Geistliche Ökumene

Die brüderlich  verbundenen drei Säulenapostel – v. l. n. r. – Petrus, Johannes und Paulus, als Typen der katholischen, orthodoxen und evangelischen  Konfession. –  Tonplastik von Dorothea R. Killus, von ihr überreicht an Peter P. J. Beyerhaus zum 60. Geburtstag am 1. Februar 1989.
Die brüderlich verbundenen drei Säulenapostel – v. l. n. r. – Petrus, Johannes und Paulus

„Ich bitte nicht nur für diese hier, sondern auch für alle, die durch ihr Wort an mich glauben. Alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast.“  (Johannes 17, 21)

„Bemüht euch, die Einheit des Geistes zu wahren durch den Frieden, der euch zusammenhält.“ (Epheser 4, 3)

Die im BAB zusammengeschlossenen Bruderschaften sehen es als ihre besondere Aufgabe an, sich für eine „Christozentrisch-trinitarische Bekenntnis-Ökumene“ einzusetzen. Das Motiv ihres Einigungsbestrebens ist nicht vordergründig ein zeitentsprechendes Einheitsideal oder religiös-politisches Aktionsbündnis. Vielmehr finden sie es in dem hohepriesterlichen Gebet Jesu. – Unter dieser Rubrik erscheinen zum einen Nachrichten und Texte aus diesem  Bemühen. Zum anderen finden sich hier Impulse, Elemente aus dem der ganzen Christenheit anvertrauten Erbe zu entdecken, um sie zur gemeinsamen Erbauung zu nutzen.



Bekenntnis-ökumenische Grüße an den Kongress der Internationalen Konferenz Bekennender Gemeinschaften in Zavelstein

12. Dezember 2013

Brief von Kardinal Meisner – Zustimmung und Freude zum Tübinger Pfingstaufruf der IKB/ICN

In einem Schreiben vom 8. Nov. 2013 an den Präsidenten der IKBG, Pastor Ulrich Rüß, bekundet der Erzbischof von Köln, Joachim Kardinal Meisner, seine Zustimmung und Freude zum Tübinger Pfingstaufruf der IKBG/ICN. Hier der Wortlaut:

Sehr geehrter Herr Pastor Rüß!

Herzlich danke ich Ihnen für Ihr Schreiben vom September 2013, in dem Sie auf den Tübinger Pfingstaufruf aufmerksam machen. Es wird Sie nicht wundern zu hören, dass ich den Text mit Zustimmung und Freude gelesen habe.
„Gleicht euch nicht dieser Welt an, sondern wandelt euch und erneuert euer Denken, damit ihr prüfen und erkennen könnt, was der Wille Gottes ist“ (Röm 12,2). Es ist kein Zufall, dass der Apostel Paulus dies an die Römer schreibt; die Versuchung der Verweltlichung ist so alt wie das Christentum selber. Hier wird auch die wahre „Metamorphose“ des Christus genannt, die sich nicht verkehren darf in eine rein innerweltliche Transformation, sozusagen in eine Strukturreform. Die wahre christliche „Wandlung“  ist Gottes Werk, auch wenn wir uns aktiv daran beteiligen können und sollen: „Unsere Heimat aber ist im Himmel. Von dorther erwarten wir auch Jesus Christus, den Herrn, als Retter, der unseren armseligen Leib verwandeln wird in die Gestalt seines verherrlichten Leibes, in der Kraft, mit der er sich alles unterwerfen kann.“ (Phil 3,20-21)
„Dein Reich komme!“: Das ist kein Programmpunkt einer christlichen Aufgabenliste, sondern ein an Gott den Vater gerichteter Gebetswunsch, den Christus selbst uns gelehrt hat. Selbstverständlich sind wir als Christen Salz der Erde und Sauerteig, dazu bestimmt, die Welt mit dem Evangelium zu durchdringen. Das schließt die Bemühung um Werte wie Frieden und Gerechtigkeit ein. Aber es wäre fatal zu vergessen, dass dies alles nur Zeichen und „Angeld“ des Gottesreiches ist. Das neue Jerusalem wird nicht auf Erden gebaut, sondern senkt sich vom Himmel herab! Arbeiten wir nur gemeinsam daraufhin, dass die durch die Sünde entstellte Welt sich wieder Gott zuwendet, sich für ihn öffnet und disponiert. Das ist ein Missionsziel, das wir als evangelikale und katholische Christen in guter brüderlicher Gemeinschaft angehen können.

Mit freundlichen Grüßen und meinen bischöflichen Segenswünschen

Ihr
Joachim Kardinal Meisner


Segensgrüße von OstR Erik und Ann-Mari Wiberg aus Värnamo, Schweden

Sehr geehrte Pastor Rüß, liebe Schwestern und Brüder

der weltweiten Kirche Jesu Christi, die sich auf Einladung der IKBG  zum V. Ökumenischen Bekenntnis-Kongress in Bad Teinach  versammelt haben!

Morgen, am Vorabend von Allerheiligen, werden viele Schweden Lichter auf den Gräbern ihrer Verwandten anzünden und ihnen Gedächtniskränze weihen. Sie erinnern sich an ihre Toten und deren Leben. Vielleicht denken sie dabei weniger an das Weiterleben der Hingeschiedenen und deren Glauben an das ewige Leben.
Aber diese flackernden Lichter auf den Gräbern in der Finsternis des Herbstes: Ermahnen sie uns nicht dazu, ebenso buchstäblich an das Licht über der Grabeskammer Jesu zu denken? In dem bekanntesten schwedischen Osterchoral (Schwed. Gesangbuch Nr. 146), singen wir:
Welches Licht über der Gruft! Er lebt, welche Freude! /Erfüllt ist die Schrift, o Höhe der Seligkeit! / Vom Himmel her gegrüßt geht Er im Glanz hervor, und die Welt ist erlöst und Sein ist der Sieg. /Weggewälzt ist der Stein, und das Siegel zerbrochen, / und die Wächter flohen vor dem Gluthauch seines Odems, und der Abgrund erbebt. Halleluja!“ (F. M. Franzén 1812)
Paulus erinnert uns in 1 Kor 15,13: „Gibt es keine Auferstehung der Toten, so ist auch Christus nicht auferstanden“ . Diese Aussage zeigt auf eine ‚inkarnatorische Logik‘ mit der Verheißung ewiger Seligkeit auch für uns.
Einige Zeilen darauf kommt der Apostel mit der positiven Antwort in dieser zitierten Aussage wieder zurück (V. 20): „Nun aber ist Christus auferstanden von den Toten als Erstling unter denen, die entschlafen sind“.
Wir alle sind das Volk des Glaubens, wir haben das leere Grab mit Jubel verlassen und wandern hier unter dem Schutz des auferstandenen Christus in unserer Mitte, und unser Auftrag ist es, wieder und wieder zu proklamieren, dass unser Herr und Heiland lebt und will, dass alle das ewige Leben erlangen mögen.

In der Hoffnung auf eine gesegnete Tagung grüßen aus Schweden

Erik  und Ann-Mari Wiberg


Grußwort der Theologieprofessorin Dr. Jung Joo Kim

Liebe Brüder und Schwestern!

Ganz herzlich möchte ich Sie zu Ihrem Ökumenischen Bekenntnis-Kongress grüßen. Ich tue es im Namen meiner Mitchristen in Südkorea. Leider kann ich es nur indirekt auch im Namen unserer Brüder und Schwestern in Nordkorea tun; denn dieser Teil unseres Volkes ist von der Außenwelt hermetisch abgeriegelt, und so können sie keine Verbindung zu ihren Glaubensgeschwistern jenseits ihrer geografischen und politischen Grenzen aufnehmen.
Das ist tragisch, wenn man an die eindrucksvolle  geistliche Geschichte gerade auch Nordkoreas denkt. Pyung Yang (Pjöngyang) ist die Hauptstadt Nordkoreas, von woher uns kaum Grüße von Christen erreichen. Kenner der Kirchengeschichte Koreas werden sich daran erinnern, dass diese Stadt einst  das „Jerusalem des Ostens“  genannt wurde. Der Grund dafür war die Große  Erweckung, die dort Anfang des 19. Jahrhunderts ausbrach und sich seit 1907 über ganz Korea und die Mandschurei ausgebreitet hat. Der Heilige Geist kam mächtig auf die junge koreanische Kirche herab, die gerade erst im Jahre 1885 durch Pastor Horace Grant Underwood, einen Missionar der Presbyterianischen Kirche der USA, gepflanzt worden war.  Bald darauf gerieten die Christen unter schwere Verfolgungen durch die japanische Kolonialregierung (1910-1945) und danach durch die kommunistischen Regierungen während des Korea-Krieges (1950-1953) sowie unter der Marionettenregierung in Nordkorea seit 1948.

Wie Tertullian es so klassisch formuliert hat: „Das Blut der Märtyrer ist der Same der Kirche“, so wurde auch die koreanische Kirche durch das Blut ihrer Märtyrer getauft und wuchs daraufhin rapid, indem sie 25.000 Missionare in fast alle Länder der Erde sandte.

Die Kraft der Auferstehung Jesu Christi, unseres Herrn und Erlösers, von der Ihr auf Eurem Bekenntniskongress sprecht, wird auch von der koreanischen Kirche bezeugt. Wir koreanischen Christen appellieren ernstlich an unsere Mitchristen in aller Welt, Fürbitte für unsere Brüder und Schwestern in Nordkorea zu tun,  die durch äußerst harte und beispiellose unmenschliche Verfolgungen gehen.

Möge unser Herr die Kraft Seiner Auferstehung erweisen und die Wiedervereinigung von Süd- und Nordkorea herbeiführen. Möge die gerechte und gnadenvolle Herrschaft Jesu Christi, unseres Herrn, offenbar werden. Wie es im Buch des Propheten Micha (Kap. 6 Vers 8) geschrieben steht: Mögen alle  Christen heute nach Gerechtigkeit trachten, die treue Liebe des HERRN praktizieren und demütig vor unserm HERRN wandeln. Mögen  wir alle die erlösende Gnade Jesu Christi bezeugen, die sich in Seinem Tod am Kreuz und Seiner Auferstehung von den Toten offenbart hat. Durch sie kann
bald auch die Vereinigung Koreas ermöglicht werden.

In Christus verbunden!

Ihre

Jung Joo Kim, Korea.


Grußschreiben von Cardinal Koch aus Rom

Kurt Cardinal Koch
Päpstlicher Rat zur Förderung der Einheit der Christen   

                                                              Rom, 8. Juli 2013


Liebe Schwestern und Brüder im auferstandenen Herrn

„Ist Christus nicht auferweckt worden, dann ist unsere Verkündigung leer und euer Glaube sinnlos“ (1 Kor 15, 14). Mit diesen kernigen Worten hat der Heilige Paulus den Korinthern, die den Glauben an ihre eigene Auferweckung offensichtlich nicht annehmen wollten, in Erinnerung gerufen, dass mit dem Glauben an die Auferstehung Jesu Christi das Christsein steht oder fällt und dass dieses Bekenntnis gleichsam die Feuerprobe ist, die der christliche Glaube zu bestehen hat – auch und gerade heute, in der der Appell des Paulus keineswegs weniger aktuell ist. Dass Sie sich an Ihrem V. Ökumenischen Bekenntniskongress diesem „Fundament des christlichen Glaubens“ in Gebet und Reflexion widmen, ist für mich ein hoffnungsvolles und ermutigendes Zeichen. In darf Sie ganz herzlich grüssen und Ihnen meine besten Segenswünsche entbieten.

Der Glaube an die Auferstehung Jesu Christi ist auch das Fundament der christlichen Ökumene. Denn wir alle, die wir auf Tod und Auferstehung Jesu Christi getauft sind, sind gerufen und in die Pflicht genommen, diesen Glauben gemeinsam zu bezeugen. Diese Botschaft dürfen wir der heutigen Welt nicht vorenthalten, in der für viele Menschen der Himmel verschlossen ist und sie deshalb gezwungen sind, in einer angestrengten Diesseitigkeit zu leben. Ihnen dürfen wir die frohe Botschaft bringen, die der Heilige Stephanus, der erste Märtyrer der christlichen Kirche, mit den tiefen Worten ausgesprochen hat: „Ich sehe den Himmel offen und den Menschensohn zur Rechten Gottes stehen“ (Apg 7, 56).

Unter einem offenen Himmel leben zu dürfen, weil Christus ihn aufgrund seiner Auferstehung geöffnet hat und ihn für uns offen hält: Dies ist die Wahrheit und Schönheit des christlichen Glaubens, den wir in einer glaubwürdigen Bekenntnisökumene verkünden dürfen. Das Wort „Bekenntnisökumene“ ist allerdings eigentlich eine Tautologie. Denn Ökumene, die nicht aus dem gemeinsamen Bekenntnis des Glaubens lebt, verdient diesen Namen nicht. Mit Ihrer „Internationalen Konferenz Bekennender Gemeinschaften“ rufen Sie auch diese heute notwendig gewordene Einsicht in Erinnerung.

Für dieses Glaubenszeugnis bin ich Ihnen sehr dankbar. Ich wünsche Ihnen von Herzen tiefe Freude bei der Beschäftigung mit dem Fundament unseres Glaubens und ein bereicherndes Zusammenwachsen im gemeinsamen Bekenntnis dieses Glaubens. Ich begrüsse Sie herzlich in der Verbundenheit des Gebetes

Ihr

Kurt Cardinal Koch


GOSPEL DEFENCE LEAGUE

Lieber Herr Prof Beyerhaus,
Lieber Herr Rüß,

Zu Ihrem V. Ökumenischen Bekenntniskongress in Bad Teinach-Zavelstein senden wir herzliche Grüsse und beten um Gottes reichen Segen.  Möge das schöne Thema “Die Auferstehung Jesu Christi” Ihnen neue Freude und Kraft geben.  Ungebunden von Grab und Tod herrscht ja unser Heiland in Ewigkeit, und “die Erde wird voll werden  von Erkenntnis der Ehre des Herrn, wie Wasser das Meer bedeckt.” (Hab. 2,14)

Heute haben wir unter Leitung von Dr Peter Hammond (Frontline Fellowship) unsere erste “FIRE”* Konferenz in Franschhoek gehabt.  Im Rahmen der Luther-Gedenkjahre soll sie zu einer neuen Reformation anregen.  Vertreter der christlich-politischen Parteien und der Christen für die Wahrheit waren auch dabei, und alle beteiligten sich rege.

Zum Reformationsfest ist Ihr ICN-Pfingstaufruf “Weltevangelisierung oder Welt-veränderung” zusammengefasst tausendfach auf Englisch und Afrikaans an die Kirchen verschickt durch die Gospel Defence League, die Frontline Fellowship und die Protestantische Gesellschaft.  Diese dringende Warnung wird dankbar aufgenommen und hat sehr viel positive Resonanz gebracht.  Wir danken herzlich für diese grosse Hilfe.
Morgen halten wir DV in Franschhoek am Hugenottendenkmal unseren Reformations-gottesdienst mit vorheriger Führung durch das Hugenottenmuseum.  Auch die Geschäfts-leute dieser Stadt feiern jedes Jahr ihr herrliches Erbe, indem sie Dr Hammond zu einem Vortrag einladen.  Und so können wir dankbar sehen, dass die Reformation heute noch die Christen begeistert, sie zu neuem Eifer anregt und im Wissen um die Auferstehung Christi Hoffnung für die Zukunft gibt.

Mit herzlichen Grüssen und Gott befohlen,

Dr Peter Hammond (Frontline Fellowship)
Dorothea Scarborough (Gospel Defence League).

* Fellowship for International Revival and Evangelism.

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idea-Kommetar von Peter Beyerhaus zu Busan 2013

Eine der Veranstaltungen in Busan
Eine der Veranstaltungen in Busan

21. November 2013

Vom 1. bis 8. November 2013 fand in Busan, der zweigrößten Stadt Südkoreas, die X. Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen statt.
Das Thema war:
Gott des Lebens – führe uns zu Gerechtigkeit und Frieden“.

Professor Peter Beyerhaus nahm als Presseberichterstatter an dieser ökumenischen Konferenz teil und schrieb aufgrund seiner dortigen Beobachtungen sowie seiner Analyse der von der Vollversammlung verabschiedeten neuen Missionserklärung für den evangelischen Nachrichtendienst idea den folgenden Kommentar:

An Busan scheiden sich in Korea die Geister

Im Sommer 2010 beschloss der Nationale Rat Christlicher Kirchen in Korea, den Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) einzuladen, seine 10. Vollversammlung in der koreanischen Hafenstadt Busan abzuhalten. Es sollte das erste Mal sein, dass eine ÖRK- Versammlung im Fernen Osten tagte. Für diese Wahl gab es verschiedene Gründe; einige lagen im Interesse des NCC Koreas, andere in Erwägungen der Leitung des ÖRK. Wahrscheinlich hoffte man hier, dass die Aufnahme der Vollversammlung in einem Land, das für die geistliche Vitalität seiner christlichen Gemeinschaft berühmt ist, einen belebenden Einfluss auf die weitere Entwicklung des ÖRK ausüben werde.

Der Weltrat der Kirchen befindet sich nämlich gegenwärtig in einem recht maroden Zustand. Sein früherer Schwung zurzeit der berühmten Vollversammlungen von Neu Delhi 1961 und Uppsala 1968  geriet nach der Siebten VV in Canberra 1991 jäh ins Stocken. Ein ganzer Block einflussreicher Mitgliedskirchen, die Orthodoxen, war entrüstet über einige spektakuläre Ereignisse im Programm von Canberra, besonders über das schamanische Ritual, das die koreanische feministische Theologin Dr. Chung Hyun Kyung mit einer Gruppe von Tänzern inszenierte, wobei sie die han-Geister der Toten im Namen des Themas der VV
Komm heiliger Geist, erneuere das Antlitz der Erde!“ beschwor. Für die Orthodoxen erschien dies als Beweis dafür, dass der ÖRK ganz offen auf einen synkretistischen Kurs eingeschwenkt sei, und sie drohten mit dem Austritt.

Auf protestantischer Seite waren es die evangelikalen Kirchen und Missionsgesellschaften in der ganzen Welt, die schon früh ihre Beunruhigung über die brüchige biblische Basis vieler Verlautbarungen und Aktivitäten des ÖRK zum Ausdruck brachten. Besonders klagten sie darüber, dass in den Programmen des ÖRK Bekehrung und Gemeindebau in bisher unerreichten Gebieten der Erde in der offiziellen Tagesordnung der Vollversammlungen einen ganz untergeordneten oder gar keinen Platz einnahmen. An die Stelle der Evangelisierung der Kontinente der Zweidrittelwelt trat in Uppsala 1968 die „Humanisierung“ der sozial-politischen Strukturen der ausgebeuteten und unterdrückten Menschen in Afrika und Asien.

Nun bestritten die Verantwortungsträger des ÖRK freilich, dass sie die missionarische Berufung der Kirche preisgegeben hätten. Sie hatten nämlich ein neues Konzept von Mission und Evangelisation entwickelt, das sie unter dem Begriff „Missio Dei“ (Gottes Mission) propagierten.  Das bedeutete, dass hier „Mission“ nicht so sehr ein der Kirche gegebener Auftrag war, sondern ein Werk des Dreifaltigen Gottes, der in der Weltgeschichte von Natur und Politik gegenwärtig handele und die Menschheit  - sei es auf organischen, sei es auf revolutionären Wegen - dem Ziele seines Schöpfungs- und Heilsplanes entgegenführe, dem „Reich Gottes“.


Der Autor spricht beim V. Ökumen. Bekenntnis-Kongress im Schwarzwald Anfang
November von seinem kurz bevorstehenden – 15.! – Korea-Einsatz.


Inwiefern lag nun dieses Genfer Verständnis von Mission und Evangelisation auch  dem Konzept zugrunde, das die Grundlage für die Beratungen und Entscheidungen der 10. VV in Busan bildete? Dieses hatte der ÖRK schon in dem umfangreichen Vorbereitungsdokument niedergelegt, das der Moderator der ÖRK-Kommission für Mission und Evangelisation, der indische  Bischof Geevagese Mor Coorilos, dem Zentralausschuss des ÖRK im September 2012 auf seiner Sitzung auf Kreta vorlegte und dort angenommen wurde. Es trug die Überschrift: “Gott des Lebens, weise uns den Weg zu Gerechtigkeit und Frieden“.

Im ersten Augenschein beeindruckten sowohl das Thema als solches als auch seine 30-seitige Ausführung durch die geistliche Sprache. Es nimmt einige wichtige biblische Begriffe wie „Geist“, Leben“, Schöpfung“ und „Reich Gottes“ auf und entfaltet diese im Blick auf die heutige Situation von Kirche und Welt. Auch enthält das Dokument Hinweise auf das von Jesus Christus am Kreuz und Ostermorgen vollbrachte Heilswerk, und es betont erstmalig die Wichtigkeit von Mission und Evangelisation als den Christen gestellte Aufgabe. Der Grund für diesen neuen Zungenschlag ist der, dass an dem Missionsdokument für Busan im Vorfeld auch einige evangelikale Theologen aus den Kirchen Asiens und Afrikas mitgearbeitet haben. Dadurch bekam es in einigen Abschnitten einen geradezu evangelikal wirkenden Charakter. Das machte nicht nur auf die aus diesen Ländern kommenden Delegierten in Busan einen gewinnenden Eindruck, und zwar nicht nur auf sie, sondern auch auf westliche Teilnehmer. So erklärte der Vorsitzende des deutschen „Arbeitskreises für Mission“ Professor Dr. multi Thomas Schirrmacher gegenüber der Presse, dass auch die Weltweite Evangelikale Allianz (WEA) sich dieses Missionsdokument voll zueigen machen könne.               

Wer allerdings Erfahrungen mit früheren ähnlichen ökumenischen Dokumenten gemacht hat, in denen sich die Genfer Verfasser um eine Akzeptabilität auch seitens theologisch konservativer, insbesondere evangelikaler Leser bemühte, wird diesen Text kritischer lesen und beurteilen. Es erweist sich nämlich, dass der biblische Stil und Gehalt kein durchgängig homogener ist. Einerseits stehen besonders „evangelikal“ wirkende Aussagen in einem Zusammenhang, der als ganzer eher säkular-ökumenisch, d. h. politisierend geprägt ist. Von hieraus erfahren dann auch die „evangelikalen“ Sätze eine andere Ausrichtung.  Noch wichtiger aber ist es,  die in dem Dokument gebrauchten scheinbar biblischen Kernbegriffe einer genauen Analyse zu unterziehen. Dann zeigt es sich nämlich dass der eigentliche Inhalt dieser Wörter ein anderer ist, als ihn eine biblisch-theologisches  Wörterbuch erschließt. Sie bedeuten nicht das, was die alt- und neutestamentlichen Verfasser mit ihnen zum Ausdruck bringen wollten, sondern eher dass, was moderne Leser aufgrund ihrer „kontextuellen Exegese“ ihrem eigenen ideologischen Denken entsprechend in sie hineininterpretieren.

Dies ist nun gerade auch im Blick auf die im Motto von Busan gebrauchten Begriffe „Leben, „Gerechtigkeit“, „Frieden“ wie auch „Reich Gottes“ durchgehend der Fall.  Diese Feststellung hatte ich bereits unmittelbar nach Veröffentlichung des Missionsdokumentes im September 2012 gemacht. Ich war von der Koreanischen Evangelikalen Vereinigung (Korean Evangelical Fellowship“  eingeladen worden, ein Referat zur Vorbereitung auf die Tagung in Busan zu halten. Weil ich aus familiären Gründen meinen schon bezahlten Flug kurzfristig absagen musste, sandte ich dem Vorsitzenden mein Manuskript. Es wurde bei der Zusammenkunft verlesen und danach auszugsweise auch in den Medien veröffentlicht. Die von mir aufgewiesenen Hintergründe und tieferen Implikationen des Missionsdokumentes wirkten geradezu sensationell, und vielen öffneten sie die Augen für das in Busan  Bevorstehende.

Betroffen machten auch  meine Hinweise auf einige weitere Fragwürdigkeiten des Missionsdokumentes wie des Vorbereitungsmaterials überhaupt. Dazu gehörte das Fehlen einer Auseinandersetzung mit den nichtchristlichen Religionen und Ideologien sowie dem Synkretismus und besonders das Schweigen zu den grausamen Verfolgungen, denen die christlichen Landsleute im  kommunistischen Nordkorea schon seit der Teilung des Landes im Jahre 1951 ausgesetzt sind. Wie existentiell nahe hätte es doch gelegen, bei der Behandlung der Stichworte „Gerechtigkeit“ und „Friede“ an jene zu denken, denen beides in brutaler Weise vorenthalten wird!

Gewiss wurde auf der Konferenz in Busan angesichts des Schmerzes  der Teilung von Volk und Land für eine friedliche Wiedervereinigung von Süd- und Nordkorea gebetet; doch die nordkoreanische Verfolgungssituation kam nicht zu Worte. Vielleicht scheute man sich, die  dortige Regierung zu reizen, hoffte die Konferenzleitung doch darauf, dass die Regierung von Kim Jong Un die Teilnahme der staatlich anerkannten Kirche in Nordkorea an der Busan-Konferenz gestatten würde, was dann allerdings doch nicht geschah. Ich fühlte mich erinnert an jene Zeit, als die Christen in der Sowjetunion verfolgt und viele nach Sibirien deportiert wurden, der Genfer Weltkirchenrat  dazu jedoch schwieg. Das erlebte ich besonders auch auf der V. Vollversammlung in Nairobi 1975. Zwei widerständische  Christen aus der Sowjetunion, Leif Regelson und Gleb Jakunin, appellierten  in einem Brief an die Teilnehmer, zu diesem Unrecht Stellung zu nehmen; doch die Genfer Veranstalter setzten diesen Hilferuf nicht auf die Tagesordnung, sondern ignorierten ihn, um die hochrangigen Repräsentanten der Russisch-Orthodoxen Kirche nicht zu reizen. Aufs Ganze gesehen war diese 10. Vollversammlung für ihre Teilnehmer – auch für mich – eine eindrucksvolle Erfahrung. Sowohl vonseiten der Genfer Konferenzleitung als noch mehr vonseiten der koreanischen Gastgeber wurde alles getan, für einen reibungslosen Ablauf des vielgestaltigen Programms Sorge zu tragen. Die Atmosphäre war harmonisch und konfliktfrei.

Inneren Gewinn brachten uns die täglichen Bibelarbeiten, zu denen man sich in geographisch und konfessionell bunt zusammengesetzten Kleingruppen versammelte. Hier kam es zu einem lebhaften Austausch und wurden neue Freundschaften geschlossen.

Am späteren Vormittag wurden in Plenarvorträgen die im Gesammthema genannten Wörter „Leben“ Gerechtigkeit“, Frieden“ „Einheit“ entfaltet, allerdings eben in jenem eher sozialen und politischen Sinn, wie dies auch schon in dem Vorbereitungsdokument geschehen war. Auch hier wurde nicht einmal der Versuch unternommen, auf den geistlichen Gehalt  dieser biblischen Begriffe einzugehen.


Blick in den Kirchenraum der größten Presbyterian. Kirche Koreas in Seoul
am 1.11.2013, wo Prof. Beyerhaus vor 11 000 Gemeindegliedern predigte.

Die soeben angesprochene Harmonie bei der Busan-Konferenz erfuhren die Teilnehmer allerdings nur im Innenraum des BEXCO (Busan Expositition Center). Ganz anders empfanden es dagegen jene Gruppen konservativer Evangelikaler, die mit der Einladung der Vollversammlung nach Korea überhaupt nicht einverstanden gewesen waren und denen sie weiterhin ein Dorn im Auge blieb. Sie konnten und wollten den Anstoß,  den sie seit langem an der Theologie des Weltkirchenrates genommen hatten, nicht vergessen. Vielmehr  empfanden sie es als eine Schmach, dass eine Weltorganisation, die sich in ihren Augen durch theologischen Liberalismus, Synkretismus und politische Einseitigkeit  auszeichnete, von den koreanischen Kirchen –  gerade auch den evangelikalen! – in ihr Land eingeladen worden war und sogar mit Millionen von Won (koreanische Währung) subventioniert wurde. So hatte z. B. die pfingstliche Full Gospel Church des weltweit bekannten Evangelisten Jonggi Cho wie auch die Myung Sung Presbyterian Church für die Vollversammlung je ca. zwei Millionen Dollar gespendet.

Abend für Abend demonstrierten die beunruhigten Christen in Sprechchören vor dem Kongress-Gebäude; und als sie von dem Vorplatz verwiesen wurden, taten sie es unmittelbar an den Zufahrten und verteilten aufklärende Schriften.  – Nicht alle ökumene-kritischen evangelikalen Christen und Kirchenleiter beteiligten sich an solchen Demonstrationen, viele blieben einfach fern; aber auch ihnen bereitete es inneren Schmerz, dass ihre evangelikalen Glaubensgenossen ihrer bisherigen Haltung untreu geworden waren.  Insofern hat in einem Lande, indem gerade die Kirchen sehr zerspalten sind, die 10. Ökumenische Vollversammlung diesen keinen Impuls zur Einigung gebracht; im Gegenteil: Busan hat eine bestehende Spaltung durch sein „für und wider“ die Genfer Ökumene vertieft.


Prof. Beyerhaus am 10.11. mit dem leitenden Pfarrer der Kirche – rechts von ihm – ,
der auch dem Einladungskomitee der Busan-Versammlung vorstand, und – links von ihm –
der Vorsitzende der Korean Evangelical Fellowship, bei der er ein Grundsatzreferat hielt.
Mit auf dem Bild: Prof. Beyerhaus' ältester, ihn begleitender Sohn.

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Patriarch Kyrill gratuliert Papst Franziskus

29. März 2013

MOSKAU, 14. März (RIA Novosti).Patriarch Kirill von Moskau und ganz Russland hat Papst Franziskus zur Wahl als Oberhaupt der Römisch-Katholischen Kirche gratuliert."Ich hoffe, dass sich die Kooperation zwischen (beiden) Kirchen vorangetrieben wird", heißt es in dem vom Auswärtigen Amt des Moskauer Patriarchats am Donnerstag veröffentlichten Grußschreiben des Patriarchen."Unter Ihrem Vorgänger - Papst Benedikt XVI. - bekamen die Beziehungen zwischen der Russisch-orthodoxen und der Römisch-Katholischen Kirche einen neuen Impuls und waren durch positive Dynamik gekennzeichnet. Ich hoffe aufrichtig darauf, dass sich die Zusammenarbeit unserer beiden Kirchen mit der Unterstützung Ihrer Heiligkeit im Geiste der brüderlichen Liebe und der gegenseitigen Verständigung entwickeln wird", schrieb Kirill.Der russische Patriarch äußerte ferner die Überzeugung, dass die Orthodoxen und Katholiken ihre Anstrengungen vereinigen müssen, um die Christen zu schützen, die in verschiedenen Ländern heute verfolgt werden, aber auch um traditionelle moralische Werte in der gegenwärtigen säkularisierten Welt durchzusetzen.P.S. von Dorothea:Ich las auch, daß der neue Papst und ein Vertreter der Orthodoxen - wer?- gemeinsam nach Jerusalem reisen wollen.

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Jürgen Diestelmann: Einladung zu Wort und Sakrament

29. März 2013

Fünf Kapitel über die lutherische Messe.
Verlag Pro Business Berlin 2012. ISBN 978 - 3 - 863386 - 4.

Seit  Jahrzehnen befasst  sich Diestelmann  wissenschaftlich mit der Geschichte der lutherischen Abendmahlstheologie und - frömmigkeit. Für Fachtheologen stellte er das vor allem in seinen Büchern „Actio Sacramentalis“ (1996) und „Usus und Actio“ (2007) dar. Dort finden sich auch die wissenschaftlichen Belege und Fakten, die das vorliegende Buch beschreibt. Die „Einladung zu Wort und Sakrament“ bringt der Verfasser in fünf Kapiteln dem Leser nahe:

1. „Für die regelmäßige Feier der lutherischen Messe“ (6 - 30): Es ist eine weit verbreitete Fehlmeinung, Luther habe die Messe abgeschafft. Lutherische Kirchenordnungen bezeugen, dass bei den Lutheranern überall die Messe, mit Predigt und Abendmahl gefeiert wurde. Die lutherische Reformation hat keine neuen Gottesdienstformen entworfen, sondern die überkommene Messe nur überarbeitet und ist in der katholischen Tradition geblieben. Der Wurzelboden Bachscher Kirchenmusik war die lutherische Messe (25).

2. „Für ein vertieftes Sakraments- und Kirchenverständnis“ (32 - 50). Wo das Bekenntnis zur Realpräsenz geleugnet wird, ist eine gemeinsame Kommunion nicht möglich (42). Daher wird man sich deutlich von der „Leuenberger Konkordie“ absetzen müssen (45). „Am Altar wird deutlich, was es heißt, dass wir uns zur ‚Einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche’ bekennen“ (48).

3. „Für das apostolische Schriftverständnis und vollmächtige Predigt“ (52 - 65):  Der Verfasser setzt sich kritisch mit der sogenannten „historisch -kritischen“ Bibelauslegung auseinander, welche in der ev. Kirche zur Standardmethode der Bibelauslegung geworden ist.

4. „Für die ehrfürchtige Feier der Messe und häufige Kommunion“(66-84):  Im Großen Katechismus (1529) fordert Luther, das Hl. Abendmahl oft zu empfangen. „Er hatte es an sich selbst erfahren, dass man regelmäßig aus der Kraft des Sakramentes leben muss“ (68). Auch solle man „das hochwürdige Sakrament des Altares mit allen Ehren anbeten“ (69).
Durch den Einfluss des Rationalismus wurde die „lutherische Messe immer weiter zurückgedrängt, weil das große Wunder der Gegenwart Christi der menschlichen Vernunft nicht fassbar ist. An die Stelle der  Messe trat darum der protestantische Predigtgottesdienst“ (80).

5. „Für ein lutherisches Fronleichnamsfest“ (85 - 97):  „Auch für uns heutige Lutheraner ist es möglich, das ‚Hochfest des Leibes und Blutes Christi’ mit einer feierlichen lutherischen Messe zu begehen und damit zu betonen, welchen Stellenwert das Altarsakrament bei uns hat - ganz im Sinne Luthers.“ (95).
Diestelmann kommt zu dem Fazit: „Luther hat die Messe nicht abgeschafft. Sein Ideal war nicht der ‚schlichte Predigtgottesdienst’, sondern die mit viel Musik und Zeremonien ausgestattete Messe, in der das Evangelium gepredigt wurde. Die geringe Wertschätzung des Heiligen Abendmahles im heutigen Protestantismus im Vergleich zur röm.-kath. Kommunionfreudigkeit würde Luther aufs heftigste missbilligen. Luthers Abendmahlsglaube steht der röm.-kath. Eucharistielehre erstaunlich nahe. Eine Rückbesinnung darauf kann sich für das ökumenische Miteinander sehr belebend auswirken“.

Angesichts einer weit verbreiteten ökumenischen Stagnation ist das Buch ein guter Baustein auf dem Weg zur Kirchengemeinschaft in Wort und Sakrament.

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ORDINARIAT FÜR LUTHERANER

Pastor Ulrich Rüß
Pastor Ulrich Rüß

11. Februar 2013

Die vom Präfekten der Glaubenskongregation, Erzbischof Gerhard Ludwig Müller erwogene Möglichkeit eines Ordinariats für Lutheraner gibt der Ökumene eine neue, bisher nicht vorstellbare Dimension und einen neuen Impuls für das ökumenische Gespräch. Die entscheidende Frage ist: kann ein Lutheraner in einem lutherischen Ordinariat innerhalb der röm.-kath. Kirche leben, ohne seine „lutherische Identität“ zu leugnen, und was bedeutet es, dass die kath. Kirche den Lutheranern erlauben könnte, „die legitimen Traditionen, die sie entwickelt haben, beizubehalten“? Hier besteht Klärungsbedarf.

Es gibt im weltweiten Luthertum eine nicht näher zu beziffernde Zahl von Einzelnen und Gruppen von Lutheranern, die die volle Wiederherstellung der vollen Gemeinschaft mit der kath. Kirche suchen, ohne konvertieren zu müssen. Zurecht wird darauf hingewiesen, dass Luther keine Kirchenspaltung, sondern eine Reform der Kirche wollte, dass die durch das 2. Vatikanische Konzil veränderte kath. Kirche von heute nicht gleichzusetzen ist mit der desolaten Kirche, wie sie zur Zeit Luthers herrschte. Mancher sieht das Zentrum des christlichen Glaubens und der lutherischen Reformation in der „real existierenden luth. Kirche“ schlechter aufgestellt als in der kath. Kirche.

Ein großer Teil der luth. Kirchen würde allerdings in dem Ordinariat für Lutheraner ein Modell der sog. „Rückkehrökumene“ (zurück nach Rom) sehen und diese Form der Ökumene ablehnen.

Der offizielle ökumenische Dialog der luth. Kirche mit Rom stagniert. Evangelischerseits bedeutet Ökumene heute, lediglich gegenseitige Anerkennung dessen, was ist, ohne die Fragen nach der Wahrheit in Glauben und Lehre zu stellen und zu bearbeiten und das Ziel einer Gesamtkirche im Auge zu behalten. Somit tritt die Ökumene auf der Stelle. Erschwerend kommt hinzu, dass die evangelische Kirche ihre reformatorische Identität im Sog von Säkularisierung und Zeitgeist gefährdet und durch ihren Pluralismus ein unberechenbarer ökumenischer Gesprächspartner ist.

Ein intensiver ökumenischer Dialog, der die Frage nach der Wahrheit einschließt, ist dringend geboten. Dieser Prozess bedeutet hartes theologisches Arbeiten unter Anrufung des Heiligen Geistes. Er verändert und bewegt, geht über das gegenseitige Sichbestätigen  und Anerkennen hinaus. Die gegenwärtige nette „Begrüßungsökumene“ muss sich zur theologischen „Arbeitsökumene“ entwickeln, die neu um die Wahrheit ringt. Schließlich wollte Jesus die eine Kirche. In der Christuszentrierung hat die wahre Ökumene ihre große Chance. Daher gilt es, eine christuszentrierte-trinitarische Bekenntnisökumene anzustreben und zu leben, wo die elementaren gemeinsamen Bekenntnisgrundlagen in ihrer heutigen Gefährdung vertieft werden. Die gemeinsame Zentrierung auf die Mitte des Glaubens ermutigt auf dem Weg zur Einheit. Die Lutheraner sind für die Ökumene ein großer Gewinn, wenn sie wirklich Lutheraner im Sinne Luthers sind.

Pastor Ulrich Rüß , Präsident der Internationalen Konferenz Bekennender Gemeinschaften (IKBG/ICN)

1. Vorsitzender der Kirchlichen Sammlung um Bibel und Bekenntnis in der Ev.-Luth. Kirche in Norddeutschland

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Papst betont „tiefe Einheit“ mit Orthodoxen

11. Februar 2013

(Epd 3.12.2003) Papst Benedikt XVI. hat die weitgehenden Übereinstimmungen zwischen Katholiken und Orthodoxen betont. In einer Grußbotschaft an den Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel, Bartholomäus I., betonte er am 3. Dezember die „tiefe und reale, wenn auch unvollständige Einheit“ zwischen beiden Konfessionen. Anlässlich des Festtags des Heiligen Andreas nahm eine Vatikandelegation unter Leitung des Präsidenten des päpstlichen Einheitsrats, Kardinal Kurt Koch, an der feierlichen Liturgie im Phanar in Istanbul teil. In seiner bei dieser Gelegenheit vom „Ökumene-Minister“ des Papste, Kurt Kardinal Koch, vorgetragenen Grußbotschaft würdigt Benedikt die „tiefe und authentische Freundschaft“, die ihn mit dem Ehrenoberhaupt der Orthodoxen verbinde. Dank der Unterstützung von Bartholomäus habe der Dialog zwischen Katholiken und Orthodoxen große Fortschritte gemacht. „Auch wenn der Weg vor uns noch lang und beschwerlich erscheint, bleibt unser Wille unverändert, ihn weiterzugehen“, erklärte das katholische Kirchenoberhaupt. Ausdrücklich dankte Benedikt Bartholomäus überdies für die Teilnahme an der jüngsten Synode über Neuevangelisierung und die Feiern zum 50. Jahrestag der Eröffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils, das den Grundstein für die Ökumene legte. An den jeweiligen Patronatsfesten am 29. Juni in Rom und am 30. November in Istanbul tauschen das ökumenische Patriarchat und der Vatikan traditionell Delegationen aus.

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16. Januar 2013: Heute vor 160 Jahren: Geburt von Wladimir Solowjow

Wladimir Solowjew, gemalt von Iwan Kramskoj (1895)
Wladimir Solowjew, gemalt von Iwan Kramskoj (1895)

Wladimir Sergejewitsch Solowjow (auch Solowjew, Solov'ev, Solovjew , geschrieben) war ein russischer Religionsphilosoph und Dichter. Er wurde – nach julianischem Kalender – am 16. Januar 1853 in Moskau geboren und starb am 31. Juli in Uskoje bei Moskau.

Er war Enkelsohn eines orthodoxen Priester und Sohn eines Historikers und  vertrat frühzeitig in seinen Schriften  eine vom europäischen Denken und vom orthodoxen Glauben beeinflusste Philosophie der All-Einheit. Seine Geschichtsphilosophie ist bestimmt vom Gedanken eines theokratischen Staates unter einer wiedervereinigten christlichen Kirche.

Solowjow war in der Tradition der orthodoxen Frömmigkeit aufgewachsen. Doch unter dem Einfluss von Ludwig Büchner und Jakob Moleschott wurde er etwa ab dem Jahr 1866 zunächst zum Materialisten und Atheisten. Nach naturwissenschaftlichen und historisch-philologischen Studien wandte er sich der Philosophie zu und vollzog über der Beschäftigung mit dem Gedankengut Spinozas, Schopenhauers und Schellings eine Rückkehr zum Glauben.

Nach seiner Promotion 1874 über die Krise der westlichen Philosophie wurde er zum Glaubensverteidiger. Er vertrat eine „positive christliche Philosophie“ und entwickelte in deren Rahmen jene All-Einheit-Philosophie, die er als das Wesen des Alls und auch des individuellen und sozialen Lebens erfasste. Seine Lehrtätigkeit an der Moskauer Universität führte ihn auch ins Ausland: nach London, Kairo, Neapel, Sorrent und Paris. Nach erfolgter Habilitation im Jahr 1880 in Sankt Petersburg hielt er an der dortigen Universität Vorlesungen bis zum Februar 1882 und wurde ab da freier Schriftsteller. Bemerkenswert ist das Thema seiner Abschiedsvorlesung: über den „Lebenssinn des Christentums“.

Solowjew erkannte im Laufe der Jahre immer mehr, dass die Russisch-Orthodoxe Kirche durch die enge Bindung an den russischen Staat nicht in der Lage war, ihre Mission zu erfüllen. Spätestens nach dem Jahr 1881, dem Jahr der Ermordung des Zaren Alexanders II., wandte er sich allmählich der Römisch-Katholischen Kirche zu. Sah er doch in ihr eine moralische Kraft, die christlichen Prinzipien klarer zu vertreten als Orthodoxie und Protestantismus. Er wollte sich jedoch nur „so eng an Rom anschließen, wie sein Gewissen es ihm erlaubte“. Sein Wunsch, dass die Russisch-Orthodoxe Kirche zu Rom zurückkehrte, zeigte sich ihm in den Folgejahren freilich als nicht realisierbar.

Dafür wuchs in ihm eine Schau, in der er die Menschheitsgeschichte an einem Scheideweg zwischen Gott und dem Abgrund sah. Deren bekanntester Ausdruck ist ein literarisches Werk, das auch sein letztes wurde: die „Kurze Erzählung vom Antichrist“. Dieses in mehreren Auflagen bis heute (v.a. im Wewel-Verlag, München) erscheinende und von dem Tübinger Slawisten und Theologen Ludolf Müller kommentierte Büchlein schildert in geradezu prophetischer Weise, wie ein vermeintlicher Wohltäter zur Weltherrschaft gelangt – mit Hilfe der Freimaurerei und eines „Comité permanent universel“. In dieser Lage setzt aber auch eine weltweite Sammlungsbewegung der drei Hauptkonfessionen ein.

Auf einem vom selbsternannten „Weltkaiser“, in Wahrheit dem Antichristen einberufenen Ökumenischen Konzil in Jerusalem kommt es über seinem Anspruch, der alleinige Schirmherr der Kirche zu sein, zwischen den ihm Zufallenden und den sich ihm Verweigernden zu einer Polarisation, die sich quer durch alle drei Konfessionen vollzieht.

Auf diese Weise bildet sich am Ende der Geschichte eine gegensätzliche ökumenische Vereinigung – auf der einen Seite unter dem Antichristen, auf der anderen Seite unter der gemeinsamen Führung durch die Oberhäupter der drei Konfessionen: dem Papst Petrus II, dem orthodoxen Starez Johannes und dem protestantischen Theologieprofessor Ernst Pauli.

Diese Vision Solowjows hat im letzten halben Jahrhundert in den Kirchen erneute Aufmerksamkeit erweckt, u. a. auch bei dem gegenwärtigen Papst Benedikt XVI.

Bei den evangelischen Bekennenden Gemeinschaften dient sie als Leitbild für eine sich schon jetzt abzeichnende „Christozentrisch-trinitarische Bekenntnis-Ökumene“.


(Siehe hierzu den unter der Rubrik „Dokumentationen“ dieser Homepage neu veröffentlichten Vortrag von undefinedProf. Dr. phil.  Edith Düsing: Christus oder Antichrist?  – Die Aktualität der Visionen von Friedrich Nietzsche und Wladimir Solowjew.)

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Segenswünsche an das neue Oberhaupt der Koptisch-orthodoxen Kirche

Tawadros II., geb. am 4. Nov. 1952 und am 18. Nov. 2012 in Kairo zum 118. Kirchenoberhaupt der Koptisch-orthodoxen Kirche eingesetzt. (Bildquelle: United Copts of Great Britain, http://www.unitedcopts.org)
Tawadros II., geb. am 4. Nov. 1952 und am 18. Nov. 2012 in Kairo zum 118. Kirchenoberhaupt der Koptisch-orthodoxen Kirche eingesetzt. (Bildquelle: United Copts of Great Britain, www.unitedcopts.org)

14. Dezember 2012

Die christliche Minderheit in Ägypten hat einen neuen Papst. Bei dem traditionellen rituellen Losverfahren fiel die Wahl auf
Tawadrous II, bislang Weihbischof im oberägyptischen Beheira im Nildelta. Er ist das künftige Oberhaupt der Kopten weltweit, deren Zahl zwischen 8 und 12 Millionen geschätzt wird.
Die Wahl des Nachfolgers für den im März 2012 verstorbenen Patriarchen Shenouda III. wurde angesichts der gegenwärtigen politischen Krise in Ägypten und der neuen Bedrängnis die koptischen Christen um einen Monat vorgezogen.

Anlässlich dieses bedeutsamen Ereignisses richtete die Internationale Konferenz Bekennender Gemeinschaften durch ihren Ehrenpräsidenten Prof. Dr. Peter Beyerhaus DD: und ihren Präsidenten, Pastor Ulrich Rüß, folgendes Glückwunschschreiben an das neue Oberhaupt der Koptischen Kirche:

Eure Heiligkeit !

Zu Ihrer Erhebung in das hohe Amt des Papstes der Koptisch-orthodoxen Kirche möchten wir Ihnen im Namen der Internationalen Konferenz Bekennender Gemeinschaften unsere Mitfreude und unsere herzlichen Segenswünsche aussprechen.

Möge der Dreieinige Gott Ihnen stets die geistliche Vollmacht verleihen, Ihr verantwortungsvolles Amt als Nachfolger des heiligen  Markus gerade in dieser für das ägyptische Volk und die koptische Christenheit so kritischen Zeit recht wahrzunehmen und in allen Bedrängnissen Ihrer Kirche ein guter Oberhirte zu sein.

Uns ist bewusst, dass es wie zu allen Zeiten auch heute erneut in Ägypten koptisch-orthodoxe Christen und Gemeinden gibt, die von den Gegnern des Christentums  bedrängt und bekämpft werden. Ja, manche von ihnen erleiden sogar das Martyrium wegen ihres Glaubens. Aber wir vertrauen fest darauf, dass gerade auch für sie die Verheißung gilt, die Jesus Christus seiner ihn tapfer bekennenden Gemeinde gegeben hat, dass die Pforten der Hölle sie nicht überwältigen sollen“ (Matthäus 16, 18 b).

Die Internationale Konferenz Bekennender Gemeinschaften (englisch „International Christian Network") ist eine Vereinigung von bekennenden Christen und Gemeinschaften in aller Welt, die sich in einer Zeit wachsender Versuchungen von innen und Bedrängnissen von außen gegenseitig geistlich zu stützen suchen. Darum schließen wir auch Sie, Eure Heiligkeit, und Ihre Kirche verstärkt in unsere Gebete ein.

Wir fühlen uns mit Ihnen auch dadurch besonders verbunden, dass der Generalbischof der Koptisch-Orthodoxen Kirche in Deutschland, Dr.  Anba Damian, seit einigen Jahren regelmäßig an unsern Ökumenischen Bekenntnis-Konferenzen aktiv teilnimmt und zwischen uns wechselseitige Gastfreundschaft wahrgenommen wird.
So wollen wir auch  in Zukunft an dem Weg Ihrer Kirche und an Ihrem Dienst  in ihr Anteil nehmen und sie fürbittend begleiten.
In der Verbundenheit des Glaubens an den Dreieinigen Gott grüßen Sie namens der Internationalen Konferenz Bekennender Gemeinschaften herzlich

Ihre

Pastor Ulrich Rüß,  und     Prof. Dr. Peter P. J. Beyerhaus,
      (Präsident)                            (Ehrenpräsident)


Hamburg und Tübingen,
10. Dezember 2012

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Die Bekenntnis-Ökumene lebt – Zeltevangelisation mit Lutz Scheufler

12. September 2012

Bericht von der Zeltevangelisation mit Lutz Scheufler im Juli 2012 in Winterlingen auf der Schwäbischen Alb

Eine gemeinsame evangelisch-katholische Zeltevangelisation - kann das gehen? Ja, es kann gehen, wenn unser Herr Jesus Christus und der Ruf zu ihm im Mittelpunkt stehen. Erfüllt und mit großer Dankbarkeit sehen evangelische und katholische Christen  auf die „Ökumenischen Begegnungstage unter dem Zeltdach“ in Winterlingen mit Lutz Scheufler und dem Sächsischen Evangelisationsteam zurück. Eine Woche vom 1.-8. Juli waren sie Veranstalter und Gastgeber auf dem Winterlinger Festplatz. „Gott will alle!“  hieß ihr Leitmotiv.
Schon im Dezember 2010 hatte sich die evang. Kirchengemeinde der Frage gestellt, was nach Gottes Willen für die Gemeinde „dran“ sei und war einstimmig zu dem Ergebnis gekommen, dass die Zeit für eine Evangelisation reif schien.

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Warum werden wir nicht katholisch?

Andreas Theurer

24. August 2012

So fragt im Titel des soeben im Dominus-Verlag Augsburg erschienenen Büchleins der Verfasser Andreas Theurer seine Leser. Bislang war er Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Göttelfingen im Dekanat Freudenstadt. Auf dem Umschlagbild lächelt er sie – im schwarzen protestantischen Talar mit weißem Beffchen gekleidet – an. Er lädt sie ein zum Empfang des heiligen Abendmahls, indem er ihnen Patene und Kelch mit den soeben von ihm nach evangelischem Ritus konsekrierten Elementen entgegenhält.
Dieses Bild ist allerdings, wie sich herausstellt, leider eine Fiktion.
Bild und Titel stellen mich – wie auch viele andere – vor Fragen, die ich im Folgenden zu beantworten suche.

Die weites Aufsehen erregende und in vielen Medien kommentierte Tatsache ist, dass Andreas Theurer unmittelbar nach Erscheinen seines Büchleins vom Oberkirchenrat seiner Evangelischen Landeskirche in Württemberg von einem Tag zum andern aus ihrem Pfarrdienst entlassen wurde und von nun an in keiner württembergischen Gemeinde mehr predigen und die Sakramente verwalten darf.

Schon seit längerem trug er sich mit dem Gedanken, zusammen mit seiner Ehefrau Gudrun, geb. Reinhard, die bisher noch Synodale in der Landessynode im pietistischen Gesprächskreis „Lebendige Gemeinde“ war, zu konvertieren. Das wurde im Stuttgarter Oberkirchenrat zwei Wochen vor dem Erscheinen des Buches Zeit bekannt; denn Pfarrer Theurer hatte es ihm mitgeteilt. Er hätte wahrscheinlich noch bis kurz vor seinem Übertritt, den er für den Reformationstag 31. Oktober (!) dieses Jahres plant, Pfarrer bleiben dürfen. Als nun aber obendrein sein bewusst provokativ betiteltes Buch erschien, empfand die die Grenze des Tolerierbaren überschritten. Deshalb verfügte sie von einem Tag zum anderen seine  fristlose Entlassung.

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Regel für die Bekenntnisbruderschaft St. Peter und Paul (BPP) (Auszug)

15. April 2012

Glaubenserklärung des Bundes für evangelisch-katholische Einheit e. V., des Bundes für christliche Einheit e.V. und der St. Jakobus-Bruderschaft

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