. 63, 15-19; 64, 1-3.) Wir wollen unsere Predigt unter das Thema stellen:

Sehnsucht nach Öffnung des Himmels

„Ach dass du den Himmel zerrissest und führest herab!“

Was veranlasst den Propheten zu solchem leidenschaftlichen Ausruf? Wir können das nur aus dem Zusammenhang des 63. und 64 Kapitels des Jesajabuchs verstehen. Darum verlese ich zunächst einmal den Text in seinem Zusammenhang:

15 So schau nun vom Himmel und sieh herab von deiner heiligen, herrlichen Wohnung! Wo ist nun dein Eifer und deine Macht? Deine große, herzliche Barmherzigkeit hält sich hart gegen mich. 16 Bist du doch unser Vater; denn Abraham weiß von uns nichts, und Israel kennt uns nicht. Du, HERR, bist unser Vater; »Unser Erlöser«, das ist von alters her dein Name. 17 Warum lässt du uns, HERR, abirren von deinen Wegen und unser Herz verstocken, dass wir dich nicht fürchten? Kehr zurück um deiner Knechte willen, um der Stämme willen, die dein Erbe sind! 18 Kurze Zeit haben sie dein heiliges Volk vertrieben, unsre Widersacher haben dein Heiligtum zertreten. 19 Wir sind geworden wie solche, über die du niemals herrschtest, wie Leute, über die dein Name nie genannt wurde.

1 Ach dass du den Himmel zerrissest und führest herab, dass die Berge vor dir zerflössen, wie Feuer Reisig entzündet und wie Feuer Wasser sieden macht, dass dein Name kundwürde unter deinen Feinden und die Völker vor dir zittern müssten,2 wenn du Furchtbares tust, das wir nicht erwarten – und führest herab, dass die Berge vor dir zerflössen! – 3 und das man von alters her nicht vernommen hat. Kein Ohr hat gehört, kein Auge hat gesehen einen Gott außer dir, der so wohltut denen, die auf ihn harren.

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Der Buß- und Bettag

Der Prophet. Von Jakob Steinhardt 1957 (Detail)
Der Prophet. Von Jakob Steinhardt 1957 (Detail)

21. November 2012

galt früher als einer der wichtigsten typisch evangelischen Feiertage.

Seine Ursprünge gehen bis in das Alte Testament zurück, wo zu Notzeiten die Könige Israels und Judas und auch Propheten das ganze Volk aufforderten, einen Tag mit Fasten und Bußgebeten zu verbringen  (Richter 20,26; 1. Sam 7,5 ff.; Joel 1, 13 ff. u. ö.) .

Auch im Imperium Romanum gab es staatlich verordnete Bet- und Bußtage. Als das römische Recht in ganz Europa eingeführt wurde, verordnete jedes Land seine eigenen gelegentlichen oder permanenten Buß- und Bettage.

Nach der Reformiaton blieb diese geographische Mannigfaltigkeit der Termine in den einzelnen deutschen Kleinstaaten erhalten. Im Jahre 1852 schlug die „Eisenacher (Kirchen-)Konferenz“ den Mittwoch vor dem letzten Sonntag im Kirchenjahr (Ewigkeits-Sonntag) dafür vor. Dieser Regelung schlossen sich 1893 die nord- und mitteldeutschen Landeskirchen Regelung an, im Laufe des beginnenden 20. Jahrhunderts auch die süddeutschen.

Im Jahre 1939 verlegte Hitler den Buß- und Bettag auf den Sonntag und schaffte ihn somit de facto ab. 1981 wurde er wieder in der ganzen Bundesrepublik Deutschland zum staatlich geschützten, arbeitsfreien Feiertag. Doch im Jahre 1994 beschlossen Regierung und Bundestag, ihn als solchen zugunsten der finanziellen Sicherung der Pflegeversicherung abzuschaffen. Nur im Freistaat Sachsen blieb bis heute die bisherige Regelung bestehen. Seither werden andernorts die Gottesdienste bzw. Andachten vielfach auf den Abend verlegt.
 
Theologisch betrachtet hat der Buß- und Bettag einen dreifachen Sinn:

Erstens ist er ein Tag fürbittenden Eintretens der Kirche für die Schuld unseres Volkes vor Gott.
Zweitens soll die Kirche in besonderer Weise ihr Wächteramt den öffentlichen Sünden unserer Zeit gegenüber ausüben.
Drittens ist es ein Tag der Gewissensprüfung für den einzelnen vor Gott, denn jeder Christ soll für die Geltung des sittlichen Willens Gottes für Staat und Gesellschaft wie auch der Kirche selbst verantwortlich eintreten. 

Dieser dreifache geistliche Sinn des Buß- und Bettages ist freilich  in der deutschen evangelischen Christenheit leider weitgehend verloren gegangen. Weil nun der Verfall der sittlichen Ordnung in unserer Gesellschaft in rapider  Geschwindigkeit unaufhaltsam eingesetzt hat, entschloss sich das Präsidium des Theologischen Konvents Bekennender Gemeinschaften im Frühjahr des Jahres 2000 dazu, seine Vollversammlung im Herbst d. J. auf den Buß- und Bettag am 22. November anzusetzen, und zwar in den Konferenzräumen und der Kirche des Evangelischen Johannesstiftes in Berlin-Spandau.

Bei dieser Zusammenkunft wurde in den Vorträgen und Aussprachen mit tiefem Ernst die Frage gestellt, ob unser deutsches Volk die Gnadenstunde eines Neuanfangs nach der Wiedervereinigung etwa verpasst habe und deswegen aufgrund erneuter gemeinsamer Schuld das Gerichtsurteil Gottes auf sich herabrufe.

Deckblatt des Spandauer BußwortsHöhepunkt dieser historischen Konventstagung war ein in der Stiftskirche stattfindender Bußgottesdienst, bei dem von leitenden Mitarbeitern des Konvents der „Spandauer Bußruf“ verlesen wurde. In ihm richteten wir uns an die Verantwortungsträger in Kirche und Gesellschaft und baten sie dringlich um ein entsprechendes bußfertiges Handeln zur Abstellung der sich ausbreitenden widergöttlichen Unmoral.

Dieser Aufruf wurde anschließend als Faltblatt gedruckt und zunächst an die Leitungen aller Kirchen wie auch an die Regierenden in Bund und Ländern versandt.

Das Dokument wurde sowohl bei einigen Regierungen als auch von  Bischöfen beider großer Konfessionen zustimmend aufgenommen. Es musste mehrmals in Massenauflage nachgedruckt werden und wurde von Gemeinden und einzelnen Christen in allen Teilen Deutschlands und der benachbarten deutschsprachigen Länder bestellt.



 

 

 



Deckblatt des Spandauer Bußworts

 

Das Spandauer Bußwort ist sicher eine der wichtigsten und am weitesten  Verlautbarungen der Konferenz Bekennender Gemeinschaften in den Evangelischen Kirchen Deutschlands und ihres Theologischen Konvents.


Der Text des Bußwortes kann in der Rubrik „undefinedDokumentationen“ dieser Homepage aufgerufen werden.

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Zum Reformationstag am 31. Oktober 2012

Martin Luther als Augustinermönch, 1520.Von Lucas Cranach d. Ä. (1472–1553).
Martin Luther als Augustinermönch, 1520. Von Lucas Cranach d. Ä. (1472–1553).

26. Oktober 2012

Am Anfang der Reformation stand nicht ein Parademarsch zu den Klängen des Schutz- und Trutzliedes der Lutheraner „Ein feste Burg ist unser Gott“. Vielmehr war es das verzweifelte Ringen eines kleinen Mönches in seiner Zelle im Erfurter Augustiner-Klosters mit der Frage: „Wie kriege ich einen gnädigen Gott?“


Daran hat kürzlich niemand anderes erinnert als der deutsche Papst Benedikt XVI., als er im September 2010 auf seinem Deutschlandbesuch auch das Augustiner-Kloster in Erfurt besuchte und dort die Spitzenvertreter der Evangelischen Kirche in Deutschland traf. Offensichtlich hielt er das für angebracht angesichts allen triumphalistischen Getönes von der evangelischen Kirche als der „Kirche der Freiheit“, die den neuzeitlichen Befreiungsprozess auf allen Gebieten der Kultur in Bewegung gebracht habe.

Aber die Frage nach dem gnädigen Gott ist nicht mehr aktuell in einer Kirche, deren Theologen und Prediger sich unablässig auf einen Gott berufen und ihre Hörer damit einlullen, einen Gott, der in seiner unendlichen Güte bedingungslosen Vergebensbereitschaft alle Menschen annimmt eben wie sie sind, ohne irgend welche vorausgehenden Akte der Buße und des Gehorsams.
Wer wieder einmal einige der wichtigsten der 95 Thesen liest, die Martin Luther der Tradition nach am 31. Oktober 1517 an das Portal der Wittenberger Schloss-Kirche genagelt hat, dem dürfte das sofort deutlich werden, spielt doch darin das Wort ‚Buße‘ von der ersten bis zur letzten These eine zentrale Rolle.

Über die Wichtigkeit und Bedeutung der Buße

Auszug aus Martin Luthers 95 Thesen

1. Da unser Herr und Meister Jesus Christus spricht: Tut Buße etc., will er, dass das ganze Leben seiner Gläubigen auf Erden eine (stete) Buße sei.

2. Jedoch will er nicht allein verstanden haben die innerliche Buße; ja die innerliche Buße ist nichtig und keine Buße, wo sie nicht äußerlich allerlei Tötung des Fleisches wirket.

4. Währet derhalben Reue und Leid, das ist wahre Buße, so lange einer Missfallen an sich selber hat, nämlich bis zum Eintritt aus diesem in das ewige Leben.*

* Erläuterung zur vierten These: Wenn das ganze Leben eine immerwährende Buße und Kreuz Christi ist, welches nicht nur darin bestehet, dass man sich freiwillig wehe tut, sondern auch in den Versuchungen des Teufels, der Welt und des Fleisches, ja auch in den Verfolgungen und Leiden, wie aus dem vorher Gesagten, aus der ganzen heil. Schrift, aus dem Exempel des Allerheiligsten und aller Märtyrer erhellet: so ist gewiss, dass dieses Kreuz bis in den Tod, und also bis zum Eingang in das ewige Leben währet. Zum andern kann man solches auch an andern Heiligen sehen. Der heilige Augustinus hat sich die sieben Bußpsalmen abschreiben lassen, sie mit Tränen gebetet und darüber seine Betrachtungen angestellt; dabei er sagte: Wenn ein Bischof, er möchte sein wer er wolle, gleich gerecht gelebt hätte, so solle er doch nicht ohne Buße aus diesem Leben abscheiden. Also hat auch der heilige Bernhardus in seinen letzten Zügen ausgerufen: Ich habe übel gelebt, denn ich habe die Zeit übel angewendet. Ich habe nichts, ohne dass ich weiß, ein demütiges und zerschlagenes Herz wirst du, o Gott! nicht verachten. Zum dritten, mit einer vernünftigen Ursache. Das Kreuz der Buße soll so lange währen, bis nach dem Ausspruch des Apostels, der sündliche Leib aufhöre, und das Alte von dem ersten Adam mit seinem Bilde untergehe; und der neue Mensch nach Gottes Ebenbild vollkommen erneuert werde. Nun aber bleibt die Sünde bis in den Tod, ob sie gleich durch die tägliche Erneuerung des Sinnes täglich abnimmt. Zum vierten, die Strafe des Todes bleibet bei allen, auch die Furcht vor dem Tode, welche gewiss eine Strafe über alle Strafen, und bei den allermeisten schwerer, als der Tod selber ist; der Furcht vor dem jüngsten Gericht und vor der Hölle, des Zagens, des Gewissens usw. zu geschweigen.

14. Unvollkommene Frömmigkeit oder Liebe des Sterbenden bringt notwendig große Furcht mit sich; ja diese ist um so größer, je geringer jene ist.

36. Ein jeder Christ, der wahre Reue und Leid hat über seine Sünden, der hat völlige Vergebung von Strafe und Schuld, die ihm auch ohne Ablassbrief gehört.

62. Der rechte wahre Schatz der Kirche ist das allerheiligste Evangelium der Herrlichkeit und Gnade Gottes.

92. Mögen daher alle Propheten hinfahren, die da sagen zu der Gemeinde Christi: Friede, Friede! und ist doch kein Friede. (Hesek. 13, 10. 16.)

94. Man soll die Christen ermahnen, dass sie Christo, ihrem Haupte, durch Kreuz, Tod und Hölle nachzufolgen sich befleißigen.

95. Und also mehr durch viel Trübsal als durch falschen Frieden ins Himmelreich einzugehen sich getrösten.


Als Dr. Martin Luther die 95 Thesen am 31. Oktober 1517 "mit Gottes Donnerhammer" an die Schlosskirche zu Wittenberg schlug, begann die Reformation. In dieser Fassung sind die Thesen Luthers Schrift "Hauspostille" in der Wittenberger Ausgabe vom Jahre 1544 entnommen, bearbeitet im Jahr 1900 von Dr. D. Schmidt, Pastor und Kirchenrat der ev.-luth. Kirche, und im Jahr 2000 von Dr. Matthias Donath.

 

Und wie ernst Luther sich selber um eine Gott gefällige Buße bemühte, geht aus seiner Schilderung seines Gewissenskampfes in seiner Klosterzelle hervor. Bischof Hermann Kunst (1907-1999) schreibt in seinem Buch: „Martin Luther. Ein Hausbuch“, erschienenen im Kreuz-Verlag 1982, auf S. 16 f.:

„Beim Studium des Römerbriefes in seiner Erfurter Klosterzelle vollzog sich Martin Luthers Durchbruch von der Verzweiflung vor dem zürnenden Gott zur getrosten Gewissheit, des gnädigen Gottes, der in Glauben die Gerechtmachung schenkt. Luther hat das im Vorwort zum ersten Band seiner Werke aus den Anfangsjahren der Reformation selbst beschrieben:

„Mit außerordentlicher Leidenschaft war ich davon besessen, Paulus im Brief an die Römer kennenzulernen. Nicht die Herzenskälte, sondern ein einziges Wort im ersten Kapitel (V. 17) war mir bisher dabei im Wege: ‚Die Gerechtigkeit Gottes wird darin (im Evangelium) offenbart.' Ich hasste nämlich dieses Wort, Gerechtigkeit Gottes', weil ich durch den Brauch und die Gewohnheit aller Lehrer unterwiesen war, es philosophisch von der formalen oder aktiven Gerechtigkeit (wie sie es nennen) zu verstehen, nach welcher Gott gerecht ist und die Sünder und Ungerechten straft.

Ich konnte den gerechten, die Sünder strafenden Gott nicht lieben, im Gegenteil, ich hasste ihn sogar. Wenn ich auch als Mönch untadelig lebte, fühlte ich mich vor Gott doch als Sünder, und mein Gewissen quälte mich sehr. Ich wagte nicht zu hoffen, dass ich Gott durch meine Genugtuung versöhnen könnte. Und wenn ich mich auch nicht in Lästerung gegen Gott empörte, so murrte ich doch heimlich gewaltig gegen ihn.. So wütete ich wild und mit verwirrtem Gewissen, jedoch klopfte ich rücksichtslos bei Paulus an dieser Stelle an; ich dürstete glühend zu wissen, was Paulus wolle.

Da erbarmte sich Gott meiner. Tag und Nacht war ich in tiefe Gedanken versunken, bis ich endlich den Zusammenhang der Worte beachtete: ‚Die Gerechtigkeit Gottes wird in ihm (im Evangelium) offenbart, wie geschrieben steht. Der Gerechte lebt aus dem Glauben.' Da fing ich an, die Gerechtigkeit Gottes als eine solche zu verstehen, durch welche der Gerechte als durch Gottes Gabe lebt, nämlich aus dem Glauben. Ich fing an zu begreifen, dass dies der Sinn sei: durch das Evangelium wird die Gerechtigkeit Gottes offenbart, nämlich die passive, durch welche uns der barmherzige Gott durch den Glauben rechtfertigt, wie geschrieben steht:

‚Der Gerechte lebt aus dem Glauben.'

Da fühlte ich mich wie ganz und gar neu geboren, und durch offene Tore trat ich in das Paradies selbst ein."

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In einem Brief vom 8. Juli 1530 schrieb Luther an Lazarus Spengler,
die Lutherrose sei „ein Merkzeichen meiner Theologie.“

Lutherrose

„Das erst sollt ein Kreuz sein, schwarz im Herzen, das seine natürliche Farbe hätte, damit ich mir selbs Erinnerung gäbe, dass der Glaube an den Gekreuzigten uns selig machet. Denn so man von Herzen glaubt, wird man gerecht. Ob’s nun wohl ein schwarz Kreuz ist, mortifizieret und soll auch wehe tun, dennoch läßt es das Herz in seiner Farbe, verderbt die Natur nicht, das ist, es tötet nicht, sondern erhält lebendig … Solch Herz aber soll mitten in einer weißen Rosen stehen, anzuzeigen, dass der Glaube Freude, Trost und Friede gibt, darum soll die Rose weiß und nicht rot sein; denn weiße Farbe ist der Geister und aller Engel Farbe. Solche Rose stehet im himmelfarben Felde, dass solche Freude im Geist und Glauben ein Anfang ist der himmlische Freude zukünftig, jetzt wohl schon drinnen begriffen und durch Hoffnung gefasset, aber noch nicht offenbar. Und in solch Feld einen goldenen Ring, dass solch Seligkeit im Himmel ewig währet und kein Ende hat und auch köstlich über alle Freude und Güter, wie das Gold das höchste, köstlichste Erz ist.“

- WA, LUTHERS BRIEFWECHSEL, 5. BAND, S. 444F (NR. 1628): [2]

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Predigt zum Fest des Erzengels Michael und aller Engel

Erzengel Michael in Longworth, Oxford. Entwurf v. Henry Dearle, ausgef. 1922 v. William Morris
Erzengel Michael in Longworth, Oxford. Entwurf v. Henry Dearle, ausgef. 1922 v. William Morris
Erzengel Michael v. William Morris in Waterford, Herts., England, 1872
Erzengel Michael v. William Morris in Waterford, Herts., England, 1872

29. September 2012

Das Fest des hl. Erzengels Michael wurde im Jahr 493 Papst Gelasius I.auf den 29. September gelegt. Im Volksmund wurde der Gedenktag Michaelis oder Michaeli genannt.

Früher nannte man in den deutschen Schulen die Herbstferien Michaelisferien.
Das Fest wurde ab dem 9. Jahrhundert auch auf die beiden anderen biblisch bezeugten Erzengel Gabriel und Raphael ausgeweitet, und wird bis heute von der römisch-katholischen, der anglikanischen und einigen protestantischen Kirchen begangen.

Im Mittelpunkt der biblischen Lesungen steht v. a. die Vision des Sehers Johannes in Offenb. 12, 7 – 12, wie der Erzengel Michael den Teufel in Gestalt eines Drachens besiegt und ihn hinab auf die Erde stößt:

„Im Himmel entbrannte ein Kampf; Michael und seine Engel erhoben sich, um mit dem Drachen zu kämpfen. Der Drache und seine Engel kämpften, aber sie konnten sich nicht halten, und sie verloren ihren Platz im Himmel. Er wurde gestürzt, der große Drache, die alte Schlange, die Teufel oder Satanas heißt und die ganze Welt verführt; der Drache wurde auf die Erde gestürzt, und mit ihm wurden seine Engel hinabgeworfen.“

Der Name des himmlischen Wesens Michael ist eindeutig jüdisch-hebräischer Herkunft. Mi kamocha elohim bedeutet „wer“ (mi) „ist wie du“ (ka(mocha)), „Gott“ (El(ohim).
Das Judentum wies früh und stetig die mögliche Mittlerrolle der „Erz-Engel“ zu Gott, z.B. als Opens external link in new windowFürbitter zurück.
Ebenso verwies es früh und stetig die Vorstellung als falsch, Engel bzw. „Erzengel“ („Himmelsfürst“, „Himmelsprinz“), seien eigenständig handelnde Wesen, wie etwa der gefallene Engel Luzifer im Christentum. Im Judentum wird Michael zusammen mit Gabriel bildhaft als Schutzengel des Volkes Israel benannt. Im Buch Daniel wendet sich der Engel Gabriel in einer Vision an den Propheten Daniel: „Vorher aber will ich dir mitteilen, was im Buch der Wahrheit aufgezeichnet ist. Doch keiner hilft mir tatkräftig gegen sie außer eurem Engelfürsten Michael.“ (Dan 10,21)

In den eschatologischen Erzählungen des Buches Daniel hat Michael eine Schlüsselfunktion für das Volk Israel. „In jener Zeit tritt Michael auf, der große Engelfürst, der für die Söhne deines Volkes eintritt. Dann kommt eine Zeit der Not, wie noch keine da war, seit es Völker gibt, bis zu jener Zeit. Doch dein Volk wird in jener Zeit gerettet, jeder, der im Buch verzeichnet ist.“ (Dan. 12, 1)

Des Weiteren schreiben die jüdische und christliche Tradition Michael auch die Verrichtung von Diensten im Auftrag Gottes zu.

Im Christentum gilt Michael insbesondere als Bezwinger des Teufels in Gestalt des Drachen (Höllensturz) sowie als Anführer der himmlischen Heerscharen (Archistrátegos dynameon Kyriou), die im Osten vor Gottes Thron stehen. Die letzten Worte, die der Satan vor seinem Sturz hörte, sollen „Wer (ist) wie Gott?“ gewesen sein – eine wörtliche Übersetzung des hebräischen Mi-ka-el. Schon früh wird Michael als Hüter des Paradiestores dargestellt.
 
 
Michael, Raphael und Gabriel führen Tobias (Opens external link in new windowBotticini 1470)

Das Judentum und das Christentum betrachten Michael als einen der vier Erzengel; die anderen sind Gabriel, Raphael und Uriel. Umstritten war unter den Kirchenvätern die Einordnung des hl. Michael in die himmlische Hierarchie: Auf Anrufung des hl. Michael durch Papst Gregor (590–604) um Befreiung der Stadt Rom von der Pest soll der Engel mit dem Schwert in der Hand über dem Hadrians-Mausoleum erschienen sein, worauf der Papst diesem den Namen „Engelsburg“ gab.

Der Erzengel Michael wurde gemeinsam mit anderen Heiligen, wie v. a. dem hl. Georg, als Patron der Soldaten und Krieger verehrt. Er gilt als Symbol der ecclesia militans, der wehrhaften Kirche: Princeps militiae coelestis quem honorificant angelorum cives („Fürst der himmlischen Heerscharen“; wegen dieses Beinamens gilt er auch als Schutzpatron der Fallschirmjäger).

Der hl. Michael soll auch in verschiedene Schlachten eingegriffen haben: Er ist seit der siegreichen Schlacht auf dem Lechfeld am 10. August 955 Schutzpatron des Heiligen Römischen Reiches und  später Deutschlands.
(Nach Andreas Tille im Internet)

Zum diesjährigen Fest des Erzengels Michael und aller Engel schrieb Professor Peter Beyerhaus die folgende Predigt:

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Predigt zum Pfingstsonntag 2012

Heilig-Geist-Taube. Aus einem Stundenbuch der Franziskaner von 1380.
Heilig-Geist-Taube. Aus einem Stundenbuch der Franziskaner von 1380.

27. Mai 2012

1. Korinther 2, 12-16

Liebe Gemeinde!

An Pfingsten scheiden sich die Geister, damals wie heute. Damals in Jerusalem, 50 Tage nach Ostern, als der Heilige Geist mit Sturmgebraus über die Apostel kam, reagierten die Menschen unterschiedlich: „Sie sind voll süßen Weins“, spotteten die einen über die Jünger. Die anderen aber waren betroffen und fragten: „Was soll das bedeuten?“ Die einen haben ihr Urteil über die Jünger gefällt: betrunken, unzurechnungsfähig, nicht ernst zu nehmen. Die anderen aber halten sich mit einem vorschnellen Urteil zurück, sind vorurteilsfrei und offen: ‚Das scheint etwas zu bedeuten‘. … Das ist einerseits der Geist der Welt und andererseits der Geist, der aus Gott kommt. Die Verwechslung dieser beiden Geister ist die Wurzel allen Übels ...

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Predigt zum Fest Christi Himmelfahrt 2012

17. Mai 2012

Apostelgeschichte 1, 9-11

Liebe Gemeinde!

So, wie es nachdem Bericht des Lukas die Engel den Jüngern verwehrten, fassungslos dem entschwindenden Jesus zum Himmel empor nachzustarren, so werden auch wir am Himmelfahrtsfest ermutigt: Christus wird ganz gewiss wiederkommen! Das, was unsern leiblichen Augen heute noch verborgen ist, wird eines Tages, nämlich bei seiner Wiederkunft in Macht und Herrlichkeit, ganz offenbar werden.

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Predigt zum Ostermontag 2012

31. März 2012

Predigt zum Ostermontag
9. April 2012
1.Kor. 15, 12 – 20

Schwestern und Brüder in Christus!

Heute feiern wir Ostern, das Fest der Auferstehung unseres Herrn!
Ostern, das ist Hoffnung auf Leben für uns und für unsere Welt, ja für den ganzen Kosmos, unzerstörbares Leben, das Jesus uns schenken will!
Sogar ein Skeptiker wie Friedrich d. Große von Preußen, an dessen 300. Geburtstag wir heuer denken, hielt an dieser Hoffnung fest. Als ein Hofbeamter ihm von einem Pfarrer erzählte:“Er glaubt nicht einmal mehr an die Auferstehung“, soll Friedrich in seiner trockenen Art geantwortet haben: „Ich schon, er kann liegen bleiben!“

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